Kampf gegen Heinrich 425
entgegenstellen könne, ließ sich von dem Kanonikus dazu bewegen, Berthold
jetzt plötzlich wegen jenes Formfehlers seiner Würde zu entkleiden. Einen
Vorwand zu diesem unvorhergesehenen Schritt fand Alexander auch darin,
daß Otto, der Vorsteher der Bremer Domherren, gegen die Wahl Protest erhoben
hatte. Darauf wurde in Bremen ein entschiedener Anhänger des Herzogs,
Siegfried, der Sohn Albrechts des Bären und Bruder des Grafen
Bernhard von Anhalt, bisher Bischof von Brandenburg, erwählt. Zuerst versagte
ihm der Kaiser die Genehmigung bald aber, besonders alsseinem Bruder
das Herzogtum Sachsen erteilt wurde, ging Siegfried von der ParteiLeinrichs
des Löwen zu der des Kaisers über, der ihm dann zu Gelnhausen (April 1180)
die Belehnung erteilte').
So vielfach durch die naheliegendsten Interessen in Anspruch genommen,
konnte Heinrich auf die slawischen Zustände nicht mehr wie sonst seine Achtung 1178
lenken. Er mußte es geschehen lassen, daß Waldemar des Herzogs eigene
Lehnsleute, die Pommerfürsten Kazimar und Boguslaw, angriff und ihr
Land dergestalt verwüstete, daß sie den Frieden um teuren Preis von ihm erkaufeen
mußten“).
Indes dieses alles waren Nebensachen, die sich nach einem Siege Heinrichs
über die kaiserliche Partei in Deutschland von selbst günstig gestalten mußten.
Jetzt kam es vor allem auf die Maßregeln an, die der Kaiser und dessen Anhänger
gegen den mächtigen Welfen treffen würden.
Auf der zur Entscheidung des Streites zwischen Heinrich und den Bischöfen 1179
zu Worms angesetzten Kurie, der auch Heinrichs Oheim, WelfVI., beiwohnte, 13.—22.
war der sächsische Herzog nicht erschienen. Als Kläger, aber nicht als Ange- Jan.-)
klagter hatte er vor Kaiser und Reich auftreten wollen. Er mochte inzwischen
aus dem Rollenwechsel die feindliche Stimmung des Herrschers erkannt
haben. So zog er cs vor, zwischen sich und diesem das Schwert entscheiden zu
lassen und blieb dem Reichstage fern. Damit hatte er natürlich seinen Feinden
freies Spiel gelassen; die beiden Erzbischöfe von Cöln und Magdeburg, der
Bischof von Halberstadt, alle Fürsten Ostsachsens erhoben sich in lebhaften Beschwerden
gegen ihnf). Ja, Markgraf Dietrich von Landsberg (der Lausitz),
dem er durch die Slawen das Land hatte verwüsten lassen, erbot sich zum
Zwiekampfe mit Heinrich, um ihm zu beweisen, daß er ein Verräter am Reich
und ein Moajestätsverbrecher seisf). Damit Heinrich sich verantworte, wurde ein
neuer Reichstag, der in Magdeburg stattfinden sollte, bestimmt. Außerdem
belehnte Friedrich zu Worms noch mit Beistimmung der Fürsten seine Söhne
mit vielen Ländereien und Städtensf#). —Der Tag zu Magdeburg, auf dem 24. Juni
*) Arn. Lubic. II, 8. 9. — Catalogus archiepiscoporum Bremensium ap. Mencken III,
p. 790. — Albert. Stadens., p. 349. An. Pegav., p. 263. — Annales M. G. Ss. XVI,
p. 857. — Sudendorf, Registr. I, p. 81.
*½#)Saxo Gram., p. 361 f.
s„s) Urkunden v. 22. bis 24. Jan.; St., Nr. 4272—4273.
1) Chron. Regia Colon., p. 136.
# Krit. Erört. II b.
4I An. Pegav., p. 262.