Full text : Geschichte des Königreichs Sachsen mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten culturgeschichtlichen Erscheinungen.

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Sobald  Letzteres  geschehe,  werde  er  dies  als  ein  Zeichen  persönlicher  Feindschaft
  ansehen.  Uebrigens  habe  er  am  Tage  nach  der  Schlacht  die  gefangenen
Sachsen,  6000  an  der  Zahl  (unter  ihnen  122  Offiziere)  wieder  freigelassen.“)

Wie  ein  Lauffeuer  verbreitete  sich  die  Nachricht  in  der  Stadt.
Zur  Beruhigung  aller  seiner  Unterthanen  ließ  der  Kurfürst  im  ganzen
Lande  bekannt  machen,  daß  weitere  Feindseligkeiten  nicht  zu  fürchten  seien.

Da  unser  Kurfürst  mit  der  Abberufung  seiner  Truppen  etwas
zögerte,  überbrachte  auf  einmal  ein  zweiter  Abgesandter  Napoleons
die  Drohung:  Erfolge  die  Trennung  von  der  preußischen  Armee  nicht
augenblicklich,  so  würde  die  gegebene  Zusage  zurückgenommen  und
Sachsen  als  ein  feindseliges  Land  behandelt  werden.  Dies  wirkte.
Der  Kurfürst  gab  sogleich  Befehl  zur  Trennung  seiner  Truppen  von
den  Preußen,  welchen  Schritt  ihm  Friedrich  Wilhelm  durch  die  Erklärung
  erleichterte,  daß  er  nicht  mehr  im  Stande  sei,  Sachsen  zu  schützen.

So  war  unser  Vaterland  einem  längeren  verheerenden  Kriege
glücklich  entgangen;  allein  die  Freude  der  Sachsen  wurde  bald  wieder
getrübt,  denn  sie  mußten  zur  Unterhaltung  der  fremden  Truppen
21  Millionen  Mark  Kriegskosten  aufbringen.  Um  dem  Lande  das
Drückende  dieser  Last  zu  erleichtern,  übernahm  der  Kurfürst  in  seinem
Edelmuthe  ein  Drittheil  jener  Summe  selbst  (7  Millionen  Marzk).
Vor  Allem  lag  ihm  die  Beschleunigung  des  Friedensabschlusses  mit
dem  französischen  Kaiser  am  Herzen,  weshalb  er  persönlich  mit  ihm
verhandeln  wollte.  Napoleon  befand  sich  in  Berlin.  Unser  Kurfürst
reiste  dahin  ab,  allein  der  rastlose  Kaiser  hatte  sich  schon  nach  Posen
zu  seinem  Heere  begeben.  Hier  setzten  die  sächsischen  Gesandten  die
Verhandlungen  fort,  und  am  11.  Dezember  1806  kam  zwischen
Frankreich  und  Sachsen  der  Friede  zu  Stande,  dessen  Hauptbestimmungen
  folgende  waren:

1.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  tritt  dem  Rheinbunde  bei.

2.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  erhält  den  Königstitel.

3.  König  Friedrich  August  ertheilt  den  Katholiken  in  allen  Stücken
dieselben  Rechte,  welche  die  evangelischen  Unterthanen  haben.

Am  16.  Dezember  durchritten  20  blasende  Postillone  die  Residenz
und  verkündeten  den  Bewohnern  den  zu  Stande  gekommenen  Friedensschluß.
  Am  20.  Dezember  bot  sich  den  Dresdnern  ein  anderes  Schauspiel
dar.  Auf  den  Straßen  erschien  ein  Reiter  in  der  Tracht  eines  Heroldes.
Es  war  ein  Hoffourier,  welcher  an  acht  Plätzen  anhielt  und  mit  lauter
Stimme  die  Erhebung  des  Kurfürsten  zum  Könige  von  Sachsen  ausrief.

So  war  denn  unser  Kurfürst  in  die  Reihe  der  Könige  eingetreten.
Von  nun  an  beginnt  die  Zählung  der  Fürsten  bei  gleichem  Namen
von  neuem;  Friedrich  August  der  Gerechte  war  als  Kurfürst:
Friedrich  August  III.,  aber  als  König:  Friedrich  August  I.

*)  Die  Kavallerie  mußte  die  Pferde  zurücklassen.