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Deuten Anzeichen auf Fäulnis, so ist durch Einschnitte festzustellen, ob die Zersetzung
auf die Oberfläche beschränkt oder in die Tiefe gedrungen ist. Bestehen über das Vor-Fleischstücks
etwa 30 g Muskelfleisch, möglichst ohne Fettgewebe, von einer frisch hergestellten Schnittflüche
zu entnehmen und auf einer ausgekochten, mit ungebrauchtem Schreibpapiere bedeckten Unterlage
durch Schaben mit einem ausgekochten Messer zu zerkleinern. Die zerkleinerte Fleischmasse wird in
cin ausgekochtes oder sonst durch Hitze sterilisiertes, etwa 100 ccm fassendes Erlenmeyersches Kölbchen
gebracht, mit Hilfe eines ausgekochten sterilisierten Glasstabs gleichmässig verteilt und mit 50 ccm
Ssterilisierter 0,5prozentiger Kochsalzlösung übergossen. Gesalzenes Fleisch ist zuvor in einem grösseren
sterilisierten Erlenmeyerschen Kolben zu entsalzen, indem man es mit sterilem destillierten Wasser
übergiesst und letzteres, ohne zn schütteln, während 10 Minuten mehrmals erneuert. Das Gemisch
von Fleisch und 0,5 prozentiger Kochsalzlösung bleibt zur Ausziehung der im Fleische vorhandenen
Eiweisssubstanzen etwa 3 Stunden bei Zimmertemperatur oder über Nacht im Eisschranke stehen und
darf, um eine klare Lösung zu erhalten, nicht geschüttelt werden. Zur Feststellung, ob die für die
Untersuchung nötige Menge Eiweiss in Lösung gegangen ist, sind etwa 2 cem der Ausziehungsflüssigkeit
in ein sterilisiertes Reagensglas zu giessen und tüchtig durchzuschütteln. Entwickelt
sich dabei ein feinblasiger Schaum, der lüngere Zeit stehen bleibt, so ist der Auszaug verwendbar.
Die zu untersuchende Eiweisslösung muss für die Ausführung der biologischen Untersuchung
wie alle ubrigen zur Verwendung kommenden Flussigkeiten vollstündig klar sein. Zu
diesem Zwecke muss der Fleischauszug filtriert werden, und zwar entweder durch gehürtete
Papierfilter, oder, wenn hierbei ein klares Filtrat nicht erzielt wird, durch ausgeglühten
Kieselgur auf Büchnerschen Trichtern oder auch durch Berkefeldsche Kieselgurkerzen. Dus Filtrat
ist für die weitere Prüfung geeignet, wenn es wie der unfiltrierte Auszug beim Schutteln schäumt
und ausserdem eine Probe (etwa 1 cem) beim Kochen nach Zusatz eines Tropfeus Salpetersäure vom
spezifischen Gewicht l/#s eine opalisierende Eiweisstrübung gibt, die sich nach etwa fünf Minnten
laungem Stehen als eben noch erkennbarer flockiger Niederschlag zu Boden senkt. Dann besitzt das
Filtrat die für die biologische Prüfung zweckmässigste Konzentration des Eiweisses in der Ausziehungsflüssigkeit
(etwa 1: 300). Ist das Filtrat zu konzentriert, so muss es so lange mit sterilisierter Kochsalzlösung
verdünnt werden, bis die Salpetersäure-Kochprobe den richtigen Grad der Verdünnung
anzeigt. Ferner soll das Filtrat neutral, schwach sauer oder schwach alkalisch reagieren.
Von der filtrierten, neutralen, schwach sauren oder schwach alkalischen, völlig
klaren Lösung wird mit ausgekochter oder anderweitig durch Hitze sterilisierter Pipette je 1 cem in
2 Reagensröhrchen von je 11cm Länge und 0.8 cm Durchmesser (Röhrchen 1 und 2) gebracht. In ein
Röhrechen 3 wird 1 cem eines ebenfalls klaren, neutral, schwach sauer oder schwach alkalisch
reagierenden, aus Pferdefleisch in gleicher Weise hergestellten Filtrats eingefüllt. Weitere
Röhrchen 4 und 5 werden mit je 1 cem einer ebenso hergestellten Schweinc- und Rindfleischlösung
beschickt, Iin ein Röhrchen 6 wird 1 cem sterilisierter 0,5 prozentiger Kochsalzlösung
gegossen. Die Röhrchen werden in ein kleines, passendes Reagensglasgestel! eingehüngt. Sie
mussen vor dem Gebrauch ausgekocht oder anderweitig durch Hitze sterilisiert und vollkommen
sauber sein. Zum Einfüllen der verschiedenen Lösungen in die einzelnen Röhrcehen sind je besondere
sterilisierte Pipetten zu benutzen. Zu den, wie ungegeben, beschickten Röhrchen wird, mit Ausnahme
von Röhrcehen 2, je Oicccm vollständig klares, von Kaninchen gewonnenes Pferdeeiweiss ausfällendes
Serum von bestimmtem Titer so zugesetzt, dass es an der Wand des Röhrchens herabfliesst.
und sich auf seinem Boden ansammelt. Zu Röhrchen 2 wird Ot#cccm normales, ebenfalls völlig
Kklares Kaninchen-Serum in gleicher Weise gegeben.
Die Röhrchen sind bei Zimmertemperatur aufzubewahren und dürfen nach dem Serum-Zusatze
nicht geschuttelt werden.
Beurteilung der Ergebnisse. Tritt in Röhrchen 1 ebenso wie in Röhrchen 3 nach etwa
fünf Minuten eine hauchartige, in der Regel am Boden des Röhrchens beginnende Trübung auf, die
sich innerhalb weiterer fünf Minuten in eine wolkige umwandelt und nach spätestens 30 Minuten als
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