Contents : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreißigster Jahrgang. 1914. Erste Hälfte. (55a)

198  Pas  Dernische  Reich  und  seine  rinzelnen  Glieder.  (April  18.

Die  Taten  der  Väter  leben  im  Gedächtnis  der  Söhne  und  Enkel.
Ich  weiß,  daß  diese  es  jenen  in  treuer  Hingebung  an  Mich  und  das  Vaterland
  gleich  tun  werden,  wenn  jemals  feindliche  Hand  das  mit  so  teuren
Opfern  Errungene  antasten  sollte.

Uchilleion,  Korfu,  den  18.  April  1914.
Wilhelm.

Gleichzeitig  ergeht  an  die  Marine  folgender  Erlaß:

Die  Fünfzigjahrfeier  der  Ereignisse  von  1864  läßt  Mich  dankbar
auch  der  Dienste  gedenken,  welche  die  kleine  preußische  Marine  damals
dem  Vaterlande  geleistet  hat.  Einer  mehrfachen  Uebermacht  gegenüberstehend
hat  sie  doch  keine  Gelegenheit  versäumt,  dem  Gegner  Abbruch  zu  tun.
Der  17.  März,  der  Tag  von  Jasmund,  wird  immer  ein  Ehrentag  der
preußischen  Marine  bleiben  und  damit  auch  der  deutschen  Marine,  die  aus
ihr  hervorgewachsen  ist.  Diese  schneidige  Waffentat  sowie  das  tapfere  Verhalten
  des  Avisos  „Grille“  und  der  Kanonenboote  haben  den  Feind  gezwungen,
  starke  Streitkräfte  für  den  Blockadedienst  zu  verwenden  und  so
dem  Zusammenwirken  mit  der  Armee  zu  entziehen.  Aber  über  diesen  militärischen
  Erfolg  hinaus  haben  die  Männer,  welche  1864  auf  den  Kommandobrücken
  und  hinter  den  Kanonen  unserer  Schiffe  standen,  die  Marine  dem
Herzen  ihres  Königs  und  des  ganzen  deutschen  Volkes  näher  gebracht  und
damit  den  Grund  gelegt,  auf  dem  sich  die  starke  Flotte  des  Deutschen
Reiches  aufgebaut  hat.  Indem  Ich  diesen  Männern  heute  erneut  Meinen
Kaiserlichen  Dank  ausspreche  für  die  vor  fünfzig  Jahren  geleisteten  treuen
Dienste,  blicke  ich  vertrauensvoll  auf  die  jetzige  Marine,  welche  mit  größeren
Mitteln  Größeres  leisten  wird,  wenn  wieder  einmal  die  Waffenentscheidung
angerufen  wird.

Achilleion,  Korfu,  den  18.  April  1914.

Wilhelm.

18.  April.  (Elsaß-Lothringen.)  Das  Abschiedsgesuch  des
Statthalters  Grafen  v.  Wedel  wird  zum  1.  Mai  ds.  Is.  genehmigt.
Zum  Nachfolger  des  Grafen  v.  Wedel,  der  in  den  Fürstenstand
erhoben  wird,  wird  der  Staatsminister  v.  Dallwitz  ernannt,  an
dessen  Stelle  der  Oberpräsident  a.  D.,  Wirkliche  Geheimerat  v.  Loebell
das  Ministerium  des  Innern  übernimmt.  Das  kaiserliche  Handschreiben
  an  den  bisherigen  Statthalter  von  Elsaß-Lothringen  hat
folgenden  Wortlaut:

Mein  lieber  Graf  von  Wedel!

Ihrem  Wunsche  entsprechend  habe  ich  Sie  durch  Erlaß  vom  heutigen
Tage  von  dem  Amte  als  Kaiserlicher  Statthalter  in  Elsaß--Lothringen  abberufen.
  Ich  kann  es  Mir  nicht  versagen,  Ihnen  noch  in  besonderer  Weise
Meinen  wärmsten  Dank  zu  erkennen  zu  geben  für  die  treuen  und  aufopfernden
  Dienste,  welche  Sie  mit  unermüdlichem  Pflichteiser  in  den
Jahren  Ihrer  Statthalterschaft  wie  in  allen  früheren  militärischen  und
diplomatischen  Stellungen  Mir  und  dem  Vaterlande  geleistet  haben.  Zum
Zeichen  Meiner  dankbaren  Anerkennung  Ihrer  hervorragenden  Verdienste
und  Meines  unveränderten  Wohlwollens  habe  Ich  Mich  in  Gnaden  bewogen
  gefunden,  Sie  unter  der  Ihnen  bisher  zustehenden  Namensform  in
den  Fürstenstand  mit  dem  Prädikate  „Durchlaucht“  zu  erheben.