Full text : Fürst Bismarck und der Bundesrat. Erster Band. Der Bundesrat des Norddeutschen Bundes (1867-1870). (1)

—  114  —

18.  Schaumburg--Zippe.
Geheimer  Regierungsrat  Höcker.)

Derselbe  hat  in  den  Jahren,  in  welchen  er  fürstlich  schaumburg-lippischer
Bevollmächtigter  zum  Bundesrat  war,  mit  dem  Fürsten  Bismarck  Unterredungen
und  Berührungen  von  irgend  welcher  historischen  Bedeutung  nicht  gehabt.

19.  Gippe.
Kabinetsminister  v.  Oheimb')
(geboren  19.  Januar  1820).

Die  Stelle  als  fürstlich  lippischer  Kabinetsminister  erhielt  v.  Oheimb
anfangs  1865  auf  Betreiben  des  früheren  preußischen  Ministerpräsidenten  Freiherrn
  v.  Manteuffel.  In  dieser  Eigenschaft  schloß  Oheimb  das  Bündnis
vom  18.  August  1866  mit  Preußen  ab.  Im  Dezember  1866  nahm  derselbe
als  Bevollmächtigter  des  Fürstentums  Lippe  teil  an  den  Beratungen  des  Verfassungsentwurfs
  des  Norddeutschen  Bundes,  wurde  dann  am  1.  August  1867
zum  Mitgliede  des  Bundesrats  für  Lippe  ernannt,  später  auch  zum  Mitgliede
des  Bundesrats  des  Zollvereins.  Derselbe  schied  auf  seinen  Antrag  Ende  März
1868  aus  dem  lippischen  Staatsdienst,  verblieb  jedoch  auf  Ersuchen  bis  August
1868  in  seiner  Stellung  beim  Bundesrat.  Im  Jahre  1867  war  Odheimb  als
Abgeordneter  von  Lippe  Mitglied  des  konstituirenden  Reichstags.

Sowohl  in  den  geschäftlichen  als  in  den  gesellschaftlichen  Beziehungen  hat
Oheimb  sich  stets  des  freundschaftlichen  und  wohlwollenden  Entgegenkommens
des  Fürsten  Bismarck  zu  erfreuen  gehabt.  Während  seiner  zwölfjährigen  Wirksamkeit
  als  Kabinetsminister  im  Fürstentum  Lippe  hat  dieses  immer  eine  preußenfreundliche
  Politik  verfolgt,  so  insbesondere  in  den  kritischen  Zeiten  des  Frankfurter
  Fürstentages  1863  und  den  Verhandlungen  im  Bundestage  1866.  Auf
Oheimbs  Anraten  war  der  Fürst  zur  Lippe,  abgesehen  von  dem  damaligen
kranken  Herzoge  von  Anhalt-Bernburg,  der  einzige  deutsche  Regent,  welcher
Seiner  Majestät  dem  Könige  von  Preußen  in  der  Ablehnung  der  Einladung
des  Kaisers  von  Oesterreich  zur  Teilnahme  an  dem  Frankfurter  Fürstentage
folgte.  Bei  der  Abstimmung  am  14.  Juni  1866  über  den  österreichischen
Antrag  in  der  Bundesversammlung  stimmte  der  Gesandte  der  ihm  erteilten
Instruktion  gemäß  für  Lippe  gegen  diesen  Antrag,  und  Oheimb  hat  in

*)  Gegenwärtig  Geheimer  Oberregierungsrat  a.  D.  in  Bückeburg.

**)  Alexander  v.  Oheimb,  geboren  in  Enzen  im  Fürstentum  Schaumburg-Lippe,  trat
nach  Absolvirung  der  Universitätsstudien  in  Berlin  und  Bonn  am  26.  Mai  1841  als
Auskultator  in  den  preußischen  Justizdienst,  wurde  am  26.  August  1846  zum  Oberlandesgerichtsassessor
  ernannt  und  trat  im  Jahre  1847  zur  allgemeinen  Verwaltung  über.
Von  da  ab  bis  zum  Jahre  1854  war  er  Mitglied  der  Regierung  in  Minden  und  dann
bis  Ende  1855  als  Oberpräfidialrat  in  Coblenz  beschäftigt.