212 Finanzwirttschaft.
der Kriegsindustrie einerseits, den Kriegsgewinnlern in Industrie und
Handel anderseits. Man kann die Augen nicht vor der Tatsache verschließen,
daß diese wirtschaftlich gedrückte Lage inmitten einer Umgebung,
die auf Grund ihrer Kriegegewinne sich steigendem Luxusleben hingeben
konnte und die auch bereit war, für die Erzielung von Kriegsgewinnen
Unkosten keiner Art zu scheuen, eine Fülle von Bersuchungen aller Art
mit sich brachte. Wer während des Krieges im praktischen Leben gestanden,
wird aus mannigfachen Erfahrungen bezeugen können, daß
unter diesen Umständen die alte Integrität des deutschen Beamtentums
vielfach bedenkliche Einbuße erlitten hat. Uns wohl hütend vor unberechtigten
Verallgemeinerungen, werden wir an Beobachtungen dieser Art
doch füglich nicht stillschweigend vorübergehen und am allerwenigsten
übersehen dürfen, daß solche Versuchungen vielleicht mehr noch als an die
Zivilbeamten in der Heimat berangetreten sind an mancherlei Klassen
großenteils aus der Zivilbeamtenschaft entnommener Militärbeamten in
der Etappe. Die Verseuchung eines Teiles dieser Kreise mit dem ansteckenden
Geist des Kriegsgewinnlertums hat sicher nicht wenig beigetragen
zu der Belebung jener Stimmungen, die den Auebruch der
Revolution und ihre Förderung aus den Reiben der Soldaten heraus
begünstigten.
Finanzwirtschaft.
Seit mehr ale einem halben Jahrzehnt vor Kriegsausbruch war
mit großer Umsicht die planmäßige Vorbereitung für die finanzielle
Mobilmachung Deutschlands getroffen worden. Wie der Reichsbankpräsident
der Kriegszeit bereits in seiner Eigenschaft als Präsident der
Preußischen Seehandlung eine Verdreifachung des Stammkapitals der
Preußischen Staatsbank betrieben hatte, so ließ er sich später als Reichs--bankpräsident
nach allen Richtungen eine möglichst weitgehende finanzielle
Kräftigung dieses Institutes angelegen sein. Der Goldbestand wurde
vermehrt, der Einfluß der Reichsbank auf das gesamte deutsche Geldwesen
gesteigert. In diesem Sinne war es den Bemühungen des Reichsbankpräsidenten
Havenstein insbesondere auch gelungen, erziehlich auf
die Großbanken einzuwirken, die unter anderem durch häufige Zwischenbilanzen
Aufschluß über die Liquidität ihrer Mittel zu geben veranlaßt
wurden. Nach jeder Richtung wurde Vorsorge dafür getroffen, daß im
Falle eines Kriegsausbruchs die Reichsbank über wesentlich stärkere
Barmittel verfügen sollte, als es in früheren Zeiten der Fall gewesen
wäre.
Darüber hinaus bedurfte es der Vorbereitung einer ganzen Kette
von besonderen Gesetzen auf den Gebieten des Finanzwesens für den