Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

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Meisterschaft  ihrer  Ausführung.  Mil  Rücksicht  auf
Sperren  und  Befestigungen  wählte  man  als  geeignetsten
  Hauptlandungsplatz  die  Taggabucht  an  der  Nor
westspitze  der  Insel  Osel.

Als  Flankenschutz  der  Hauptgruppe  sollten  3000
Mann  Nadfahrertruppen  an  der  Nordküste  bei  Pamerort
  ausgeschifft  werden  mit  dem  Auftrage,  in  parallelem
  Vorgehen  mit  der  Hauptmacht  sich  im  Handstreich
  des  Brückenkopfes  von  Orrissar  zu  bemächtigen,
um  den  russischen  Besatzungstruppen  der  Insel  Osel
ein  Entweichen  nach  der  Insel  Moon  unmöglich  zu
machen  und  den  Übergang  dorthin  für  die  deutschen
Truppen  zu  sichern.  Durch  umfassendes  Vorgehen
von  Norden  sollte  die  Haupteinsahrt  nach  dem  Rigaischen
  Meerbusen  für  die  deutschen  Seestreitkräfte  geöffnet
  werden,  die  dann  einen  freien  Schiffahrtsweg

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nach  Arensburg  an  der  Südseite  der  Insel  herzustellen
hatten.  Der  zweite  Teil  der  Aufgabe  umfaßte  den
Übergang  nach  Dagö  und  Moon  und  die  Eroberung
dieser  Inseln.  Die  im  Moonsund  liegenden  russischen
Seestreikkräfte.  zwei  ältere  Linienschisse,  Panzerkrenzer,
Kleine  Kreuzer,  Kanonenboote,  Zerstörer  u.  Torpedoboote,
  sollten  nach  Möglichkeit  abgefangen,  ihr  Entkommen
  nach  Norden  durch  Angriff  von  Süden  aus
dem  Rigaischen  Meerbusen  heraus  und  Sperrung  des
Nordausganges  des  Moonsundes  verhindert  werden.

Die  gemischte  Landungsabteilung  wurde  in  Liban
geammete,  Die  zur  Verschiffung  verfügbaren  17

ampfer  mit  insgesamt  153664  Brutto-Reg.-Ton.
reichten  zur  gleichzeitigen  überführung  der  rund
23000  Köpfe,  5000  Pferde,  150  Maschinengewehre,
64  Geschütze  und  12  Minenwerfer  starlen  Abteilung
mit  Troß,  sowie  mit  Munition  und  Proviant  für
30  Tage  nicht  aus.  Die  Landung  mußte  in  zwei
Stasseln  vorgenommen  werden.

Nachvorbereitenden  Arbeiten  konnte  die  Leitung  den
Beginn  der  Operation  auf  den  Morgen  des  11.  Okt.
festsetzen.  Das  Auslaufen  der  deutschen  Seestreitkräfte
unter  dem  Oberbefehl  des  Vizeadmirals  Erhardt
Schmidt  —  Panzerkreuzer  „Moltle,  3.  und  4.  Geschwader
  (10  Linjenschisse),  2.  und  6.  Aufklärungs-I.

  Kriegsgeschichte

gruppe  (Kleine  Kreuzer),54  Torpedoboole,  6U-Boote,
Minensuch=  und  Räumdivisionen,  U.Bootsabwehrformationen,
  Troßschiffe  —  der  Transportflotte  sowie
der  zugehörigen  Troßschiffe  erfolgte  planmäßig.

Am  12.  Okt.  3  Uhr  vormittags  lag  die  Flotte  vor
der  Taggabucht  zu  Anker.  Ausschiffung  und  überraschende
  Landung  eines  auf  den  Schiffen  mitgeführten
Vortrupps,  der  den  Befehl  hatte,  einen  Brückenkopf
für  die  Landung  zu  bilden,  ging  ebenso  glatt  vonstatten,
  wie  die  der  Radfahrertruppen  bei  Pamerort:
8  Uhr  15  Min.  begann  bereits  das  Ausladen  der  inzwischen
  eingelaufenen  Transportflolte  in  der  Taggabucht.
  Wähxend  ein  Teil  der  Seestreitkräfte  den  Auftrag
  hatte,  gegen  Sworbe  zu  demonstrieren,  nahm  das
Gros  der  Linienschiffe  Bombardementsstellungen  vor
den  Befestigungen  von  Pamerort,  Ninnast  u.  Hundsort
  ein.  -Bayern-  und  -Großer  Kurfürst  liefen  auf
Minen,  konnten  aber  ihre  Aufgabe  durchführen.  Bei
den  sich  anschließenden  Kämpfen  um  die  Herrschaft  im
Kassar  Wik  wurde  am  14.  Okt.  der  russische  Zerstörer
Grome  genommen.  Ani  gleichen  Tage  4  Uhr  nachmt.
begann  auf  Bitten  der  Landungstruppen  die  Beschie.
ßung  der  Befestigungen  von  Sworbe.  Der  Feind  gab
we  auf  und  zerstörte  sie.  Am  Morgen  des  16.Okt.  war
die  Ha'binsel  in  der  Hand  unserer  Truppen.  Gleichzeitig
  arbeiteten  sich  die  Seestreitkräfte  einen  Weg  durch
die  Minensperren  der  Haupteinfahrten  zum  Rigaischen
Meerbusen.  Am  16.  morgens  standen  unsere  Schiffe
vor  Arensburg,  abends  vor  dem  Südeingang  des
Moonsundes.  Damit  war  Osel  umstellt,  dem  nach
dem  Südostteil  der  Insel  gedrängten  Feinde  das  Entweichen
  über  See  unmöglich  gemacht.  Am  17.  Olt.
morgens  drangen  Schiffe  des  3.  Geschwaders  unter
ihrem  Führer,  Vizeadmiral  Behncke  in  den  Moon.
sund  ein,  kämpften  die  Batterien  nieder  und  vernichlteten
  das  russische  Linienschiff  =  Stawa-.  Als  in  der
Nacht  vom  17.  zum  18.  Oklober  unsere  Radfahrertruppen
  nach  Moon  übersetzten,  war  auch  diese  Insel
von  unseren  Seestreitkräften  umstellt,  die  russische  Besatzungstruppe
  abgeschnitten.  Die  Besetzung  Dagös
ersolgte  am  18.  und  19.  Oktober,  nachdem  vorher  das
Landungskorps  der  Suchslottille  an  der  Südspitze
einen  Brückenkopf  genommen  hatte.  Den  übrigen  im
Moonsund  liegenden  russischen  Seestreitkcäften  den
Weg  nach  Norden  erfolgreich  abzuschneiden,  gelan
leider  nicht,  da  das  Minensuchen  nördlich  von  Dag
durch  schlechtes  Wetlier  aufgehalten  worden  war.  Nur
»U.  C.  58  erzielte  einen  Treffer  gegen  den  Panzerkreuzer
  „Bogatyr“.  »U.  C.  60=  vernichlete  einen
Transportdampfer.  Unsere  Großflugzeuge  besetzten
die  Inseln  Abro  und  Runö.

Am  19.  Okt.  war  die  Unternehmung  siegreich  beendel.
  Heer  und  Flotte  hatten  reibungslos  zusammengearbeitet.


Gefecht  bei  Helgoland  17.  Nov.  1917.

Zum  ersten  Male  seit  dem  28.  Aug.  1914  unternahm
  am  17.  Nov.  1917  ein  englischer  Kreuzerverband,
  u.  a.  eine  Division  der  neuesten  im  Kriege  gebauten
  englischen  Schlachtkreuzer,  einen  Vorstoß  in
die  Deutsche  Bucht.  Er  richtete  sich  gegen  leichte  deutsche
Streitkräfte,  die  elwa  90  Seemeilen  nordwestlich  von
Helsgoland  beim  Minensuchen  beschäftigt  waren.  Beim
Insichtkommen  der  englischen  Schisse  wichen  sie  in
südöstlicher  Richtung  auf  das  ihnen  zur  Unterstützung
  beigegebene  Linienschiffstressen  aus.  Als
dieses,  nur  zwei  Linienschiffe,  in  den  Kampf  eingriff,
drehte  der  englische  Verband,  der  sechs  Großkampf-