Der Jesuitenkrieg der nenen Ära. 177
Setzen, so war der Justizausschuss des Bundesraths durch den
Reichstag selbst zu dem Gesetzentwurf berechtigt, welcher nach
einer dreitägigen Debatte der Volksvertretung seine definitive
Form erhielt. Die Auflösung der Niederlassungen des Jesuitenordens
innerhalb des Reichs, die Ausweisung der ausländischen
Angehörigen, die Internirung der Inländer war den Landespolizeibehörden,
die zur Ausführung des Gesetzes erforderlichen
Anweisungen waren dem Bundesrath anheimgestellt. Die Vertrauensmänner
der Mittelparteien hatten dem Entwurf, wie er
aus der Mitte des Justizausschusses kam, die letzte Redaction
gegeben; beim Zusammentritt jener Vertrauensmänner und bei
ihren Berathungen war besonders der Vicepräsident des Reichstags,
Fürst Chlodwig von Hohenlohe, thätig gewesen.
Vergebens mahnten in den Verhandlungen vom 14, 17.
und 19. Juni die Sprecher der katholischen Minderheit zur
Mässigung und Besinnung. Sie warnten die Majorität vor dem
Betreten eines Bodens, dessen Fruchtbarkeit sich gelegentlich
auch ihr bemerklich und fühlbar machen könnte. Sie erinnerten
die stürmischen Eiferer an den Terrorismus, mit welchem in den
letzten Zeiten Griechenlands und Roms die wechselnden Sieger
die Minderheit des Augenblicks mit Verbannungen und Ächtuugen
heimsuchten.
Taub gegen diese Mahnungen nahmen die Sprecher der
Mehrheit das im Lauf der Debatte hingeworfene Stichwort des
partiellen Belagerungszustandes mit rauschendem Beifall
auf. Ein Schulze (Delitzsch) forderte sogar noch strengere
Maassregeln, als der Gesetzentwurf in Aussicht stellte. Competenzbedenken,
rief er aus, wie können sie uns in einem
Augenblick zurückhalten, wo alle Theile der Bevölkerung des
Reichs von den Bewusstsein der drohenden Gefahr erfüllt sind?
Er kannte nur die eine Furcht, dass die Mängel und Schwächen
des Gesetzes der Regierung es leicht machen könnten, „sich,
falls es ihr einmal darum zu thun sein könnte, mit guter Art
aus der Affaire zu ziehen."
Wenn der stürmische Schulze die Warnungen der Minderheit,
dass für ihn und seines Gleichen auch einmal ein Sondergesetz
kommen könne, wie ein Kind in den Wind schlug, betete
Löwe (Calbe) seinen Glauben gleich einem Kinde her und dieser
Glaube war für ihn und für die Welt wunderthätig. Er glaubt
und glaubt mit Inbrunst und mit Überzeugung, dass der Glaube
Bauer, Biswmarck’sche Ära, 12