Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1903. (94)

2.  Geschichte  und  Quellen  des  Kanonischen  Rechts.  165

derselben  zusammengestellt  worden  und  die  älteste  derartige,  im  Oriente  entstandene,
nicht  überlieserte  Sammlung  hat  höchst  wahrscheinlich  die  Synoden  von  Nikäa
(325);  Ancyra  (314);  Neocäsarea  (814)  und  Gangra  (zwischen  325  und  870)  umiaht.
  Durch  Hinzufügung  der  Schlüfse  anderer  Konzilien  derselben  Zeit,  wie  der
don  Antiochien  (841),  von  Laobdicea  (zwischen  848  und  381),  Konstantinopel  (381)
umd  Chalkedon  (351)  sind  weitere,  aber  ebensalls  verlorene  Kollektionen  entstanden.
In  Abendlande  waren  dagegen  zunächst  nur  die  Kanonen  der  Synode  von  Nikäa
in  verschiedenen  Lateinischen  Uebersetzungen  und  die  mit  ihnen  schon  früh  vereinigten
Schlüsse  der  Synode  von  Sardika  (348)  (im  Lateinischen  Originaltext)  im  Umlauf.
Später  fanden  aber  auch  die  Bestimmungen  der  übrigen  orientalischen  Konzilien
Auinahme  und  unter  den  verschiedenen  Uebersetzungen  und  Sammlungen,  in  denen
bies  geschah,  lassen  sich  namentlich  zwei,  wol  in  Italien  verfaßte  und  im  sechsten
Jahrhunderte  in  Gebrauch  befindliche  Versionen,  die  sog.  prisca  translatio  und  die
Dbe.  versio  Isideriana  oder  Hispana  unterscheiden.  Die  letztere,  benannt  nach  der
fbaler  zu  erwähnenden  collectio  Hispana  oder  Isidoriana,  umfaßte  in  ihrem  vollen,
allmählich  erst  erweiterten  Umfange  die  Kanonen  der  Synoden  von  Nikäa,  Anchra,
Wocäsarrn,  Gangra,  Sardika  (diese  im  Lateinischen  Original),  von  Antiochien,
Lood  ige,  Konstantinopel  und  Chalkedon,  während  die  erstere  die  Synoden  von
Incyra,  Neocäsarca,  Nikäa,  Gangra,  Konstantinopel  und  Chalkedon  in  sich  begrif.
Lonziliense  e  en:  1)  Ph.  Labbé  und  Cabr.  Cossart,  Sacros.  concilia
#rn  1  Voli.uadsapplcsuutBaluscNon  collect.  cone.  T.  J.
-zmis  168.  11  707.  f.  53#  Hardouin,  Conc.  gener.  et  provinc.  collectio  regia  maxzima.
1715.  12  Vol.  riek,  3)  Coleti,  Sacros.  conc.  ad  reg.  ed.  exarasta.  Venet.  1728.  28
Tom.  fol.  und  Snpplement  von  Manji  i:  *  condl.  et  decretor.  nora  collect.  Luc.  1748.
##nk  sal.;  4  Ma  nei  es.  concil,  et  nom  et  amplissima  coll.  Flor.  et  Ven.  1759.  31  pu

z  de  ese  Ausgaben  und  die  Sal  für  einzelne  Länder  Bd.  1  S.  61  von

st  egasehtn  Fidurg  1855  ff.  7  Bde.  (2.  Aufl.  Bd.  1  bis  4.  232  fta  —
aeschst  beige  u  elli  eẽt  Henr.  Insteolli  biblioth.  jur.  canon.  veteris.  P.  vrs  1.
2  Lom.;  Beveregius,  Fw  #e  ive  pandectae  Canon.  ss.  apostolor.  et  Enell.  ab  ec-HLecu.
  recept.  t  On.  1672.  2  Tom.;  Assemannl  bibl.  jur.  r#rienalis  Can.  et  civ.
Rom.  I762.  5  Tom.;  Bruns,  ##  apostolorum  et  concil.  saec.  IVVII.,  Berol.  1639.

lln  7.  ##re:  *  E*  t.  Fraecor.  historia  et  monnm.,  Rom.  1864.  2.
(lon.  dozu  Hergenröther  in  *55  Arch.  s.  kath.  K.  NR.,  Xt.

185.  #.  0r  t  Werk  von  Maassen  (s.  zu  §  4

8  3.  Neben  diesen  planlosen  Sammlun  ngen  *  zwei  weitere  Kollektionen,
deren  Bezeichnungen:  eiuon#i  #r  drroor#l##  (constitutiones  apostolorum)  und
mn#d-G##te  r0  dnoordf#o(canones  apostolorum),  zwar  auf  ein  hohes  Altex  und  auf
eine  hohe  Autorität  schließen  lassen,  die  aber  beide  zweisellos  apokryph  sind.  Die
constitutiones  apostolorum,  ein  umfassendes,  didaktisches  Werk  mit  Vorschriften
noralijchen,  liturgischen  und  rechtlichen  Inhalts  in  Griechischer  Sprache,  dessen  erste
ieche  Bücher  in  Syrien  Ende  des  dritten,  dessen  letzte  beiden  im  vierten  Jahrw#nderte
  verfaßt  find,  wurden  schon  im  Orient  auf  der  Trullanischen  Synode  von
562  als  unecht  verworfen  und  haben  im  Abendlande  nie  Anerkennung  gefunden.
Tie  canones  apostolorum,  eine  Zusammenstellung  von  kurzen  Rechtssätzen,  ursprünglich
  fünfzig,  später  fünfundachtzig  an  Zahl,  stammen  ebensalls  erft  aus  dem  Ende  des
dirrten  Jahrhunderts  und  entlehnen  ihren  Stoff  namentlich  aus  den  eben  erwähnten
Konstitutionen  und  dem  Konzil  von  Antiochien.  Sie  sind  dem  achten  Buche  der
Konstitutionen  als  Schlußkapitel  im  sechsten  Jahrhundert  beigefügt  worden,  und
v##ngleich  sie  von  der  abendländischen  Kirche  im  Gegensatz  zur  orientalischen  an-#nglich
  als  apokryph  zurückgewiesen  sind,  haben  sie  doch  in  ihren  ersten  fünfjig
#ummern  in  Lateinischer  Uebersetzung  Aufnahme  zuerst  in  die  Dionysische  Sammlug
  (l.  S.  166),  und  dadurch  in  die  weiteren  abendländischen  Kollektionen,  ja

ribst  in  das  Dekret  Gratian's,  erlangt.
A  der  Konstitut.:  Guil  Ueltzen,  Comstit,  apostollc.  text.
Rostochi  1853;  Bunsen,  Analecta  Antenicnena.  London,  1854.  2,  23;  de