Contents : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

über  Armenpflege  und  Heimathsrecht.  345

Doch  ist  nicht  gesagt,  worin  diese  besondern  Vortheile  bestehen
sollen,  und  dass  die  allgemeine  Benutzung  der  Gemeindeanstalten
und  Erwerbsquellen,  sowie  der  Anspruch  auf  Armenunlerslützung
hierunter  nicht  zu  verstehen  seien.

Für  die  Einräumung  dieser  Vortheile  ist  die  Erhebung
eines  Einzugsgeldes  indess  keine  angemessene  Gegenleistung.

Soll  durch  dasselbe  das  Entgelt  für  die  Benitzung  der  Gemeindeanstalten
  entrichtet  werden,  so  hat  es  die  Nalur  einer
Gemeindeabgabe.  Als  solche  ist  das  Einzugsgeld  sehr  wenig
zu  empfehlen,  da  es  weder  nach  den  Kräflen  des  Zalılenden,
noch  nach  der  durch  ihn  besonders  veranlassten  Mühewaltung
schicklich  abgemessen  werden  kann.  Für  die  arbeitenden  Klassen
ist  diese  Abgabe  in  der  Regel  höchst  drückend.  Als  Preis  für
besondere  Vortheile  kann  das  Einzugsgeld  unter  diesem  Gesichispunkte
  nur  in  wenigen  Gegenden  angesehen  werden,  da
in  der  Mehrzahl  derselben  die  Gemeindeanstallen  auf  keiner  vorzüglichen
  Stufe  der  Vollkommenheit  stehen.

Wird  durch  das  Einzugsgeld  der  Anspruch  auf  Armenunterstützung
  erkault,  so  ist  der  Preis  für  einen  so  ausgedehnten
  und  eigentlich  unbegrenzten  Anspruch  im  Gegentheil  zu
niedrig.  Die  Gemeinde  hat  in  solchem  Falle  von  dem  Zuzuge
eines  grossen  Theils  der  neu  sich  Ansiedelnden  offenbaren  Na:  htheil.
  Auf  der  andern  Seite  hat  auch  der  Neuanziehende  nur
verloren.  Denn  der  Anspruch  auf  ein  Almosen  ist  für  keinen
selbstsländigen  Mann  ein  begehrtes  Gut.  Die  als  ein  Einzugsgeld
  zu  zahlende  Summe  würde  oft  hingereicht  haben,  um  sich
vor  dem  Eintreten  der  Hilfsbedürfiigkeit  wirksam  su  schützen.

Als  Schranke  gegen  einen  unwillkommenen  Zudrang  neuer
Mitglieder  ist  ein  Einzugsgeld  ebenfalls  unzweckmässig.  Denn
meistens  wird  gleichzeitig  der  Zuzug  von  einigen  Einwohnern
(die  durch  besondere  Geschicklichkeit  oder  sonst  gute  Eigenschaften
  sich  auszeichnen)  sehr  wünschenswerth,  der  von  Anderen
  dagegen  störend  sein.  Nicht  aus  der  Zahl  der  Einwohner
an  sich  entstehen  die  Besorgnisse,  sondern  aus  der  mit  der
Dichtigkeit  der  Bevölkerung  nicht  Schritt  haltenden  Bildung
und  aus  einer  unzweckmässigen  Vertheilung  der  Arbeitskräfte.

  Die  Ansiedelung  eines  neuen  Meisters  würde
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