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werden sollte. Graf Andrassy hat damals geglaubt, einen Triumph über
den großen deutschen Staatsmann davongetragen zu haben, weil es ihm
gelang, diese Ausdehnung des Bündnisses auszuschalten. Es wurde zu-
nächst nur für die Möglichkeit abgeschlossen, daß ein Krieg zwischen Rußland
und Österreich-Ungarn ausbräche, und deshalb, was man meist ganz über-
sieht, war Bismarck genötigt, die Sicherung andererseits zu suchen, die
er in dem Rückversicherungsvertrag mit Rußland fand. Aber die Geschichte
ist von selbst über die Bestimmungen des Vertrages hinweggegangen.
Bismarck hat ihn ausdrücklich nicht für Streitigkeiten in der orientalischen
Frage, für Interessen Österreich-Ungarns dort schließen wollen. Wer
aber hat in Deutschland danach gefragt, als im Verfolg der Ein-
verleibung von Bosnien und Herzegowina ein Krieg zwischen Österreich-
Ungarn und Rußland auszubrechen drohte und Deutschland unbedingt
an die Seite des Bundesgenossen darin trat? Die Politik des Fürsten
Bülow handelte damals bewußt und ausdrücklich gegen die Auffassung
Bismarcks vom Bunde mit Österreich, aber sie wurde einhellig von der
öffentlichen Meinung getragen und sein Wort von der Nibelungentreue
als richtig empfunden, obwohl es ganz und gar nicht ein Ausdruck für das
völkerrechtliche Bündnis war. Deutschland trat aber damals so unbedingt
für Österreich-Ungarn ein, weil seine eigenen Orientinteressen im Gegensatz
zur Bismarckschen Zeit gewachsen waren, es also selber in diesen
Kämpfen Partei war, und weil sodann — es war im Jahre 1908/09 —
schon ganz klar war, daß Deutschland auf der weiten Welt nur einen
einzigen zuverlässigen Freund haben würde, nämlich Österreich-Ungarn.
Und wer hat umgekehrt in Österreich-Ungarn danach gefragt, ob, als der
Weltkrieg 1914 ausbrach, auch Österreich-Ungarn in den Krieg mit Frankreich
einträte? Da ging auch Österreich-Ungarn über den Wortlaut der Vertrags-
bestimmungen hinaus. Man hat es überhaupt nicht näher untersucht, es
war selbstverständlich, weil in den 30 Jahren seines Bestehens das Bündnis
zu einem Stück des Lebens der beiden Völker und Staaten geworden war.
Und die Kriegführung floß dann fast ineinander; in Galizien und Polen,
wie in Serbien kämpften deutsche und österreichisch-ungarische Soldaten
nebeneinander. Es hat auch gar keinen Zweck, wäre im Gegenteil nur
schädlich, abzuwägen, was der eine oder andere der Bundesgenossen im
Kriege geleistet hat. Die Hauptsache ist, sich mit der Tatsache zu durchtränken,
daß das Bündnis von 1879 als ein Bund auf Leben und Tod schlechthin
und in jeder Beziehung aufgefaßt, verteidigt und behauptet wurde und
deshalb als solcher weiter bestehen soll.
c) Italien im Dreibund.
Wir haben absichtlich hier gar nicht vom Dreibunde gesprochen, obwohl
Italien 1885 dem Bündnis von 1870 hinzugetreten ist. Heute müssen wir
sagen, daß diese Verbindung von vornherein nicht natürlich war, wenigstens
nicht, wenn Italien eine eigene Balkanpolitik machen wollte, wenn es
selber dort Ansprüche erhob, etwa in Albanien oder sonstwo auf dem West-
balkan. Denn da zeigte einfach die Karte, daß Italien und Österreich-Ungarn