692 Krieg gegen Oesterreich.
1860 Doch die Entscheidung konnte nur der Kampf mit den Oesterreichern selbst
bringen. Diese hatten 238000 Mann unter dem Feldzeugmeister Benedek, der
nur widerwillig den Oberbefehl übernommen, in Böhmen aufgestellt, und zu ihnen
waren noch 23.0000 Sachsen gestoßen, während Bayern die österreichische Forderung,
gemeinsam in Böhmen zu operieren, abgelehnt hatte und in dem getrennten
Kampfe der süddeutschen Bundeskorps den sichersten Schutz der eigenen Länder
sah. Benedek zeigte nicht die Gaben des Feldherrn, und die durch den Geldmangel
herbeigeführten Versäumnisse im österreichischen Heerwesen machten sich
scharf bemerklich. Kaum daß es gelang, die geplante Zahl zu erreichen, und die
innere Tüchtigkeit dieser nur kurze Zeit geschulten Truppen stellte sich als eine
äußerst mangelhafte heraus, der #e80 cenüber die Bedeutung der Reorganisation
König Wilhelms um so mehr zu Tage
ach dem Plane des 5A ae von Moltke wurde in Berlin die
kühnste Offensive, die Aufgabe Schlesiens und der Einmarsch in Böhmen beschlossen.
Die Streitkräfte waren ursprünglich in drei Heeressäulen geteilt, die
Elbarmee unter Herwarth von Bittenfeld bei Torgau (46000 Mann), die erste
Armee unter dem Prinzen Friedrich Karl in der Lausitz (93000 Mann) und
die zweite unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Schlesien bei Neiße
(115000 Mann). Diese waren nun nach der Besetzung Sachsens zu einer
machtvollen Masse zusammenzuziehen, um der mutmaßlichen Vereinigung der
österreichischen im nordöstlichen Böhmen zuvorzukommen. Die Elbarmee wurde
unmittelbar nach der Einnahme Sachsens unter den Prinzen Friedrich Karl
2. Jun gestellt, und am 22. Juni befahl der König den Einmarsch der Armeen in
Böhmen und ihre Vereinigung bei Gitschin. Die erste Armee, welcher die
leichtere Aufgabe zufiel, sollte durch schnelles Vorgehen die Krisis abkürzen. Nach
raschen Schlägen bei Hünerwasser, Turnau, Podol, Münchengrätz besiegte Prinz
Friedrich Karl mit 26 000 Preußen 42000 Oesterreicher und Sachsen bei Gitschin
in blutiger Schlacht, machte das ganze österreichische erste Korps kampfunfähig
und hatte damit die Hindernisse zur Vereinigung mit dem Kronprinzen aus dem
Wege geräumt. In gewissem Sinn war der Plan Benedeks, der sich hauptsächlich
gegen Friedrich Karl r*d- während er den Kronprinzen für schwächer
hielt, schon jetzt vereitelt. Er aber war bei seiner Absicht, Friedrich Karl zu
verrichten, geblieben, obwohl die schlesische Armee inzwischen ebenfalls aufgebrochen,
i am und General von Steinmetz bei Nachod am 27, eine große Uebermacht der Oesterreicher
zurückgeschlagen hatte. An demselben Tage hatte Gablenz die Preußen
a#m# bei Trautenau zurückgewiesen. Am 28. aber wetzte die Garde bei Burkersdorf
die Scharte glänzend aus, und gleichzeitig warfen abermals Steinmetzens Scharen
im furchtbarsten Ringen den Feind bei Skalitz. Die Garde nahm Königinhof;
Steinmetz siegte noch einmal bei Schweinschädel. Aufs glänzendste war die Aufgabe
gelöst, die preußischen Armeen in so nahen Zusammenhang gebracht, „daß
der Gegner die eine nicht angreifen konnte, ohne daß ihm die andere in den
Rücken siel“. Benedek, der sich und seinen Kaiser bger in argen Täuschungen
über Siege erhalten, maßte nach einem Gesamtverlust von etwa 40000 Mann
seinen Kriegsplan aufgeben und sich nach Königgräß zurückziehen; ja, als hier
die ersten Truppen in völliger Erschöpfung ankamen, sandte er — acht Tage nach
der Kriegserklärung — telegraphisch seinem Kaiser die Bitte, sofort Frieden zu
| schließen, und dieser erklärte sich Napoleon gegenüber zur Abtretung Venetiens.