Metadata : Der Fehlspruch von Versailles.

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sandte  meinte  indes  in  seinem  Berichte  vom  18.  März  18871),  daß  die
Grundlagen  der  Gefahr  auch  durch  ihn  nicht  beseitigt  seien.  „In  Wirklichkeit
  hat  sich  die  Lage  Frankreichs  gegenüber  Deutschland  und  umgekehrt
  nicht  geändert.  Der  Verlust  Elsaß-Lothringens  ist  eine  dauernde
Gefahrsursache  für  die  friedlichen  Beziehungen  zwischen  beiden  Staaten.
Der  Kanzler  hat  das  im  Reichstage  deutlich  ausgesprochen.  Vielleicht
wird  ein  Jahrhundert  nötig  sein,  damit  sich  Frankreich  in  seine  Verstümmelung
  findet  und  Deutschland  seine  neuen  Provinzen  sich  angleicht.
Diese  Erregung  Frankreichs  peitscht  die  Parteien  auf  nnd  schafft  Angriffspunkte
  für  fremde  Einflüsse...  Man  mißtraut  in  Berlin  der  Revanchepartei.
  Wenn  der  Chauvinismus  Herrn  v.  Lesseps  Lügen  strafen
sollte,  so  wird  sein  Berliner  Besuch  die  Lage  nur  verschlechtert  haben.“
Über  den  Erfolg  seiner  Mission  äußerte  Lesseps  selbst,  daß  er  den  deutschen
Kaiser  und  den  Fürsten  Bismarck  darüber  beruhigt  habe,  eine  französische
Allianz  mit  Rußland  entspreche  gar  nicht  einmal  den  eigenen  Interessen
Frankreichs.

Der  Berliner  Bericht  vom  18.  März  1887  erwähnt  auch  die  Erneuerung
des  deutschen  Bündnisses  mit  Italien,  über  die  noch  nichts  Zuverlässiges
zu  ermitteln  gewesen  sei,  die  aber  sicher  scheine  und  Frankreich  nur  noch
mehr  verstimme.  —

Ein  besonderes  Interesse  hat  dieser  Bericht  noch  durch  eine  Erwähnung
  der  von  Belgien  geplanten  Maasbefestigungen.  Zu  den  vielen
Irrtümern,  die  über  die  belgische  Frage  in  Deutschland  noch  heute  verbreitet
  sind,  gehört  auch  der,  daß  die  Anlage  der  Maasbefestigungen  in
Lüttich  und  Namur  von  vornherein  einen  für  Deutschland  unfreundlichen
  Akt  dargestellt  hätte.  Ich  habe  bereits  in  meinem  ‚geistigen  Kampf
um  die  Verletzung  der  belgischen  Neutralität‘)  darauf  hingewiesen,
daß  diese  Ansicht  irrig  ist,  und  daß  man  sich  damals  gerade  in  Frankreich
  über  die  belgische  Neubefestigung  entrüstet  geäußert  hat,  da  sie
Deutschland  einseitig  begünstige.  In  seinem  Berichte  vom  18.  März  1887
meldet  nun  Graf  van  der  Straten  Ponthoz  nach  Brüssel,  er  habe  im  Sinne
einer  ihm  von  Brüssel  gewordenenWeisung  vom  12.  März  eine  Unterredung
mit  dem  Grafen  Bismarck  gehabt,  der  damals  Staatssekretär  des  Äußeren
war,  und  ihm  die  Auffassungen  des  belgischen  Königs  über  die  Wahrung
der  belgischen  Neutralität  mitgeteilt.  Graf  Bismarck  habe  von  neuem
im  Auftrage  seines  Vaters  dessen  Genugtuung  über  die  von  Belgien  ergriffenen
  Maßnahmen  ausgesprochen.  Bereits  am  4.  März  hatte  der
belgische  Gesandte  gemeldet,  „daß  der  Fürst  Bismarck  mit  Genugtuung
von  den  Maßnahmen  der  belgischen  Regierung  zur  Verstärkung  ihres
Militäretats  und  von  dem  Projekte,  die  Übergänge  über  die  Maas  zu  befestigen‘‘,
  Kenntnis  nehme.  —

1)  Bd.  V,  S.  179  ff.
°)  Verlag  Hans  Robert  Engelmann,  Berlin  1919.