Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

Frau Rat Schlosser. Kiesselbach. Die Varrentrapps. Jucho. Dr. Mayer. Bunsen. 81 
Zu dem neuen in Heidelberg vom 1. Januar 1856 an erscheinenden Blatt der Partei, 
„Germania“, sind die Geldmittel für das erste Jahr durch einen entschiedenen Anhänger 
Oestreichs, den Dr. Kiesselbach in Mannheim, zur Disposition gestellt, der sich besonders 
in der Zollvereinsfrage durch publizistische Arbeiten zu Gunsten Oestreichs hervorthat. 
Auch die Redactionskräfte der hiesigen östreichischen Blätter, „Postzeitung“ und 
„Deutschland“, sind zum großen Theil aus dem Gothaer Lager hervorgegangen. Die öst÷ 
reichischen Verbindungen hindern die Partei übrigens nicht, auch mit England lebhafte 
Beziehungen zu unterhalten. 
Hier am Ort liegen dieselben in den Händen des Dr. Varrentrapp, des Kaufmann 
Albert Varrentrapp, Generalagenten der englischen  Lebensversicherungsgesellschaft Phönix, 
des Advokaten Jucho, welcher die von ihm in Verwahrung genommne Urkunde der Deut= 
schen Reichs=Verfassung nach England gesandt, und des Schöffen Souchay, welcher im 
vorigen Jahre sich längere Zeit in England aufgehalten hat. 
An diese schon seit mehren Jahren bestehende Verbindung knüpft sich die Beziehung, 
welche der gegenwärtig in Heidelberg wohnhafte Dr. Mayer, ehemaliger Sekretair des 
Prinzen Albert, theils direct, theils mit dem Herzog von Sachsen=Coburg hat. Seitdem sich 
der Ritter Bunsen in Heidelberg aufhält, haben diese Relationen sich noch bedeutend 
vermehrt. 
Es wird mir mitgetheilt, daß Letztrer in lebhaftem Briefwechsel mit Lord Clarendon 
stehe und häufig Briefe mit dem Timber „Foreign Office“ empfange, wobei ich auf die 
Beilage J gehorsamst Bezug nehme. 
Ueber den Inhalt dieser Correspondenzen sind mir fragmentarische Mittheilungen zu= 
gegangen, welche sich auf Erzählungen des Schwiegersohns des Ritter Bunsen, Assessor 
von Ungern=Sternberg zu Heidelberg, gründen, die ich indeß nicht beizufügen wage, weil in 
denselben Verletzungen der Ehrfurcht gegen die ah. Person Sr. M. des Königs enthalten 
sind. Dieselben beziehen sich auf die Gründe des Abganges des Herrn v. Bunsen aus 
London und auf die dortige Mission des Herrn von Usedom. 
93. Bericht vom 16. November 1855 an König Friedrich Wil= 
helm IV., betr. die Frage der Bundesreform. Abberufung des französischen 
Gesandten am Bunde. Rechberg. — Vgl. Poschinger II Nr. 149. S. 269 
vorletzte Zeile des 1. Absatzes lies für „Veränderungen“ „Vereinbarungen“, 
S. 270 am Schluß der Nummer ist zu lesen: „geben ihm Gelegenheit, seine 
Bereitwilligkeit zu freundlicher Verständigung an den Tag zu legen“. 
94. Privatschrelben an Minister v. Manteuffel. 
[Eigenhändige Ausfertigung.] 
24. November 1855.¹) 
E. E. erlaube ich mir in der Anlage die Abschrift eines mir gestern zugegangnen 
Schreibens des Herrn Ministers des Innern g. vorzulegen. Ich bin in Zweifel, ob ich 
dasselbe nur als die allgemeine Formel der Einberufung der Mitglieder des Herrenhauses 
¹) Nach dem Konzept gedruckt im Bismarckjahrbuch II S. 56 f.                                         II.   7