18. Deutsche Reichsverfassung 1849. 263
gierung und Verwaltung haben. In die Regierung und Verwaltung
des deutschen Landes dürfen nur deutzche Staatsbürger berufen
werden.
Die Reichsverfassung und Reichsgesetzgebung hat in einem
Solelien deutschen Lande diezelbe verbindliche Kraft, wie in den
übrigen deutschen Ländern.
S 3. Hat ein deutsches Land mit einem nichtdeutschen
Lande dasselbe Staatsoberhaupt, S0 muss dieses entweder in Seinem
deutschen Lande reszidieren, oder es muss auf verfasSungsmässigen
Wege in demselben eine Regentschaft niedergesetzt werden, zu
welcher nur Deutzche berufen. werden dürfen.
S 4. Abgeseben von den bereits bestehenden Verbindungen
deutscher und nichtdeutscher Länder Soll kein Staatsoberhaupt
eines nichtdeutschen Landes zugleich zur Regierung eines deutschen
Landes gelangen, noch darf ein in Deutschland regierender Fürst,
ohne Seine deutsche Regierung abzutreten, eine "fremde Krone
annehmen.
Die einzelnen deutschen Staaten behalten ihre Selb-Ständigkeit,
Soweit dieselbe nicht durch die Reichsverfassung be-Schränkt
iSt; Sie haben alle Staatlichen Hoheiten und Rechte, 80-weit
diese nicht der Reichsgewalt ausdrücklich übertragen Sind.
Abschnitt II. Die Reichsgewalt.
Artikel I.
S 6. Die Reichsgewalt ausschliesslich übt dem Ausglande
gegenüber die völkerrechtliche Vertretung Deutschlands und der
einzelnen deutschen Staaten aus.
Die Reichsgewalt stellt die Reichsgesandten und die Konguln
an. Sie führt den diplomatischen Verkehr, Schliesst die Bündnisse und
Verträge mit dem Auslande, namentlich auch die Handels- und
Schiffahrtsverträge, Sowie die Auslieferungsverträge ab. Sie ordnet
alle vÜkerrechtlichen Massregeln an.
e einzelnen deutschen Regierungen haben nicht das
Recht? Ständige Gegandte zu empfangen oder Solche zu halten.
Auch dürfen dieselben keine besonderen Konsuln halten.
Die Konsuln fremder Staaten erhalten ihr Exequatur von der
Reichsgewalt.
Die Absendung von Bevollmächtigten an das Reichsoberhaupt
iSt den einzelnen Regieru ungen unbenommen.
S 8. Die einzelnen deutschen Regierungen Sind befugt, Verträge
mit anderen deutschen Regierungen abzuschliessen.
Ihre Befugnis zu Verträgen mit nichtdeutschen Regierungen
beschränkt Sich auf Gegenstände des Privatrechts, des nachbarlichen
Verkehrs und der Polizei.
S 9. Alle Verträge nicht rein privatrechtlichen Inhalts, welche
eine deutsche Regierung mit einer anderen deutschen oder nichtdeutschen
abschliesst, Sind der Reichsgewalt zur Kenntnisnahme
und, insofern das Reichsinteresse dabei beteiligt ist, zur Bestätigung
vorzulegen.