Full text : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

614  Ueber  Begriff  und  Wesen

die  also  nicht  an  und  für  sich,  sondern  in  ihrer  Beziehung  auf
die  menschlichen  Absichten,  zu  Gegenständen  der  Thätigkeit
werden.  Demnach  muss  die  Wirksamkeit  des  Staats  theils  auf
Personen,  theils  auf  Sachgüter  gerichtet  sein.  In  Bezug  auf  beide
ist  aber  zweierlei  zu  ersireben,  nämlich  die  Erhaltung  der
schon  vorhandenen  Güter,  und  die  Vermehrung  derselben.
Zur  Erhaltung  gehört  nicht  blos,  dass  die  vorhandenen  Güter
gegen  Zerstörung  und  Verschlechterung  geschützt  werden,  sondern
  auch,  dass  die  Verfügung  der  Menschen  über  die  ihnen  zustehenden
  Güter  nicht  gehemmt  werde,  wie  es  z.  B.  durch  Diebstahl
  und  Raub  geschieht.  Der  Zustand  des  ungestörten  Besitzes
der  einer  Person  angehörenden  Güter  kann  überhaupt  Sicherheit
  genannt  werden,  die  Sorge  für  die  Sicherheit  ist  die  Beschützung.
  Diess  ist  demnach  das  Ziel  der  erhaltenden  Staatsthätigkeit,
  und  dieselbe  erhält  durch  den  gegebenen  Umfang  der
vorhandenen  Güter  ihre  Begränzung.  Die  beschützende  Wirksamkeit
  kann  insofern  eine  negative  genannt  werden,  als  sie  nur
alle  Störungen,  Hemmungen  und  Angriffe  von  dem  schon  erworbenen
  Vorrath  der  Güter  beider  Art  entfernen,  aber  nichts
Neues  schaffen  soll.  Die  fördernde  Thätigkeit  hat  kein  solches
begränztes  Ziel,  da  der  Anwachs  von  Gütern  beider  Art  ein  unendlicher
  sein  kann,  indess  wird  er  durch  den  unvermeidlichen
Untergang  von  Gütern  zum  Theile  wieder  aufgehoben  und  diese
unaufhörliche  Verminderung  macht  gerade  die  gütervermehrende
Sorgfalt  besonders  nothwendig;  Menschen  sterben,  Sachgüter
werden  verbraucht,  und  die  Lücke  muss  durch  die  Heranbildung
eines  neuen  Geschlechts  und  neue  Produktion  ausgefüllt  werden.
Die  Beschützung  in  denjenigen  Fällen,  wo  die  Macht  der.  Einzelnen
  nicht  zureicht,  steht  mehr  in  der  Gewalt  der  Regierung,
als  die  Mehrung  der  Güter,  denn  zu  dieser  müssen  die  Einzelnen
selbst  viel  thun.  Die  Bildung  jeder  Art,  geistige,  sittliche,  religiöse,
  ästhetische  u.  s.  w.  muss  durch  eigene  Thätigkeit  errungen
und  kann  nur  erleichtert,  gefördert  werden,  z.  B.  durch  dargebotene
  Unterrichtsanstalten.  Die  Erzeugung  der  Güter  und  der
Erwerb  derselben  durch  Einzelne  vermittelst  der  Vertheilung  beruhen
  ebenfalls  auf  dem  wirthschaftlichen  Fleisse  derselben,  der
nur  von  Hindernissen  befreit,  unterstützt  und  geleitet  zu  werden