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Uebersicht der Ereigalsse des Aahtts 1665.
Jtalien, schienen. Zuletzt wurde der König selber nicht mehr geschont und
die zu einem Hofball fahrenden Gäste desselben aufs gröblichste insultirt.
Die Regierung hütete sich wohl, in denselben Fehler zu
fallen wie im September, dagegen verlangte sie mit voellem Rechk
von den Gemeindebehörden ein entschiedenes Eingreifen und eine
unzweideutige Manifestation. Die Municipalität war schwach genug,
beides zu verweigern, so daß dem Könige nichts anderes übrig blieb,
als seine Würde selbst zu wahren; am 3. Februar früh Morgens
verließ er ohne Ankündigung und ohne allen Abschied die bisherige
Hauptstadt und siedelte sofort nach Florenz über, worauf in Turin
alsbald ein Umschlag in der öffentlichen Meinung erfolgte. Das
Varlament blieb indeß noch bis zum Schluß seiner Session in Turin
versammelt. Seiner Berathung und Entscheidung lagen noch äußerst
wichtige Fragen vor, die Einführung der Cidvilehe, die Abschaffung
der Todesstrafe, die Aufhebung der Klöster, die Säcularisation der
geistlichen Güter, die Ordnung der Staatöfinanzen. Nicht alle wurden
erledigt, am wenigsten die letztere, obwohl sie die dringendste
von allen gewesen wäre. Dagegen wurde die Einführung der Cirilehe
von beiden Kammern mit großen Mehrheiten beschlossen, ebenso
auch die Abschaffung der Todesstrafe von der zweiten Kammer, während
der Senat sie vorerst noch ablehnen zu müssen glaubte. Schwieriger
war die Klosterfrage: Regierung und Kammer waren zwar
über das Princip einig, nicht aber über das Detail der Ausführung
und die zukünftige Venvendung und Verwaltung der bisherigen
Klostergüter. Ein unerwartetes Ereigniß unterbrach die dießfälligen
Verhandlungen. Am 6. März richtete der Papst ein eigenbändiges
Schreiben an den König Victor Emanuel, in dem er die Verlassenheit
so vieler italienischer Bischofssitze beklagte und sich mit dem Könige
über die Wiederbesetzung derselben zu verständigen wünschte.
Die Regierung stand keinen Augenblick an, auf den Wunsch des
hl. Vaters einzugehn und ordnete den Commendatore Vegezzi,
einen gemäßigten und gewandten Mann, zu diesem Behufe nach
Nom ab, doch mit der bestimmten Instruction, sich auf die angeregte
rein kirchliche Verständigung zu beschränken und die
politischen Fragen sorgfältig intact zu erhalten. Die ersten allgemeinen
Unterhandlungen schienen das beste zu versprechen und die
Negierung sah sich sogar veranlaßt, am 26. April ron der Depu-