IV Naturlehre. 47
in die Mähe des Knopfes unsres Elektrostops (Fig. 55), so wird
die neg. Elektrizität (durch Verteilung) in den Knopf gezogen und
gebunden (wodurch?). Die freie pos. Elektrizität dagegen wird in
die Blättchen getrieben, die deshalb auseinandergehen.
— Caden wir darauf das Elektroskop z. B. mit pos. Elektrizität,
so gehen die Blattgoldstreifen auseinander. Nähern wir nunmehr
dem Unopfe einen andern pos. elektrischen Körper, so gehen die
· Blättchen noch weiter auseinander. Bringen wir aber einen
Fis. 55. neg. elektrischen Körper in die Nähe des Knopfes, so fallen die
Blättchen zusammen. (Erkläre die Dorgängel) — Das Elektroskop kann also benutzt
werden, nicht nur um das Vorhandensein von Elektrizität, sondern auch um die Art
der Elektrizität eines Körpers nachzuweisen.
6. Elektrische Spannung. a) An einer Sliegenglocke aus Drahtgeslecht,
die einen metallenen Boden hat, hängen wir innen zwei Goldblattstreifen dicht
nebeneinander auf, während wir an der Zußenseite einzelne Goldblättchen befestigen.
Stellen wir dann die Glocke isoliert auf (in welcher Weise?), und laden wir sie mit
Elektrizität, so gehen die im Innern der GElocke hängenden Streifen nicht auseinander:
sie sind nicht elektrisch geworden. Die außen befestigten Blättchen aber werden lebhaft
abgestoßen: sie erweisen sich als elektrisch. Die Elektrizität hat sich also nur auf
der Zußenseite der GElocke verbreitet. — Weil gleichartige Elektrizitäten sich abstoßen,
und weil gute Leiter der Zusbreitung der Elektrizität fast gar keinen Widerstand
entgegensetzen, wird nämlich der Bewegung der Elektrizität erst an der Oberfläche
eines Leiters (der Drahtglocke) gleichsam eine Schranke gesetzt. Damit ist aber
ihr Bestreben, sich von dem Ceiter zu entfernen, nicht erloschen. Die Elektrizität übt
daher (ganz ähnlich wie die in einer Knallbüchse zusammengepreßte Luft auf die
Wandungen der Nnallbüchse) gleichsam einen Druck auf die nichtleitende Umgebung,
die Luft, aus. Diesen Druck bezeichnet man als elektrische Ipannung.
b) Wir laden mit hHilfe einer Elektrisiermaschine (bsch. 8) einen Ceiter
(Konduktor). Uähern wir ihm darauf einen Hingerknöchel, so beobachten wir, wenn
vorher das Simmer verdunkelt worden ist, daß ein blitzähnlicher Funke überspringt.
Eleichzeitig empfinden wir einen kleinen, stechenden Schmerz und hören einen schwachen
Knall (Gewitter im kleinen!). Die pos. Elektrizität des Konduktors wirkt verteilend
auf die Elektrizität unfres Körpers und zieht dessen neg. Elektrizität in den Fingerknöchel.
hat nun die elektrische Ipannung eine gewisse Stärke erreicht, so vereinigen
sich die pos. Elektrizität des Konduktors und die neg. Elektrizität des Kingerknöchels
durch die dazwischen liegende Luftschicht unter Cichterscheinung („elektrischer Funke“).
7. Ausströmen der Elektrizität durch Spitzen. Wir befestigen auf dem Knopfe
eines Elektrofkops eine Uadel, nähern ihrer Spitze einen elektrischen Glasstab und entfernen
ihn wieder. Drüfen wir nunmehr die Elektrizität des Elektroskops (auf welche
Weise?), so finden wir, daß es pos. elektrisch geladen ist; die (freie) neg. Elektrizität
muß also daraus entwichen sein. Wiederholen wir den Dersuch, indem wir einen
elektrischen hartgummistab verwenden, so erweist sich das Elektroskop als mit neg.
Elektrizität geladen; dann ist also die (freie) pos. Elektrizität daraus verschwunden.
— Um diese orgänge zu verstehen, befestigen wir eine Metallspitze an einem
Konduktor und laden ihn mit Hilfe der Elektrisiermaschine (s. u.). Wir versuchen
darauf (ähnlich wie bei dem Versuche in bsch. 6b) Funken aus der Spitze zu ziehen: