Full text : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

giere  beträchtliche  Anforderungen,  denen  nicht  alle  gewachsen  waren.
Ich  habe  das  reizende  Schiff  sehr  geliebt  und  denke  mit  Freuden
an  die  auf  ihm  verbrachten  schönen  Stunden  meiner  Kinderzeit.

Ich  beende  die  Schilderung  unserer  Sommerreise  von  1872,  indem
  ich  die  Wiedergabe  meines  Lebenslaufes  fortsetze:  xMein  Bruder
und  ich  reisten  am  Ende  unseres  Aufenthaltes  in  Föhr  auf  der  Bacht
des  Kaisers  „Grille“,  welche  uns  zur  Disposttion  gestellt  war,  nach
Hamburg.  Dort  verbrachten  wir  einige  Tage,  um  das  Treiben  der
größten  deutschen  Handelsstadt  zu  beobachten.  Da  war  mein  größtes
Vergnügen,  am  Hafen  spazieren  zu  gehen  und  die  Hunderte  und
aber  Hunderte  von  großen  Dampfern  und  Segelschiffen  zu  sehen,  das
Leben  und  Treiben  am  Hafen  und  in  den  Straßen  zu  beobachten,
das  Einladen  und  Löschen  der  Ladungen,  das  Ankommen  und  Abgehen
  von  Schiffen,  das  Rennen  und  Jagen  der  Leute,  überhaupt
das  rege  Bild  des  Arbeitens  und  des  Berdienens  war  für  mich
das  anregendste,  was  sich  finden  konnte.  Auf  einen  Tag  gingen
wir  auch  zu  meiner  großen  Freude  nach  Kiel  und  sahen  dort  die
Werften  und  den  Hafen,  es  wurde  damals  gerade  das  Panzerschiff
„Friedrich  der  Große“  gebaut.=*

  *  *

Von  besonderen  Ereignissen,  die  in  diesen  Jahren  vorfielen,  entsinne
  ich  mich  noch  des  Besuchs  des  italienischen  Kronprinzen  Humbert
und  seiner  Gemahlin  Margherkta  im  Frühfahr  1872,  die  mit  großen
Cestlichkekten  gefekert  wurden.  Ich  erwähne  ferner  die  glanzvolle
Drelkalserparade  auf  dem  Tempelhofer  Felde  im  Herbst  1872,  an
der  außer  fast  sämtlichen  deutschen  Fürsten  Kaiser  Franz  Josef  und
Zar  Alexander  II.  mit  dem  Thronfolger,  späteren  Zaren  Alexander  III.,
dem  Reichskanzler  Fürst  Gortschakow,  Feldmarschall  Graf  Berg,
Großfürst  Wladimir  und  dem  Kriegsminister  Milfutin  tellnahmen.
Beim  Vorbesmarsch  des  Ersten  Garderegimens  zu  Fuß,  das  mein

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