Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Nach  diesem  unauflöslichen  Hausgesetze  sollten  die  gesammten  öftreichischen
Erblande  ungetheilt  auf  seine  männlichen,  und  in  deren  Ermangelung  auf  seine
weiblichen  Nachkommen  fallen.  Letzterer  Fall  stand  bevor,  denn  sein
Sohn  war  gestorben,  und  seine  älteste  Tochter  Maria  Therefia  hatte  demnach
die  Aussicht,  das  große  Erbe  in  ihrer  Person  zu  vereinigen.  Für  die  Anerkennung
  dieser  Erbfolge  zeigte  man  gegen  Spanien  in  den  wichtigsten  Punkten
gefälliges  Entgegenkommen.

Die  Nachricht  von  diesem  seltsamen  Bündniß  erregte  natürlich  in  Paris
und  London  die  größte  Besorgniß,  denn  wie  war  die  Tragweite  desselben  für
die  europäischen  Angelegenheiten  zu  berechnen?  Sogleich  eilten  die  Gesandten
dieser  Höfe  durch  ganz  Europa,  um  sich  der  übrigen  Höfe  zu  versichern;  auch
die  Mächte  zweiten  Ranges  schienen  von  großer  Bedeutung.  Vor  Allem  galt
Preußen  als  wichtig,  da  Friedrich  Wilhelm  I.  einen  gefüllten  Schatz  besaß  und
über  ein  Heer  von  60—  70,000  Mann  verfügen  konnte.  So  schien  Preußen,
vorzüglich  seitdem  Peter  der  Große  nicht  mehr  an  der  Spitze  des  aufstrebenden
östlichen  Staates  sich  befand,  eine  beachtenswerthe  Kriegsmacht.  Es  schien  deshalb
  die  Zeit  äußerst  günstig,  dem  neuen  Staate  eine  wichtige  europäische  Bedeutung
  zu  geben,  allein  hierzu  bedurfte  es  einer  tiefen  Einsicht  in  die  Lage
und  Verhältnisse  der  ganzen  politischen  Welt,  eines  scharfen  Blickes,  um  die
Interessen  der  Einzelnen,  mit  welchen  man  in  Berührung  kam,  jeden  Augenblick
richtig  zu  erkennen.  Friedrich  Wilhelm  I.  besaß  weder  diese  Eigenschaften,  noch
die  nöthige  Selbstbeherrschung,  um  persönliche  Neigung  oder  Widerwillen  zu
verstecken,  und  unabhängig  davon  den  Entschluß  zu  fassen,  welcher  dem  Vortheile
  seines  Staates  am  besten  entsprach.  Unglücklicher  Weise  war  zu  dieser
Zeit  Ilgen,  der  einzige  seiner  Minister,  welcher  Einsicht  und  Willen  hatte,  Preußens
  Vortheil  zu  schützen,  vor  Alter  fast  dienstunfähig  geworden.

Dies  war  um  so  mehr  zu  bedauern,  als  gerade  zu  der  Zeit,  der  General
Graf  von  Seckendorf  als  kaiserlicher  Gesandter  nach  Berlin  kam,  ein  äußerft
verschlagener  und  gewandter  Mann,  welchen  der  König  schon  seit  längerer  Zeit
kannte  und  schätzte.  Die  erste  Annäherung  fällt  ins  Jahr  1709,  wo  der  Graf
als  sächsischer  General  unter  den  Reichstruppen  gegen  die  Franzosen  focht.
Schon  hier  hatte  Friedrich  Wilhelm  I.  eine  große  Verliebe  für  ihn  gefaßt,  welche
sich  durch  ein  späteres  Zusammentreffen  während  der  Belagerungsarbeiten  gegen
die  Festung  Stralsund  noch  erhöhte.  Seckendorf  verstand  es  meisterhaft,  durch
den  Schein  der  größten  Einfachheit  und  Biederkeit  das  volle  Vertrauen  des
Königs  zu  gewinnen,  denn  sehr  geschickt  ging  er  in  alle  seine  Eigenthümlichkeiten
ein,  nahm  eifrig  an  seinen  Vergnügungen  auf  der  Wachtparade  und  der  Jagd,
bei  Tafel,  so  wie  in  den  ganz  bürgerlich  ausgestatteten  Abendgesellschaften  Theil
und  wurde  hierdurch  mit  der  Gesinnung  sowohl  des  Königs,  als  auch  der
seiner  einflußreichsten  Umgebungen  auf  das  Genaueste  bekannt.  Als  er  nun
später  in  kaiserliche  Dienste  trat,  so  hielt  man  ihn  mit  Recht  für  höchst  geeignet
zu  der  Stelle  eines  geheimen  Botschafters  am  Berliner  Hofe.  Ohne  Zweifel