Die vortrefflich ausgebildeten Diakonissinnen werden
auch auf dem Lande als Gemeindeschwestern angestellt, besonders
von den Frauenvereinen: doch geben die Mutterhäuser, von denen
sich eine große Anzahl in allen Provinzen und Teilen Nord- und
Süddeutschlands befinden, sie für Einzelstellungen nicht gern ab,
dagegen bereitwillig für Landstationen mit zwei Schwestern; im
übrigen wird dieser allgemeine Grundsatz aller Diakonissenmutterhäuser
nicht von allen in gleicher Weise konsequent aufrecht erhalten.
Moanche Mutterhäuser stationieren, den Verhältnissen
nachgebend, unter bestimmten Voraussetzungen auch einzelne
Schwestern. Auf Gütern befinden sie sich meist in Einzelstellungen,
in Cadinen und RKominten sind z. B. Krankenzimmer für die
Arbeiter und ist Krankenpflege für die Gutsangehörigen eingerichtet
unter Leitung einer Diakonissin. Auch der Verein
„Frauenhilfe“ und die von einigen Pfarrern begründeten Gemeindekrankenpflegen
haben Diakonissen in Einzelstellungen, der
Vaterländische Frauenverein stellt sie in den meisten Fällen zu
mehreren in Doppelstationen an. — Wenn im Umkreis eines Bezirks,
der einer Gemeindepflege bedarf, eine Johanniterin
wohnt, so ist eine solche trefflich geeignet, eine Diakonissin auf dem
Lande solange zu ersetzen, bis eine solche angestellt werden kann.
Sie ist, ihren Statuten epprrehend zu jeder Arbeit in der Gemeindepflege
bereit, doch ist diese Arbeit ihre freiwillige Leistung
und wird ohne Entgelt gegeben. In Ostpreußen haben z. B. in
verschiedenen Landbezirken im ganzen 12 Johanniterinnen, Töchter
von Gutsbesitzern usw., im Jahre 1905 bei der Bekämpfung der
unter der Landbevölkerung ausgebrochenen Granuloseepidemie
überall in Dörfern und Ortschaften freiwillige Krankenpflegedienste
gelcistet, wo die Hilfe der Diakonissinnen nicht ausreichte. — Die
katholischenkirchlichen Krankenpflegeschwestern
sind in den katholischen Bezirken West. und Süddentschlands in
zahlreichen kleinen Ordensniederlassungen auf dem Lande verbreitet,
jedoch niemals in Einzelstellungen. In jeder, auch der
kleinsten Niederlassung, sind stets mehrere Schwestern, die
Kranken., Armen., Kleinkinderpflege usw. miteinander verbinden.
An Gemeindebeiträge zu den Kosten machen sie keine Ansprüche, sie
sammeln nur freiwillige Gaben. In der Dibzese Köln gibt es
128 solcher Niederlassungen mit doͤo Pflegeschwestern, in der
Diözese Trier 85, in Baden 132 Niederlassungen usw. — Von den
Frauenvereinen, die zum Verband des Noten Krenzes gehören,
und die ihren Statuten entsprechend, bei der Wahl ihrer Krankenpflegeschwestern
auf dem Lande die Konfession der Bevölkerung be.
rücksichtigen uollen- werden die Ordensschwestern ftets zu Zehreren
in katholischen Landk angestellt. So hatte
der Vaterländische Frauenverein im Jahre 1905 im . ganzen
111 katholische Ordensschwestern in seinen Landstationen, der
Badische Frauenverein im Jahre 1905 = 117 Ordensschwestern
nsw. — Der evangelische Diakonicverein in Zehlendorf bei Berlin