Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Wir  haben  das  Königrelch  Polen  erst  mlt  unserem  Blute  von  der  rufflschen
Knute  befreit  und  dann  aufgerlchtet:  der  Verlust  des  „Korrldors“,  Westpreußens,
Danzigs,  Posens  —  Oberschlesiens  sind  Polens  Ouittung.

Es  kann  une  nicht  verwehrt  werden,  uns  die  Frage  vorzulegen,  wile  allee
gekommen  wäre,  wenn  die  O.  H.L.  ihr  Begehren  nach  militärischen  Sicherungen
im  Osten  für  elne  ferne,  mögliche  Zukunft  den  drängenden  Forderungen  der
Gegenwart  aufgeopfert  —  wenn  sie  sich  begnägt  hätte,  den  status  quo  ante
im  Osten  gegen  Rußland  und  Rumänien  pderzustellen,  den  Bolschewlsmue,  die
Polen,  die  Ukralner  und  dle  übrigen  Ostoölker  sich  selber  überlassen  und  statt
dessen  unter  Aufstellung  eines  Grenzschutzes  an  der  alten  deutsch-russischen
Erenze  ihre  gesamte  Streitmacht  zum  Entscheldungeschlag  an  die  Westfront  geworfen
  hätte

Furchtbar  blitere  Frage,  deren  Lösung  im  eulgen  Dunkel  des  nle  Geschebenen
  verborgen  bleibt.  Nur  elns  lst  gewiß:  wenn  der  Ausgang  eln  Gottesurteil
  lst  —  dann  müssen  wir  aus  ihm  die  unerbittliche  Folgerung  zlehen:  so,
wie  man  es  gemacht,  wle  man  uns  geführt  hat  —  so  lst  es  bestlmmt  falsch  gewesen.


9.

Und  wähbrend  die  Fahnen  der  Verbündeten  vom  Finnischen  Meerbufen
bie  zum  Ostgestade  des  Schwarzen  WMeeree  quer  durch  Rußland  vorwärte  flatterten,
  versank  die  Helmat  —  traglscher  Creppenwltz  dee  Schicksal  1  —  in  immer
tiefere  Zersetzung.  Am  gründllchsten  In  Osterresch-  Ungarn.

Die  nachfolgende  Darstellung  wlll  versuchen,  aus  der  erschütternden  Schllderung
  des  in  den  Verhältnissen  der  Doppelmonarchle  hervorragend  sachkundigen
  Karl  Frledrich  Nowak  dle  für  das  Lerstandnte  der  großen  Zusammen---hänge
  unerläßlichen  Hauptlinien  berauszuhebe

Der  Tod  Franz  Josephe  hatte  nlcht  nur  neiann  erwartete  und  Wunvermeldlliche
  Folge  gehabt,  den  letzten  Rest  von  Zuf  dl  in  den
Völkern  der  Donaumonoarchie  zu  zerreißen  —  er  hatte  auch  den  CThron  für  einen
Nachfolger  frelgemacht,  dessen  Charakter  und  ganze  Persönllchkeit  geradezu
vom  Schlcksal  auserkoren  und  berufen  schien,  den  Zerfall  Osterrelch-Ungarns
und  den  Sturz  der  habsburgischen  Dynastie  durch  dle  absolute  Minderwertlgkeit
  seines  Wesens  zu  legltlmieren.  Es  war  schon  ü#ber  eln  halbes  Jahr  her,
seit  Kalser  Karl  zwel  verhängnlovolle  Schritte  getan  hatte,  die  das  krampfbafte
  Bestreben  verrieten,  seiner  Person  und  seinem  Hause  dle  menschlichen
Sompathlen  der  auselnanderstrebenden  Bölker  zu  sichern  —  und  die  das  gerade
Gegenteil  erreichten.  Sie  hatten  ihm  ulchte  als  Verachtung  eingetragen.  Olese
belden  Schritte  waren:  dle  Einberufung  dee  Relcherate  und  der  Erlaß
einer  allgemeinen  Amnestle  für  politische  VDergeben.

Franz  Josepb  hatte  während  des  Krleges  ohne  den  Reicherat  regiert.  Seln
Minlsterpräsident  Graf  Stürgkb  hatte  das  sehr  bequem  gefunden  —  bie  die  Kugel
des  sozlallstischen  Schriftstellere  Friedrich  Adler  lhn  hlnweggerafft  hatte.  Um
den  glelchen  Fehler  zu  vermeiden,  hatte  der  junge  Kaiser  am  26.  Aprll  1917
den  Relchsrat  —  nach  dreljähriger  Pause  —  elnberufen.  Er  erntete  kelnen  Dank.
Er  gab  nur  dem  Freiheltswlllen  „seiner“  Bölker  eine  Stlimme.  Schon  bel  der

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