Wir haben das Königrelch Polen erst mlt unserem Blute von der rufflschen
Knute befreit und dann aufgerlchtet: der Verlust des „Korrldors“, Westpreußens,
Danzigs, Posens — Oberschlesiens sind Polens Ouittung.
Es kann une nicht verwehrt werden, uns die Frage vorzulegen, wile allee
gekommen wäre, wenn die O. H.L. ihr Begehren nach militärischen Sicherungen
im Osten für elne ferne, mögliche Zukunft den drängenden Forderungen der
Gegenwart aufgeopfert — wenn sie sich begnägt hätte, den status quo ante
im Osten gegen Rußland und Rumänien pderzustellen, den Bolschewlsmue, die
Polen, die Ukralner und dle übrigen Ostoölker sich selber überlassen und statt
dessen unter Aufstellung eines Grenzschutzes an der alten deutsch-russischen
Erenze ihre gesamte Streitmacht zum Entscheldungeschlag an die Westfront geworfen
hätte
Furchtbar blitere Frage, deren Lösung im eulgen Dunkel des nle Geschebenen
verborgen bleibt. Nur elns lst gewiß: wenn der Ausgang eln Gottesurteil
lst — dann müssen wir aus ihm die unerbittliche Folgerung zlehen: so,
wie man es gemacht, wle man uns geführt hat — so lst es bestlmmt falsch gewesen.
9.
Und wähbrend die Fahnen der Verbündeten vom Finnischen Meerbufen
bie zum Ostgestade des Schwarzen WMeeree quer durch Rußland vorwärte flatterten,
versank die Helmat — traglscher Creppenwltz dee Schicksal 1 — in immer
tiefere Zersetzung. Am gründllchsten In Osterresch- Ungarn.
Die nachfolgende Darstellung wlll versuchen, aus der erschütternden Schllderung
des in den Verhältnissen der Doppelmonarchle hervorragend sachkundigen
Karl Frledrich Nowak dle für das Lerstandnte der großen Zusammen---hänge
unerläßlichen Hauptlinien berauszuhebe
Der Tod Franz Josephe hatte nlcht nur neiann erwartete und Wunvermeldlliche
Folge gehabt, den letzten Rest von Zuf dl in den
Völkern der Donaumonoarchie zu zerreißen — er hatte auch den CThron für einen
Nachfolger frelgemacht, dessen Charakter und ganze Persönllchkeit geradezu
vom Schlcksal auserkoren und berufen schien, den Zerfall Osterrelch-Ungarns
und den Sturz der habsburgischen Dynastie durch dle absolute Minderwertlgkeit
seines Wesens zu legltlmieren. Es war schon ü#ber eln halbes Jahr her,
seit Kalser Karl zwel verhängnlovolle Schritte getan hatte, die das krampfbafte
Bestreben verrieten, seiner Person und seinem Hause dle menschlichen
Sompathlen der auselnanderstrebenden Bölker zu sichern — und die das gerade
Gegenteil erreichten. Sie hatten ihm ulchte als Verachtung eingetragen. Olese
belden Schritte waren: dle Einberufung dee Relcherate und der Erlaß
einer allgemeinen Amnestle für politische VDergeben.
Franz Josepb hatte während des Krleges ohne den Reicherat regiert. Seln
Minlsterpräsident Graf Stürgkb hatte das sehr bequem gefunden — bie die Kugel
des sozlallstischen Schriftstellere Friedrich Adler lhn hlnweggerafft hatte. Um
den glelchen Fehler zu vermeiden, hatte der junge Kaiser am 26. Aprll 1917
den Relchsrat — nach dreljähriger Pause — elnberufen. Er erntete kelnen Dank.
Er gab nur dem Freiheltswlllen „seiner“ Bölker eine Stlimme. Schon bel der
149