134
Meisterschaft ihrer Ausführung. Mil Rücksicht auf
Sperren und Befestigungen wählte man als geeignetsten
Hauptlandungsplatz die Taggabucht an der Nor
westspitze der Insel Osel.
Als Flankenschutz der Hauptgruppe sollten 3000
Mann Nadfahrertruppen an der Nordküste bei Pamerort
ausgeschifft werden mit dem Auftrage, in parallelem
Vorgehen mit der Hauptmacht sich im Handstreich
des Brückenkopfes von Orrissar zu bemächtigen,
um den russischen Besatzungstruppen der Insel Osel
ein Entweichen nach der Insel Moon unmöglich zu
machen und den Übergang dorthin für die deutschen
Truppen zu sichern. Durch umfassendes Vorgehen
von Norden sollte die Haupteinsahrt nach dem Rigaischen
Meerbusen für die deutschen Seestreitkräfte geöffnet
werden, die dann einen freien Schiffahrtsweg
—
1—— # Apon brzn
r 14q ———
–. DidV V . –—
— J — Juu ·
J— ..-,———«---z -
·—-s"fkl.!s"«"«r!s-I
— —
—A —
nach Arensburg an der Südseite der Insel herzustellen
hatten. Der zweite Teil der Aufgabe umfaßte den
Übergang nach Dagö und Moon und die Eroberung
dieser Inseln. Die im Moonsund liegenden russischen
Seestreikkräfte. zwei ältere Linienschisse, Panzerkrenzer,
Kleine Kreuzer, Kanonenboote, Zerstörer u. Torpedoboote,
sollten nach Möglichkeit abgefangen, ihr Entkommen
nach Norden durch Angriff von Süden aus
dem Rigaischen Meerbusen heraus und Sperrung des
Nordausganges des Moonsundes verhindert werden.
Die gemischte Landungsabteilung wurde in Liban
geammete, Die zur Verschiffung verfügbaren 17
ampfer mit insgesamt 153664 Brutto-Reg.-Ton.
reichten zur gleichzeitigen überführung der rund
23000 Köpfe, 5000 Pferde, 150 Maschinengewehre,
64 Geschütze und 12 Minenwerfer starlen Abteilung
mit Troß, sowie mit Munition und Proviant für
30 Tage nicht aus. Die Landung mußte in zwei
Stasseln vorgenommen werden.
Nachvorbereitenden Arbeiten konnte die Leitung den
Beginn der Operation auf den Morgen des 11. Okt.
festsetzen. Das Auslaufen der deutschen Seestreitkräfte
unter dem Oberbefehl des Vizeadmirals Erhardt
Schmidt — Panzerkreuzer „Moltle, 3. und 4. Geschwader
(10 Linjenschisse), 2. und 6. Aufklärungs-I.
Kriegsgeschichte
gruppe (Kleine Kreuzer),54 Torpedoboole, 6U-Boote,
Minensuch= und Räumdivisionen, U.Bootsabwehrformationen,
Troßschiffe — der Transportflotte sowie
der zugehörigen Troßschiffe erfolgte planmäßig.
Am 12. Okt. 3 Uhr vormittags lag die Flotte vor
der Taggabucht zu Anker. Ausschiffung und überraschende
Landung eines auf den Schiffen mitgeführten
Vortrupps, der den Befehl hatte, einen Brückenkopf
für die Landung zu bilden, ging ebenso glatt vonstatten,
wie die der Radfahrertruppen bei Pamerort:
8 Uhr 15 Min. begann bereits das Ausladen der inzwischen
eingelaufenen Transportflolte in der Taggabucht.
Wähxend ein Teil der Seestreitkräfte den Auftrag
hatte, gegen Sworbe zu demonstrieren, nahm das
Gros der Linienschiffe Bombardementsstellungen vor
den Befestigungen von Pamerort, Ninnast u. Hundsort
ein. -Bayern- und -Großer Kurfürst liefen auf
Minen, konnten aber ihre Aufgabe durchführen. Bei
den sich anschließenden Kämpfen um die Herrschaft im
Kassar Wik wurde am 14. Okt. der russische Zerstörer
Grome genommen. Ani gleichen Tage 4 Uhr nachmt.
begann auf Bitten der Landungstruppen die Beschie.
ßung der Befestigungen von Sworbe. Der Feind gab
we auf und zerstörte sie. Am Morgen des 16.Okt. war
die Ha'binsel in der Hand unserer Truppen. Gleichzeitig
arbeiteten sich die Seestreitkräfte einen Weg durch
die Minensperren der Haupteinfahrten zum Rigaischen
Meerbusen. Am 16. morgens standen unsere Schiffe
vor Arensburg, abends vor dem Südeingang des
Moonsundes. Damit war Osel umstellt, dem nach
dem Südostteil der Insel gedrängten Feinde das Entweichen
über See unmöglich gemacht. Am 17. Olt.
morgens drangen Schiffe des 3. Geschwaders unter
ihrem Führer, Vizeadmiral Behncke in den Moon.
sund ein, kämpften die Batterien nieder und vernichlteten
das russische Linienschiff = Stawa-. Als in der
Nacht vom 17. zum 18. Oklober unsere Radfahrertruppen
nach Moon übersetzten, war auch diese Insel
von unseren Seestreitkräften umstellt, die russische Besatzungstruppe
abgeschnitten. Die Besetzung Dagös
ersolgte am 18. und 19. Oktober, nachdem vorher das
Landungskorps der Suchslottille an der Südspitze
einen Brückenkopf genommen hatte. Den übrigen im
Moonsund liegenden russischen Seestreitkcäften den
Weg nach Norden erfolgreich abzuschneiden, gelan
leider nicht, da das Minensuchen nördlich von Dag
durch schlechtes Wetlier aufgehalten worden war. Nur
»U. C. 58 erzielte einen Treffer gegen den Panzerkreuzer
„Bogatyr“. »U. C. 60= vernichlete einen
Transportdampfer. Unsere Großflugzeuge besetzten
die Inseln Abro und Runö.
Am 19. Okt. war die Unternehmung siegreich beendel.
Heer und Flotte hatten reibungslos zusammengearbeitet.
Gefecht bei Helgoland 17. Nov. 1917.
Zum ersten Male seit dem 28. Aug. 1914 unternahm
am 17. Nov. 1917 ein englischer Kreuzerverband,
u. a. eine Division der neuesten im Kriege gebauten
englischen Schlachtkreuzer, einen Vorstoß in
die Deutsche Bucht. Er richtete sich gegen leichte deutsche
Streitkräfte, die elwa 90 Seemeilen nordwestlich von
Helsgoland beim Minensuchen beschäftigt waren. Beim
Insichtkommen der englischen Schisse wichen sie in
südöstlicher Richtung auf das ihnen zur Unterstützung
beigegebene Linienschiffstressen aus. Als
dieses, nur zwei Linienschiffe, in den Kampf eingriff,
drehte der englische Verband, der sechs Großkampf-