Contents : Untersuchungen und Aktenstrücke zur Geschichte der Reichsgründung.

386  Von  der  Heydt  an  Camphausen  1849  April  23.

Veranlassung,  sich  darüber  zu  äußern,  ob  sie  angenommen  haben  würden,  wenn
Preußen  angenommen  hätte.  Die  Abänderungen,  welche  Preußen  verlange,  seien
ihnen  nicht  bekannt;  wenn,  wie  sie  wünschten,  die  Nationalversammlung  sich  entschließe,
  auf  Abänderungen  einzugehen,  so  würden  sie  sich  ihrerseits  erlauben,  die
ihnen  angemessen  scheinenden  Modifikationen  vorzuschlagen.  —  Der  vorteilhafte
Standpunkt,  auf  dem  gestern  Preußen  sich  befand,  ist  heute  derjenige  der  vier
Königlichen  Höfe;  sie  können  nicht  zu  einer  Erklärung  gedrängt  werden,  bevor
Preußen  sich  definitiv  erklärt  hat.  Das  konstant  ersirebte  und  vor  der  Gefährdung
geschützte  Ziel,  daß  wenn  die  Sache  scheitere,  sie  nicht  an  Preußen  scheitere,  ist  verloren,
  denn  wenn  sie  nunmehr  zugrunde  gehen  sollte,  so  wird  man  nicht  auf  Sachsen,
n-  Württemberg  oder  Bayern,  sondern  lediglich  auf  Preußen  die  Steine
werfen.

Die  Schwierigkeitent  der  heutigen  Lage  können,  soviel  ich  zu  beurteilen  vermag,
nur  zu  zwei  Resultaten  führen.  Entweder  muß  die  Nationalversammlung  aufgelöst
  werden  und  alles  zerfällt,  oder  Preußen  akzeptiert  die  Verfassung  mit  dem
Vorbehalte  der  Revision  auf  dem  ersten  Reichstage.  In  beiden  Fällen  wünsche  ich
nicht  weiter  mitzuwirken;  in  dem  ersten  nicht,  weil  ich  die  von  mir  nicht  geschaffene
Position  zu  vertreten  ablehnen  müßte,  und  weil  es  für  die  alsdann  erforderlichen
Maßnahmen  an  disponiblen  Kräften  nicht  fehlt;  in  dem  zweiten  nichk,  weil  alsdann
  die  Ausführung  den  Männern  zukommt,  welche  ursprünglich  dazu  geraten

aben.

E.  E.  wollen  entschuldigen,  daß  ich  mit  einiger  Ansführlichkeit  die  Auffassung
darlegte,  aus  welcher  die  heute  morgen  S.  E.  dem  Ministerpräsidenten  Herrn
Grafen  v.  Brandenburg  gemachte  Mikteilung  meines  Rücktrittes  hervorging.
E.  C.  ersuche  ich  ergebenst,  meine  Demission  bei  S.  M.  zu  bewirken.  Ich  werde
suchen,  in  den  allernächsten  Tagen  die  laufenden  Angelegenheiten  so  weit  zu  erledigen,
  daß  ich  meine  Vertretung  dem  Legationsrat  v.  Kamptz  übertragen  kann.

88.  v.  d.  Heydt  an  Camphausen.
Telegramm.
Berlin  r840.  April  23.

Es  ist  vielleicht  unnötig,  darauf  aufmerksam  zu  machen,  daß  bei  der  aufgetragenen
  Mitteilung  die  Absicht  nicht  dahin  ging,  die  Erklärung  von  vorgestern
pussäns  mitzukeilen,  sondern  im  Sinne  derselben  eine  vorläufige  Mitteilung
zu  machen.

Verlassen  Sie,  ich  beschwöre  Sie,  in  diesem  Augenblick  nicht  Ihren  Posten.  Wir
haben  ja  heute  in  Ubereinstimmung  mit  Ihren  Vorschlägen  gehandelt.  Oie  gestrige
Einberufung  steht  mit  dem  von  Ihnen  gewünschtken  Entlassungsgesuch:  in  Verbindung,
  das  von  allen  Kollegen  neuerdings  unkerstützt  ist.  Im  schlimmsten  Falle
warten  Sie  jedenfalls  Ihren  Nachfolger  ab,  und  machen  Sie  dafür  Vorschläge.

80.  Camphausen  an  v.  d.  Heydt.
Kopie  und  unvollständiges  eigenhd.  Konzepé.

Frankfurt  1840.  April  24.

Lieber  Freund!  Daß  Sie  mir  vorwersen,  ich  verlasse  meinen  Posien,  obschon.
das  Ministerinm  in  Ubereinstimmung  mit  mir  gehandelt  habe,  ist  grausam  und

:  Im  Konzept  war  ein  etwas  anderer  Schluß  durch  folgende  Sätze  angedeutet:  „DOer  Weg
der  Oktroplerung  ist  aus  Gründen  des  Rechtes  und  der  Politit  sowohl,  als  wegen  Unmög,
lichkelt  der  Ausführung  außer  Frage.  Der  Weg  der  Verfassungcrevision  unter  den  in
E.  E.  GSchreiben  vom  15.  beleichneten  Formen  ist  aus  den  in  meinen  vorigen  Berichten
angeführten  Gründen  unmöglich  geworden.“

*  Des  Grasen  Arnim.