240 10. Schleswig-Holstein — das zweite Meisterstück
rechts annehme. Meine Herren, Sie kommen dadurch genau
in die Lage der falschen Mutter im Urteile Salomonis, die
lieber will, daß das Kind zu Grunde gehe, als daß damit
anders als nach ihrem Willen geschehe.“ Vergeblich war seine
Versicherung, daß in den schwebenden Verhandlungen die preußischen
Interessen mit Festigkeit vertreten würden und das preußische
Blut nicht umsonst geflossen sei. Vergeblich war es auch, wenn
er bat, von der Zukunft noch mehr zu erwarten, als er jetzt
enthüllen könne, und seine Bitte, daß man sich von der Rützlichkeit
des österreichischen Bündnisses überzeugen solle, welche die
Zukunft noch in ein helleres Licht stellen werde, als die bisherigen
Ereignisse, soweit sie zutage traten, es getan hätten,
und als er selbst im Augenblicke imstande sei, es zu tun. In den
Wind geredet waren auch alle die herrlichen Worte, die Bismarck
über den Kieler Hafen und die Flotte schon damals sprach und
über seine Stellung zur schleswig-holsteinischen Frage. — Ein
Abgeordneter hatte die Behauptung aufgestellt, Preußen sei zu
schwach, um die Ausgaben zu tragen für einen Kriegshafen und
für eine Flotte. Daraufhin entrollte Bismarck seine Anschauungen
über die Flottenfrage, die dem zukunftssicheren Blick des
großen Staatsmannes und seiner Beurteilung der damaligen
liberalen Philister alle Ehre machen. Er sagte am 1. Juni:
„Im allgemeinen ist die Existenz auf der Basis der
Phäaken bequemer als auf der Basis der Spartaner.
Man läßt sich gern schützen, aber zahlt nicht gern, und am
allerwenigsten gibt man das geringfügigste Hoheitsrecht zum
Besten der allgemeinen Interessen auf. Ich hatte nicht geglaubt,
daß der maritime Ehrgeiz der preußischen liberalen
Partei insoweit reduziert sei, wie ich aus dem Munde des
Herrn Vorredners gehört habe, und daß wir in dem Maße
der Unterstützung der übrigen deutschen Staaten bedürften,
um nur mit ihrer Hilfe unseren eigenen Handel schützen zu
können. Ich glaubte, wir würden nicht genug gefordert haben,
Sie würden das Bedürfnis haben, noch bestimmter und schneller
die maritimen Unternehmungen zu fördern, ich war nicht darauf
gefaßt, in dem Bericht der Kommission eine indirekte Apologie