Ehe die drei Köpfe nach drei Richtungen sprechen, wird die
Ministerliste verlesen, aus der wir ersehen, daß wir fortan
von vier Parteijournalisten, vier Parteibeamten, drei Juristen,
einem ODiplomaten, einem Bergrat a. O. und einem
Handelshochschullehrer a. D. regiert werden sollen. Der
einzige Fachmann darunter ist der Staatssekretär des Auswärtigen
Amts, der Graf v. Brockdorff-Rantzau. Gerade
darum wird man ihn nicht lange behalten. Schon Bismarck
schrieb 1853 an Schleinitz, es gäbe niemanden unter uns
Oeutschen, der nicht alles, von der Politik bis zum Hundeflöhen,
besser verstünde als der Fachmann. Ee sind noch viele
Parteimänner da, die gerne das mystische Auswärtige übernehmen
würden, etwa der persönlich so nette Essener Rechtsanwalt
Bell, der vorläufig Kolonialsekretär geworden ist.
Weiß der Himmel, warum. Oder Adolf Hoffmanns Freund
in Neisse, der sich fürs Auswärtige in einem ebenso offenher--zigen
wie unorthographischen Brief bereits gemeldet hat.
Im allgemeinen bringt die Ministerliste keine Uberraschungen.
Nur der fürs Ernährungsamt bestimmte Zentrumsabgeordnete
Herold hat noch rechtzeitig die Finger von diesem dornenbesetzten
Portefeuille gelassen.
Der Jacques Bonhomme der Sozialdemokratie, Ebert,
ist aus der Regierung ausgeschieden, da er Landesvater geworden
ist; auf ihn kann die Partei am ehesten verzichten,
er ist nichts weniger als ein überragendes Talent, darum gibt
sie ihn her. Der Gerissenste unter den Sozialdemokraten, Landsberg,
und der Klügste unter ihnen, Scheidemanmn, sind geblieben,
dazu noch fünf weniger beträchtliche Herren. In die anderen
sieben Ministerposten teilen sich Demokratie und Zentrum.
Scheidemann eröffnet den beutigen Reigen mit einer
Programmrede. Er ist der erste Kopf des neuen Kindes. Er
verkündet, daß wir die Aufgabe hätten, das Werk der Revolution
methodisch fortzuführen.
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