thumbs : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

52  1611  20—  21.

Januar15.der,  welcher  dieselben  in  dem  werk  sicht,  warnimbt  und  die  mitl
darzu  vor  der  hand  hat.  [Mich  hat  mörkhlich  geholffen  ein  steiffes
propositum,  alle  vnnotwendikheiten  abzustellen,  item  dass  ich  selbs  zu
meinen  sachen  gesehen,  die  rechnungen  selbs  gelesen  vnd  wass  ich
für  mengl  dabei  gefunden,  geandet,  bericht  genommen,  der  sachen
remediert,  auch  den  mittlen,  das  einkhommen  debito  modo  zu  uerbössern,
  selbst  nahgedacht;  vnd  ist  in  hac  materia  das  sprichwort
ganz  wahr:  oculus  domini  saginat  equum.  Ess  wird  das  maiste  an
I.  M.!  resolution  selbs  gelegen  sein,  dass  sie  gedenkhen,  dass  die
rehte  reputation  vnd  grandezza  nit  in  dem  spendiern  sonder  in  dem
wolspendiern  vnd  gespärikheit  stett;  dann  vil  khlaine  machen  ein
gross  vnd  von  vilen  hunderten  entspringen  vil  tausent  vnd  auss  den
tausenten  werden  die  milliones,  vnd  ein  fürst,  so  nit  bei  diser  itzigen
bösen  welt  reich  ist,  der  het  khein  authoritet  noch  reputation,  vnd
wo  dise  2  nit  sein,  da  muss  das  publicum  bruchen  leyden.  Ich  hab
gleichwol  den  brauchen,  dass  alle  monat  ein  jeder  pfening,  so  bei
meinem  zolamt  oder  hazienda  ein  vnd  aussget,  mir  ordenlich  verzaichnet
  muss  zugestelt  werden;  da  khan  nun  nit  sich  baldt  ein
verlogenheit  oder  untrew  verbergen;  dan  wo  ich  ein  bedenkhen  finde,
muss  mans  incontinenti  erleittern  ;  also  auch,  da  in  der  einnamb  sich
ein  vnderschid  oder  abgang  befindt,  khan  man  gleich  denselben  merkhen
und  alssbalt  nahsuchen,  woher  er  sich  nimbt,  also  auch  wie  solhem
zu  remediern  oder  dabei  sonsten  wass  zu  uerbössern.  Dass  ich  nit
mer  satisfaction  in  diser  materia  gib,  werden  E.  Erw.  aus  vorangerehten
  vrsachen  mich  entschuldigen“]t  —  Datum  in  meiner  statt
München  den  15.  januarii  a.  1611.

Ma.,  292|10,  f.  1;  Kpt,  von  Pichler  mit  eigenhändigem  Zusatz  des  Herzogs.

Januar  16.21.  Bericht  des  Karl  Freiherrn  von  Wolkenstein  an
Erzherzog  Maximilian  über  seine  Schickung  nach
Udenhbeim  und  Heidelberg.

Am  24,  Dezember  erhielt  ich  E.  fl.  D.‘  Befehl  und  traf  am  30.
in  Udenheim  ein.  Gegenstand  der  Besprechung  mit  dem  Bischof  von
Speier  war  vornehmlich  die  bruchsal-udenheimische  Sache,?  in  der  er
Dero  Fürwort  erbat.  —  Am  2.  Januar  kam  ich  nach  Heidelberg.  Noch
abends  lud  ich  Lingelsheim  zu  mir,  der  im  Gespräch  äusserte,  wenn  nicht
das  leopoldische  Volk  im  Elsass  und  Passau  etwas  errege,  werde
man  wol  Frieden  in  diesem  Jahre  haben;  es  heisse  aber,  man  wolle  dies
Volk  nicht  abdanken  und  noch  das  mailändische  Volk  ins  Reich
kommen  lassen;  in  diesem  Fall  müsse  man  daran  denken,  dem  Unheil
zuvorzukommen.  Neulich  seien  deswegen  die  Gesandten  der  Kurpfalz,

1  Kigenhändiger  Zusatz  des  Herzogs.
?  Vgl.  Briefe  und  Akten,  VI.,  no.  384  und  F.X.  Remling,  Geschichte
  der  Bischöfe  zu  Speyer,  II.,  Mainz  1854  S.  431  f.,  452  f.