Full text : Fürst Bismarck und der Bundesrat. Dritter Band. Der Bundesrat des Deutschen Reichs (1873-1878). (3)

Deutschland  und  seine  Verbündeten  191

 

II.

An  der  Westfront  war  der  Kampf  bei  Verdun  im  Niedergang;  die
Sommeschlacht  hatte  der  Entente  Anfang  Juli  den  erhofften  Durchbruch
nicht  gebracht.  Die  zweite  Zermürbungsschlacht  des  Jahres  1916  wurde
seit  diesen  Tagen  beiderseits  der  Somme  in  unerhörter  Erbitterung  und
sich  drängender  Kampffolge  geschlagen.

Verdun  hat  uns  sehr  viel  Blut  gekostet.  Die  Lage  unserer  angreifen—
den  Truppen  war  immer  ungünstiger  geworden.  Sie  kamen,  je  mehr  sie
Gelände  gewannen,  immer  tiefer  in  das  Trichterfeld  hinein  und  ver—
brauchten  ihre  Kraft  auch  außerhalb  der  Kämpfe  allein  durch  den  Auf—
enthalt  in  jenem  Gelände  und  durch  die  Schwierigkeit  der  eigenen  Ver—
sorgung  über  weite,  unwirtliche  Strecken  hinweg,  während  der  Franzose
Rückhalt  in  den  nahen  Anlagen  der  Festung  fand.  Jetzt  schleppte
sich  der  Angriff  noch  kraftverzehrend  hin.  Der  Truppe,  die  so  viel
vor  dieser  Festung  geleistet  hatte,  graute  vor  dem  Trichtergelände.
Die  Führung  war  auch  nur  mit  halber  Seele  dabei.  Der  deutsche
Kronprinz  hatte  sich  schon  sehr  frühzeitig  für  die  Einstellung  des  Angriffs
  ausgesprochen.

Die  Sommeschlacht  war  durch  die  Entente  mit  einer  ungeheuren
Überlegenheit  auf  der  Erde  und  in  der  Luft  begonnen  worden.  Die  Oberste
Heeresleitung  war  im  Anfang  überrascht.  Sie  fuhr  nun  schnell  Kräfte
heran,  aber  es  war  ihr  nicht  geglückt,  die  feindliche  überlegenheit  an  Artillerie,
  Munition  und  Fliegern  auch  nur  einigermaßen  auszugleichen.  Die
Entente  hatte  sich  immer  weiter  in  die  deutschen  Linien  hineingearbeitet.
Wir  hatten  viel  Menschen  und  Gerät  verloren.  Damals  wurden  die
vordersten  Gräben  noch  dicht  besetzt.  Unterstände  und  Keller  füllten  sich
beim  feindlichen  Artilleriefeuer.  Der  unter  dem  Schutze  des  Trommelfeuers
  angreifende  Feind  war  schneller  im  Graben  oder  in  den  Dörfern,
als  die  Besatzung  aus  ihren  Unterschlupfen  herauskriechen  konnte.
Eine  häufige  Folge  war  Gefangennahme  unserer  Leute.  Der  Verbrauch
an  physischer  und  seelischer  Kraft  war  unermeßlich,  die  Divisionen  konnten
nur  wenige  Tage  in  Stellung  bleiben.  Sie  mußten  häufig  abgelöst  werden,
um  sich  an  ruhigen  Fronten  zu  erholen.  Sie  in  Reservestellung  zu  belassen,
war  unmöglich,  dazu  hatten  wir  nicht  die  Kräfte.  Die  Zahl  noch  einsetzbarer
Divisionen  wurde  kleiner.  Bei  dem  Mangel  an  Artillerie  wurde  diese  bei
der  Ablösung  der  Divisionen  zunächst  zurückgehalten.  Die  Divisionen,  die
durch  abgekämpfte  freigemacht  wurden,  mußten  nun  ihrerseits  in  ihren
bisherigen  Stellungen  ihre  Batterien  vorläufig  stehen  lassen  und  kamen
ohne  Artillerie  hinter  der  Schlachtfront  an.  Ein  wirres  Vermischen  der
Verbände  ergab  sich  als  Folge.  An  der  Westfront  waren  Neubildungen