Full text : Der Weltkrieg. II. Band. (2)

Die  Stickstoffrage

 

Landwirtschaft  noch  nichts  vorgesorgt  war.  Die  
Verhandlungen  mit  den  Bayrischen  Stickstoffwerken,  in  denen
das  Landwirtschaftsministerium  eine  Sicherung  des  Bedarfs
an  Stickstoffdüngemitteln  erstrebte,  waren  auf  dem  toten
Punkt:  Die  Stickstoffwerke  verlangten  für  ihre  
Neuproduktion  eine  fünfzehnjährige  Absatzgarantie  zu  einem
wesentlich  unter  den  Friedenspreisen  liegenden  Satze,  die
landwirtschaftlichen  Vereinigungen  waren  aus  sich  heraus
für  die  Übernahme  einer  solchen  Absatzgarantie  nicht  stark
genug,  und  die  Finanzverwaltungen  Preußens  und  des
Reiches  weigerten  sich  kategorisch,  ihrerseits  eine  Absatzgarantie
  zu  übernehmen  ;  —  sie  waren  auf  Grund  der  
Kriegskredite  formal  wohl  zur  Leistung  von  Ausgaben  für  
Kriegszwecke,  nicht  aber  zur  Übernahme  von  Garantien  befugt!

Als  meine  Ernennung  zum  Staatssekretär  des  Reichsschatzamts
  feststand,  besuchten  mich  der  preußische
Landwirtschaftsminister  Freiherr  von  Schorlemer  und  der
preußische  Finanzminister  Herr  Lentze,  um  mir  die  
geradezu  verzweifelte  Lage  der  Stickstoffversorgung  der  
Landwirtschaft  darzulegen  und  sich  meiner  Unterstützung  bei  der
Überwindung  dieses  Notstandes  zu  versichern.  Die  Situation
war  mir  bereits  bekannt,  und  ich  war  entschlossen,  nicht
nur  meinerseits  die  Initiative  zu  der  notwendigen  weiteren
Steigerung  unserer  Stickstoffgewinnung  zu  nehmen,  
sondern  auch  dem  Reich  in  diesem  neuen,  nationalwirtschaftlich
  unschätzbar  wichtigen  und  finanziell  aussichtsreichen
Industriezweige  eine  starke  Position  zu  schaffen.  Am  Tage

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