Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Neunter Jahrgang. 1881. (9)

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§.  13.
Die  Vorschriften  der  §§.  11  und  12  finden  auch  beim  Ausbruch  des  Milzbrandes  unter  Wildständen
auf  die  Kadaver  des  gefallenen  oder  getödteten  Wildes  Anwendung.

§.  14.

Exkremente,  Blut  und  andere  Abfälle  von  milzbrandkranken  oder  am  Milzbrand  gefallenen  Thieren,
die  Streu  und  der  durch  Auswurfstoffe  kranker  oder  gefallener  Thiere  verunreinigte  Dünger  müssen  sorgfältig
gesammelt  und  verbrannt  oder,  wie  die  Kadaver,  vergraben  werden.

Die  durch  Abfälle  milzbrandkranker  oder  am  Milzbrand  gefallener  Thiere  verunreinigten  Fußböden,
Stallwände,  Ständer,  Krippen,  Tröge  u.  s.  w.,  desgleichen  die  Stallgeräthschaften  und  die  zum  Transport
der  Kadaver  benutzten  Fuhrwerke  oder  Schleifen  müssen  ohne  Verzug  nach  Anordnung  des  beamteten  Thierarztes
  und  unter  polizeilicher  Ueberwachung  desinfizirt  werden  (§.  27  des  Gesetzes).

§.  15.

In  denjenigen  Bezirken,  für  welche  auf  Grund  der  Bestimmung  im  §.  11  des  Gesetzes  die  Anzeigepflicht
  bezüglich  des  Milzbrandes  von  der  Landesregierung  für  vereinzelte  Fälle  erlassen  ist,  müssen  die  Schutzmaßregeln
  von  der  Polizeibehörde  allgemein  vorgeschrieben  und  durch  amtliche  Publikation  zur  öffentlichen
Kenntniß  gebracht  werden.

Zugleich  ist  auf  die  Uebertragbarkeit  des  Milzbrandes  auf  Menschen  und  auf  die  gefährlichen  Folgen
eines  umvorsichtigen  Verkehrs  mit  milzbrandkranken  oder  der  Seuche  verdächtigen  Thieren  und  einer  Benutzung
ihrer  Produkte  aufmerksam  zu  machen.

Die  angeordneten  Schutzmaßregeln  müssen  von  dem  Besitzer  der  Thiere  oder  dessen  Stellvertreter
beim  Ausbruch  des  Milzbrandes  oder  beim  Auftreten  verdächtiger  Erscheinungen  ausgeführt  werden,  ohne
daß  es  in  jedem  Falle  der  Seuche  der  Zuziehung  des  beamteten  Thierarztes  bedarf  (§.  15  des  Gesetzes).

B.  Tollwuth.

§.  16.

Hunde,  welche  von  der  Tollwuth  befallen  oder  der  Seuche  verdächtig  sind  (§.  1  Absatz  2  des  Gesetzes),
  müssen  von  dem  Besitzer  oder  demjenigen,  unter  dessen  Aussicht  sie  stehen,  sofort  getödtet  oder  bis
zum  polizeilichen  Einschreiten  abgesondert  und  in  einem  sichern  Behältnisse  eingesperrt  werden  (§.  34  des

Gesetzes).

Ist  der  Transport  eines  erkrankten  oder  der  Seuche  verdächtigen  Hundes  zum  Zwecke  der  sicheren
Einsperrung  unvermeidlich,  so  muß  derselbe  in  einem  geschlossenen  Behältnisse  erfolgen.

Wenn  ein  Mensch  oder  ein  Thier  von  einem  an  der  Tollwuth  erkrankten  oder  der  Seuche  verdächtigen
  Hunde  gebissen  ist,  so  ist  der  Hund,  wenn  solches  ohne  Gefahr  geschehen  kann,  vor  polizeilichem  Einschreiten
  nicht  zu  tödten,  sondern  behufs  thierärztlicher  Feststellung  seines  Gesundheitszustandes  einzusperren.

§.  17.

Die  Polizeibehörde  hat  zu  veranlassen,  daß  der  wegen  Verdachts  der-Tollwuth  von  dem  Besitzer
eingesperrte  Hund  sofort  einer  Untersuchung  durch  den  beamteten  Thierarzt  (§.  2  Absatz  3  des  Gesetzes)
unterzogen  wird.

Läßt  die  thierärztliche  Untersuchung  Zweifel  über  den  Zustand  des  Hundes,  so  muß  die  Einsperrung
  desselben  in  einem  sicheren  Behältnisse  auf  den  Zeitraum  von  8  Tagen  ausgedehnt  werden.

Wenn  der  Besitzer  vor  Ablauf  dieser  Zeit  durch  schriftliche  Bescheinigung  des  beamteten  Thierarztes
nachweist,  daß  der  Verdacht  beseitigt  ist,  so  kann  die  Sperre  wieder  aufgehoben  werden.

§.  18.
Ist  ein  der  Seuche  verdächtiger  Hund  gestorben  oder  getödtet  worden,  so  kann  die  Polizeibehörde
die  Zerlegung  des  Kadavers  durch  den  beamteten  Thierarzt  anordnen.  Diese  Anordnung  muß  getroffen
werden,  wenn  der  Hund  einen  Menschen  oder  ein  Thier  gebissen  hat.

§.  19.
Ist  die  Tollwuth  eines  Hundes  festgestellt,  so  ist  die  sofortige  Tödtung  desselben  anzuordnen.
Auch  hat  die  Polizeibehörde  die  sofortige  Tödtung  aller  derjenigen  Hunde  und  Katzen  anzuordnen,

a.  Hunde.