Full text : Die Reichsbank 1876-1900. (1)

Finanzrat  ein  Mann  von  Fach  ist,  gibt  eine  eingehende  und
sehr  scharfe  Kritik  der  Erzbergerschen  Vorschläge.  Der  Minister
antwortet.  In  seiner  bekannten  Art.  Unsere  Leistungen,
meint  er,  seien  im  Frieden  genau  umschrieben.  Aur  140  000
Milchkühe  Hhätten  wir  abzuliefern,  also  stebe  doch  nicht  jede
Kuh  in  Gefahr.  Etensowenig  jede  Maschine.  Es  seien  doch
nur  30  vom  Hundert  unseres  Bestandes  an  Maschinen  verlangt.
  Herr  Hugenberg  habe  also  maßlos  übertrieben.  Von
der  Rechten  kommen  Zwischenrufe.  Es  handele  sich  nur  um
„vorläufige“  Forderungen  der  Entente,  und  was  weiter
verlangt  werde,  das  wisse  man  heute  noch  gar  nicht.  Erzberger
  verwahrt  sich  wütend  gegen  diese  Zwischenrufe.  Die
beiden  auf  Gedeih  und  Verderb  verbundenen  Parteien,
Zentrum  und  Sozialdemokratie,  wissen  genau,  was  auf  dem
Spiele  steht.  Es  geht  nicht  an,  daß  die  Wahrheit,  wenn  auch
nur  durch  Zwischenrufe,  in  die  Offentlichkeit  gelangt.  Und
so  greift  man  denn  zum  letzten  äußersten  Mittel.

Eine  Knüppelgarde  von  Sozialdemokraten  wandert  von
links  nach  rechts  hinüber  und  baut  sich  neben  den  Oeutschnationalen
  auf.  Es  sind  lauter  kaum  bekannte  Leute;  keinen
von  ihnen  hat  man  je  im  Hause  reden  hören,  aber  sie  stehen
mit  über  der  Brust  gekreuzten  Armen  da,  wie  zu  einer
Gruppenaufnahme  des  Stemmklubs  Bizeps.  Jeder  Zuruf,
der  von  der  Rechten  erschallt,  wird  durch  laute  Schimpfworte,
„Lump“,  „Verbrecher“,  von  der  Knüppelgarde  begleitet.  Es
hat  minutenlang  den  Arnschein,  als  werde  schon  hier  in  der
Nationalversammlung  ein  „Staategerichtehof“  konstituiert,
der  mit  der  Faust  die  großen  Fragen  der  Weltgeschichte  entscheidet.
  Nur  dem  Umstand,  daß  der  deutschnationale  Abgeordnete
  Richter,  der  Gutebesitzer  aus  Ostpreußen,  an  der
Ecke  sitzt,  verdanken  wir  es,  daß  die  Knüppelgarde  sich  noch
zurückhält.  Er  hat  nämlich  Handschuhnummer  9⅛  und  hat
gerade  vierzehn  Tage  Erntearbeit  hinter  sich.

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