Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

Herr v. Holzhausen. Indiskretion des „Nord“. 131 
traulich Erkundigung darüber einziehen zu lassen, ob man Herrn von Holzhausen zu dem 
von ihm abgegebenen Votum autorisiert, resp. wie er dasselbe gerechtfertigt hat. Am 
wünschenswertesten würde es für uns immer sein, wenn wir uns, wie Österreich durch Herrn 
von Linde, eine Beteiligung an den Verhandlungen der 16. Kurie dadurch sicherten, daß 
ein oder mehrere Mitglieder derselben Herrn von Holzhausen pensionierten und einen 
anderen Gesandten gemeinschaftlich bestellten. Er bezieht bisher von jedem der Höfe, die 
er vertritt, ein Gehalt von 777 fl., und die Pension für jede dieser Quoten dürfte, nach 
Maßgabe der für beide Hohenzollern ihm von uns gewährten, etwa 240 fl. betragen. Es 
fragt sich, ob unser Interesse, die regelmäßige Gegnerschaft einer der 17 Stimmen zu be= 
seitigen, es nicht rechtfertigen würde, den Beteiligten eine Beihülfe zu den Kosten einer 
anderen Einrichtung zu gewähren und dazu etwa die beim Eingehen der Kassenabteilung 
frei werdenden Beträge zu benutzen. 
Ein vorläufiger Gewinn wäre schon, wenn nur einer der Kommittenten bewogen 
werden könnte, dem Freiherrn von Holzhausen durch Pensionierung das Mandat zu ent= 
ziehen und demnächst, bis zur Ernennung eines anderen Gesandten, Preußen oder auch 
einen anderen befreundeten Gesandten zu substituieren. Daß irgend etwas in dieser Rich= 
tung geschehe, ist um so wünschenswerter, als bei Österreich offenbar die Absicht vor= 
handen ist, bei etwaigem Abgange des Herrn von Holzhausen den zu diesem Zweck hier 
in Bereitschaft gehaltenen und mit den Geschäften der Kurie vertrauten Dr. von Linde in 
seine Stelle zu bringen. Über die ultramontane Feindseligkeit desselben gegen Preußen habe 
ich mehrfach Veranlassung gehabt, E. E. zu berichten. Herr von Linde würde bei plötz= 
lichem Ausscheiden des Herrn von Holzhausen, wenn wir es nicht hindern, jedenfalls pro= 
visorisch die Geschäfte führen und demnächst, wie bisher, eine andere Remuneration, als 
sein österreichisches Gehalt nicht beanspruchen. 
Sollten diese Vorschläge den Absichten E. E. nicht entsprechen, so möchte ich g. g. an= 
heimstellen, bei bevorstehenden wichtigeren Abstimmungen wenigstens einen Teil der Mit= 
glieder der 16. Kurie dahin zu disponieren, daß dem Herrn von Holzhausen der bestimmte 
Befehl zugeschickt wird, sich mit dem preußischen Gesandten in betreff des abzugebenden 
Votums zu besprechen. Bei den Höfen von Waldeck, Lippe = Detmold und Reuß dürfte 
sich möglicherweise die Bereitwilligkeit hierzu, wenn nicht bei allen dreien, doch wenigstens 
bei einem von ihnen vorfinden. 
138. Bericht vom 26. Februar 1856 an Minister v. Manteuffel, 
betr. Gesundheitszustand des Generalleutnants v. Thümen. — Vgl. Bismarck= 
jahrbuch II S.  61 f. 
*139. Vertraulicher Bericht an Minister v. Manteuffel. 
[Ausfertigung.] 
26. Februar 1856. 
Der anliegende Artikel aus dem Journal „Le Nord“ vom 24. d. M. hat nicht ver= 
fehlen können, durch seine Indiskretion hier einen lebhaften Eindruck zu machen und be= 
sonders mich selbst in die peinlichste Verlegenheit zu setzen. Derselbe reproduziert mit 
buchstäblicher Genauigkeit einen Teil der Änderungen, welche Herr von Schrenck auf 
meinen Wunsch in den Ausschußbericht aufgenommen hat. Die Angaben des ursprünglich