Full text : Geschichte des Preußischen Staates

22  Die  Markgrafen  aus  dem  Hause  Wittelsbach.

schaften  des  Volkes  nicht  zu  einer  neuen  staatlichen  Bildung  kam,  zeigte  die  Notwendigkeit
  einer  landesfürstlichen  Regierung,  und  fünf  Jahre  einer,  wie  auch
immer  zu  beurteilenden,  so  doch  thatkrästigen  und  zielbewußten  Herrschaft  inmitten
dieses  Zeitraumes  mußten  die  Erkenntnis  davon  zu  einer  allgemeinen  machen.

Nach  dem  Tode  Woldemars  wurde  das  fürstenlose  Land  die  Beute  der  be- 



Statue  Kalser  Karls  IV.
o.  e  4.  h.

Von  der  Follade  eines  Nornberger  Hauses  stommend,
  leyt  in  den  K.  Museen,  Verlin.

nachbarten  Fürsten,  die  jener  im  Templiner  Frieden
gedemütigt  hatte.  Ludwig  der  Bayer  belehnte
zwar,  nachdem  er  in  der  Schlacht  von  Mühldorf
seine  Anerkennung  als  König  errungen  hatte,  seinen
jungen  Sohn  Ludwig  mit  der  Mark,  und  es
glückte  auch  den  Verhandlungen  des  Grafen  Berthold
  von  Henneberg,  einige  der  abgerissenen  Länder
wieder  zu  gewinnen,  andere  aber  mußte  man  den
Eroberern  überlassen,  und  als  Ludwig  im  Verlauf
seines  heftigen  Kampfes  mit  der  Kurie  um  die
Selbständigkeit  der  deutschen  Königskrone  vom  Papste
mit  dem  Banne  belegt  und  entsetzt  wurde,  waren
die  bittersten  Leiden  für  die  Marken  die  Folge
ihrer  unmittelbaren  Verbindung  mit  dem  deutschen
Königtum.  König  Wladislaw  von  Polen  verwüstete
auf  den  Ruf  der  Feinde  Ludwigs  die  Marken
mit  grauenhaftester  Gründlichkeit.  Weithin  gaben
rauchende  Dörfer,  zerstörte  Kirchen  und  Klöster
Kunde  von  dem  Wüten  der  polnischen  Scharen.
Nur  um  so  lebhafter  betrieben  natürlich  die  Feinde
der  Mark  aus  der  Zeit  Woldemars  ihre  Eroberungspläne,
  und  von  dem  Verlust  anderer  Landschaften
  abgesehen,  mußte  Ludwig  auch  auf  die
Oberlehensherrlichkeit  über  Pommern,  die  schon
von  den  Herzogen  dem  Papste  angeboten  war,  gegen
das  Recht  der  Nachfolge  in  Pommern  verzichten.
Bedenklicher  war  fast  noch,  daß  die  Bevölkerung
Berlins,  empört  über  das  Verhalten  des  Papstes
und  begeistert  für  das  gute  Recht  des  Kaisers,
sich  soweit  hinreißen  ließ,  einen  besonders  verhaßten
  Geistlichen,  den  Propst  von  Bernau  zu
erschlagen,  daß  die  Frankfurter,  von  derselben
Wut  ergriffen,  und  überzeugt,  daß  der  Bischof
Stephan  von  Lebus  den  Einfall  der  Polen  veranlaßt
  habe,  dessen  Kirche  in  Göritz  verbrannten
und  römisch  gesinnte  Priester  vertrieben.  Bann
und  Interdikt  waren  die  geistlichen  Strafen,  die
das  fromm  und  gläubig  gesinnte  Volk  tiefer  trafen,
als  jede  Art  weltlichen  Gerichts.  Mit  vielen  Opfern

haben  beide  Städte  erst  nach  Jahren  die  Kirche  zu  versöhnen  vermocht.
Auch  erbitterte  Ludwig  die  Kurie  bald  aufs  neue  gegen  sich  durch  eine
Handlung,  die  gerade  wieder  für  die  Mark  von  Bedeutung  wurde.  Indem  er