Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1908. (35)

Nr.  17.  167

Deuten  Anzeichen  auf  Fäulnis,  so  ist  durch  Einschnitte  festzustellen,  ob  die  Zersetzung
auf  die  Oberfläche  beschränkt  oder  in  die  Tiefe  gedrungen  ist.  Bestehen  über  das  Vor-Fleischstücks

  etwa  30  g  Muskelfleisch,  möglichst  ohne  Fettgewebe,  von  einer  frisch  hergestellten  Schnittflüche
  zu  entnehmen  und  auf  einer  ausgekochten,  mit  ungebrauchtem  Schreibpapiere  bedeckten  Unterlage
durch  Schaben  mit  einem  ausgekochten  Messer  zu  zerkleinern.  Die  zerkleinerte  Fleischmasse  wird  in
cin  ausgekochtes  oder  sonst  durch  Hitze  sterilisiertes,  etwa  100  ccm  fassendes  Erlenmeyersches  Kölbchen
gebracht,  mit  Hilfe  eines  ausgekochten  sterilisierten  Glasstabs  gleichmässig  verteilt  und  mit  50  ccm
Ssterilisierter  0,5prozentiger  Kochsalzlösung  übergossen.  Gesalzenes  Fleisch  ist  zuvor  in  einem  grösseren
sterilisierten  Erlenmeyerschen  Kolben  zu  entsalzen,  indem  man  es  mit  sterilem  destillierten  Wasser
übergiesst  und  letzteres,  ohne  zn  schütteln,  während  10  Minuten  mehrmals  erneuert.  Das  Gemisch
von  Fleisch  und  0,5  prozentiger  Kochsalzlösung  bleibt  zur  Ausziehung  der  im  Fleische  vorhandenen
Eiweisssubstanzen  etwa  3  Stunden  bei  Zimmertemperatur  oder  über  Nacht  im  Eisschranke  stehen  und
darf,  um  eine  klare  Lösung  zu  erhalten,  nicht  geschüttelt  werden.  Zur  Feststellung,  ob  die  für  die
Untersuchung  nötige  Menge  Eiweiss  in  Lösung  gegangen  ist,  sind  etwa  2  cem  der  Ausziehungsflüssigkeit
  in  ein  sterilisiertes  Reagensglas  zu  giessen  und  tüchtig  durchzuschütteln.  Entwickelt
sich  dabei  ein  feinblasiger  Schaum,  der  lüngere  Zeit  stehen  bleibt,  so  ist  der  Auszaug  verwendbar.
Die  zu  untersuchende  Eiweisslösung  muss  für  die  Ausführung  der  biologischen  Untersuchung
wie  alle  ubrigen  zur  Verwendung  kommenden  Flussigkeiten  vollstündig  klar  sein.  Zu
diesem  Zwecke  muss  der  Fleischauszug  filtriert  werden,  und  zwar  entweder  durch  gehürtete
Papierfilter,  oder,  wenn  hierbei  ein  klares  Filtrat  nicht  erzielt  wird,  durch  ausgeglühten
Kieselgur  auf  Büchnerschen  Trichtern  oder  auch  durch  Berkefeldsche  Kieselgurkerzen.  Dus  Filtrat
ist  für  die  weitere  Prüfung  geeignet,  wenn  es  wie  der  unfiltrierte  Auszug  beim  Schutteln  schäumt
und  ausserdem  eine  Probe  (etwa  1  cem)  beim  Kochen  nach  Zusatz  eines  Tropfeus  Salpetersäure  vom
spezifischen  Gewicht  l/#s  eine  opalisierende  Eiweisstrübung  gibt,  die  sich  nach  etwa  fünf  Minnten
laungem  Stehen  als  eben  noch  erkennbarer  flockiger  Niederschlag  zu  Boden  senkt.  Dann  besitzt  das
Filtrat  die  für  die  biologische  Prüfung  zweckmässigste  Konzentration  des  Eiweisses  in  der  Ausziehungsflüssigkeit
  (etwa  1:  300).  Ist  das  Filtrat  zu  konzentriert,  so  muss  es  so  lange  mit  sterilisierter  Kochsalzlösung
  verdünnt  werden,  bis  die  Salpetersäure-Kochprobe  den  richtigen  Grad  der  Verdünnung
anzeigt.  Ferner  soll  das  Filtrat  neutral,  schwach  sauer  oder  schwach  alkalisch  reagieren.

Von  der  filtrierten,  neutralen,  schwach  sauren  oder  schwach  alkalischen,  völlig
klaren  Lösung  wird  mit  ausgekochter  oder  anderweitig  durch  Hitze  sterilisierter  Pipette  je  1  cem  in
2  Reagensröhrchen  von  je  11cm  Länge  und  0.8  cm  Durchmesser  (Röhrchen  1  und  2)  gebracht.  In  ein
Röhrechen  3  wird  1  cem  eines  ebenfalls  klaren,  neutral,  schwach  sauer  oder  schwach  alkalisch
  reagierenden,  aus  Pferdefleisch  in  gleicher  Weise  hergestellten  Filtrats  eingefüllt.  Weitere
Röhrchen  4  und  5  werden  mit  je  1  cem  einer  ebenso  hergestellten  Schweinc-  und  Rindfleischlösung
  beschickt,  Iin  ein  Röhrchen  6  wird  1  cem  sterilisierter  0,5  prozentiger  Kochsalzlösung
gegossen.  Die  Röhrchen  werden  in  ein  kleines,  passendes  Reagensglasgestel!  eingehüngt.  Sie
mussen  vor  dem  Gebrauch  ausgekocht  oder  anderweitig  durch  Hitze  sterilisiert  und  vollkommen
sauber  sein.  Zum  Einfüllen  der  verschiedenen  Lösungen  in  die  einzelnen  Röhrcehen  sind  je  besondere
sterilisierte  Pipetten  zu  benutzen.  Zu  den,  wie  ungegeben,  beschickten  Röhrchen  wird,  mit  Ausnahme
von  Röhrcehen  2,  je  Oicccm  vollständig  klares,  von  Kaninchen  gewonnenes  Pferdeeiweiss  ausfällendes
  Serum  von  bestimmtem  Titer  so  zugesetzt,  dass  es  an  der  Wand  des  Röhrchens  herabfliesst.
und  sich  auf  seinem  Boden  ansammelt.  Zu  Röhrchen  2  wird  Ot#cccm  normales,  ebenfalls  völlig
Kklares  Kaninchen-Serum  in  gleicher  Weise  gegeben.

Die  Röhrchen  sind  bei  Zimmertemperatur  aufzubewahren  und  dürfen  nach  dem  Serum-Zusatze
nicht  geschuttelt  werden.

Beurteilung  der  Ergebnisse.  Tritt  in  Röhrchen  1  ebenso  wie  in  Röhrchen  3  nach  etwa
fünf  Minuten  eine  hauchartige,  in  der  Regel  am  Boden  des  Röhrchens  beginnende  Trübung  auf,  die
sich  innerhalb  weiterer  fünf  Minuten  in  eine  wolkige  umwandelt  und  nach  spätestens  30  Minuten  als

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