Das Gemeindevermögen und seine finanzielle Bedeutung und Ausnutzung. 141
auf diese Weise möglich geworden, der Ansiedlung der Industrie und
deren ungehemmten Erweiterung durch Schaffung und Erschließung ge—
eigneter Industriequartiere, deren großartigstes der städtische Industriehafen
darstellt, die Wege zu ebnen — wiederholt schon hat die drohende
Verlegung einer alteingesessenen Fabrik mit einem zahlreichen, hochgelohnten
Personal nach einem andern Platz und die Heranziehung eines industriellen
Unternehmens von Bedeutung nur durch weitgehende Zugeständnisse inbezug
auf die Uberlassung des für Bau= und Lagerplätze nötigen Geländes
ermöglicht werden können —, anderseits konnte sie jederzeit durch die
Veräußerung von Gemeindeland für Wohnungszwecke dem dringenden
Bedürfnis nach einer Vermehrung des Vorrats an baureifem Gelände
am zweckmäßigsten und wirksamsten begegnen, wobei sie noch das weitere
wohl erwogene Ziel verfolgte, begüterte Bevölkerungselemente zur Niederlassung
im Stadtgebiete zu bewegen und namentlich zu verhüten, daß reich
gewordene Einwohner entsprechend den früheren Gepflogenheiten ihren
Wohnsitz nach auswärts verlegen 1. In Karlsruhe, Heidelberg und Pforzheim
hat sich die nicht rechtzeitige Sicherung des nötigen Grundbesitzes in
früheren Jahren schon mehrfach bitter für die Gemeinde gerächt, und es
konnte das Versäumte oft nur mit schweren Opfern nachgeholt werden.
Die Stadt Freiburg hatte sich von jeher eines sehr ausgedehnten
Besitzes an Grundstücken und Wald zu erfreuen, der Ende 1906 einen
Wert von nahezu 25 Millionen Mark repräsentierte. Die Schaffung
eines ausreichenden Besitzes an Gemeindeland durch Erhaltung des Überkommenen
und planmäßige Vermehrung, durch Ankauf neuer Grundstücke
und Häuser hat sich die Stadtverwaltung seit zwei Jahrzehnten in besonderem
Maße angelegen sein lassen. Der Bürgerausschuß hat in den
letzten Jahren recht ansehnliche Summen für Liegenschaftserwerbungen
bewilligt, sodaß Freiburg über den bedeutendsten Grundstücksfonds unter
den größeren badischen Städten (rund 3650 ha) verfügt, wozu noch etwa
1500 ha von städtischen Stiftungen kommen. Im Rechenschaftsbericht dieser
Stadt für das Jahr 1906 finden wir unter § 3 folgende Einnahmen
aus Liegenschaften aufgeführt:
von Gebäuden (Mietzinsen usp.h)))) 425 799 Mk.
landwirtschaftlichen Grundstücken, ...
undzwarvonÄckern(ca.73h-).......6338,,
,,Wiesen(ca.219ha)......24578,,
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1Vgl. Die Mannheimer Wohnungsfrage und die Bau= und Bodenpolitik der
Stadtgemeinde. Denkschrift des Oberbürgermeisters Dr. Beck an den Stadtrat der
Hauptstadt Mannheim. S. 66—72.