Full text : Was hat Preußen für Deutschland geleistet?

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Die  große  Aenderung  in  der  Dynastie  machte  sich  auch  sogleich
bemerklich,  denn  Joseph  II  zerriß  die  Bande,  die  Wien  bisher
mit  Rom  verbunden  hatten,  half  mit  zur  Aufhebung  des  Jesuitenordens,
  säcularisirte  eine  Menge  Klöster  und  führte  die  Aufklärung
  und  ein  liberales  System  in  Oesterreich  ein.  Aber  er
überstürzte  sich  dabei  und  stieß  daher  überall  auf  Widerstand.  Mit
den  lateinischen  Jesuitenschulen  hörte  die  Herrschaft  des  romanischen
  Geistes  in  Oesterreich  auf,  der  Kaiser  begünstigte  die  deutsche
Sprache  in  den  Schulen,  wollte  sie  aber  so  plötzlich  und  gewaltsam
  auch  den  Böhmen  und  Ungarn  aufdrängen,  daß  sie  sich
ihm  widersetzten.  Die  Germanisirung  hätte  schon  Jahrhunderte
früher,  allmälig  mit  allen  Wohlthaten  der  Civilisation  bewirkt
werden  sollen.  Auch  in  der  Aufklärerei  ging  er  zu  weit,  verstieß
tyrannisch  gegen  manche  gute  alle  Sitte  und  wollte,  wie  es
scheint,  ein  noch  größerer  Freidenker  seyn,  als  Friedrich  der
Große,  dessen  Ruhm  er  beneidete.

Zum  zweitenmal  trat  Oesterreich  aus  dem  Zauberkreise  des
spanischen  Absolutismus  heraus,  wie  es  früher  zum  erstenmal,
wenn  auch  mit  andern  Mitteln  und  untern  andern  Umständen,
Wallenstein  versucht  hatte.  Diesmal  war  es  der  Kaiser  selbst,
der  Toleranz  übte.  Der  mächtige  Jesuitenorden  war  aufgehoben,
Spanien  und  Italien  befanden  sich  in  einer  kläglichen  Schwäche.
Also  hatte  Kaiser  Joseph  nicht  mit  so  vielen  Hindernissen  zu
kämpfen,  wie  einst  Wallenstein.  Aber  er  setzte  doch  keine  nachhaltige
  Reform  durch,  weil  er  alles  zu  sehr  übereilte  und  zu  oberflächlich
  behandelte.  In  so  großer  Schnelligkeit,  wie  er  es  meinte,
ließen  sich  die  jahrhundertlangen  Versäumnisse  der  Habsburger
nicht  nachholen.  Die  moderne  Aufklärung  vermochte  die  geistige
Leere  nicht  auszufüllen,  welche  die  Jesuitenerziehung  dem  Volk
zum  Erbtheil  gelassen  hatte.  Oesterreich  war  allzuweit  zurückgeblieben
  hinter  der  geistigen  Bildung  im  protestantischen  Norddeutschland.
  Es  war  nicht  geschult  genug,  im  Allgemeinen  zu