60. Jahrgang
Nr. 76
Der „Rosenheimer
1½sD Iins Haus gelilesert, 14 Pfg. m
Telephon-Anschlüsse: EWn 8 Verlag: Nr. 72; Inseraten · Abtellung: 236.
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Die Heutige ADLummer umfasst 6 Seiten.
Auf den täglich erscheinenden „Mosenbeimer
Anzeiger" mit seinem achtseitigen
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Neues vom e
30. Mär
Am Sonntag ist in Münche die banerische Mastviehausstellung
eröffnet worden. Sie ist sehr
Kut beschickt. Heute fand der Schlachtwettbe.
werb statt.
Der Chefredalteur der „München. Augsburger
Abendzeitung“, Karl Stoh., tritt nach jahrelanger
Tätigkeit zum 1. April von seinem
Posten zurück.
Kaiser Wilhelm ist am Sonntag in Korfu eingetrofsen.
Er wurde von der griechischen Königsfamilie
begrüßt.
Die Brauereiarbeiter Berlins haben das Angebot
der Arbeitgeber abgelehnt; fi: haben
heschlossen, in den Streik zu treten.
Auch in einer zweiten Tabaksabri! in Petersburg
sind Massenveraistungen eingetreten. Zahlreiche
Arbeiterinnen liegen krank darnieoer.
Der Elat der Berg-, Hütten- und
Galinenwerke.
[(Kammer der Abgeordneten.)
München. 20. März.
Bei der Fortseltzung der Veratung des Etats
der Berg-, Hütten- und Salinenwerle brachte
in der gestrigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten
zunächst der Zentrumoabgerordnele
Leld den Standpunkt seiner Partei gegenüber
den zahlreichen wirtschaftlichen und technischen
Fragen, welche mit diesem Etat im Zusammen-„RKönigin
der Nacht“.
Gecroman von 6. Olll.
.Na, Kapitän,“ begann er, „das ist ja eine
hanz verdammte Geschichte. Aber Emerson C.
Waldo ist nicht der Mann, der einen Freund in
der Not verlaßt. Wir beide waren gule Belannte,
bevor wir uns in Genna treunten, und
ich sehe es als eine Ehre an, daß Sic mich auf
Ihre Besuchsliste geschrieben haben. Ter Doktor
dat mir gesagt, Sic waren ein bischen gemitts.
Uank. Na, was kann ich denn tun, um Sie ein
lischen aufzuheitern? Ich glaube, ein Scherz aus
dem „MWMilden Westen" ist ein kräftiges Beruhi.
gungsmirtel für ein kraules Hnn. Soll ich Ihnen
elwas von den Navaso--Pferdedieben erzählen?“
So tat er also jegt, wo wir allein waren,
als mse er nicht das Geringste von dem, was
in Genua und aus jener erriguisreichen Reise
passiert war, und wollie mich in seiner aue
nommenen Rolle als Wahnsinnigen behande
dem man schmeicheln und frenndlich zusorechen
mußte. Ich konnte mir nur denlen. daß er von
Zavertal und Vizard bestochen sein mußte. Diese
he: ten ihn jedensalls auf ihre Seite geiogen, so
daß er jent alles ableugnete, was ich von den in
seiner Gesellschaft erlebten Abenteuern erzahlen
mochte, die er jedenfalls als Ausgeburten eincs
kranken Hirnes darstellte. Da ich zu beklommen
und niederged drückt war, um nach einer weiteren
Ursache seines Verhalteus zu suchen, so glaubte ich
schon das Richtige getrossen zu haben. Aber troßzdem
brachte niß dieses sein Verhalten doch hestig
gegen ib n auf.
nn Sie so weiter sprechen wollen,“ rief
ich, w2danm verlassen Sie mich um Gotteswlllen,
Rosenheiner Anzeiger
Dienstag, 31. März 1914
Das Abonmement wird
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„Rosenhetmer Anzeiger“ #n. — Die einspaltige 50 Kun
breite Petitzelle oder deren Raum koftet 10 Plemnsg, die * imm brelte Zelle im
30 Pfennig; bei Wiederholungen oder Zeilenabschlüssen Mb#tt nach
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J —
—
Rosenheimer Tagblatt
Amtbliches Bublikallons-Organ
hang siehen, zum Ausdruck. Kurz baben wir
darüber schon berichtet. Einiges haben wir noch
zu ergänzen.
Wenn auch die Mehreinnahme von 800 000
Mark an sich kein Erträgnie von wesentlicher
Bedeutung darstellt, so scheink dem Redner doch
die Sanierung dieser staatlichen Betriebe in
erfreulichem Fortschritte begrissen zu sein. Die
Erträgnisse könnten nach seiner Ueberzeugung
vielleicht noch gesteigert werden durch eine Einsparung
an höheren Beamtenstellen. Aber auch
der Anstellungomodus der Beamten müßte insoferne
eine Aenderung erfahren. als man, in
den oberen Stellen wenigstens, das Verhältnis
des Dienstvertrages einführen sollte. Helo sagte:
„Ein wesentlicher Punkt isr der Anstellungsmodus
für Beamte. Ich bin der Anschauung, daß
bei solchen Wirtschaftsbetrieben unsere eigentlichen
Verwaltungsbeamten nicht am Platze sind.
Wir sollten in den einzelnen Werken alsaeschäftrleitende
Beamte lediglich Beamte auf Privatvertrag
haben; wenn sie außerdem noch am Gewinn
beteiligt werden können, dann werden die
Verhältnisse ganz anders werden.“ (Sehr richtig!
rechts.) Für die Verpachtung oder gar für
den Verkauf einzelner weniger rentab'er Werke
kann sich der Zentrumsvertreter nicht erwärmen;
zum mindesten müßte der jeyige Zeitpunkt als
verfrüht erscheinen. Den liberaten Antrag auf
Einsetzung eines besonderen Auaschusses lehnte
Held namens des Zentrums ab.
Was Traunstein, Reichenhall und Nosenheim
betrift, so führte Held aus: Heute macht Traunstein
alte Anstrengungen, um seinen vollen Salinenbetrieb
wieder zu belommen, und es ist dazu
durch die Mißverhältnisse geradezu angezeigt,
die sich in Reichenhall und Berchtergaren ergeben
haben. Was Reichenhall angeht, so hat
nicht die Stadt selbst Schwierigkeiten gemacht,
sondern die Verkehreverwaltung selber hat in
Verbindung mit der Salinenverwaltung im Juli
die Ertlärung abgegeben, daß ein ober-Wissher
Bahnanschluß durchaus nicht möglich
sei. (Hôrt! bei der Fr. Ag.) Die Frage des
Bahnanschlusses in Reichenhall, die Irag der
cnentuellen Verlegung der dortigen Saline oder
zum mindesten der Salzgewinnungsflätte, dann
aber auch die Frage der Wiederherstel: ung der
Saline in Traunstein bictet eine solche Fülle
von inneren Widersprüchen zwischen Stoatsregierung
und den einzelnen in Betracht kom-–
mmmmarmmmmimmm
bevor ich Jynen elwas iu Leide lur. Ich hur#t eih Oyallenor ##t, Dr. Javerkal wurde im
Si fur einen treuen Mann, als ich um Ihren
Besuch bat, aber ich will hier keinen Verräler um
mich #fehen.
In wirklichem oder erheucheltem Schrecken
stürzte er aus der Kabine und verließ mich in
einem Zwiespalt von Wut und Veriweillung. Al#
ich mich elwas beruial halte, wandten sich meme
Gedanken Aliue zu, und ich grubette uber einen
Plan nach. wie ich mich ihr auf irgend eine
Weisc, vielleicht durch Beslechung der Schild.
wachen, nähern konnie. Tie Passagiere — das
merkie ich an dem Geräusch, welches ser au Bord
bemerkbar machte — waren um diese Stunde
vereits auf, und der Gedanke machte unh koll,
daß sie vielleicht wenige Schritte von mir anjund
abging und doch nicht wußte, daß ich inr
so nahe war. Allerdings war anzunehmen, daß
man Maßregeln getroffen, um das Gros der
Passagiere über meinc Anwesenheit an Bord in
— zu erhalten.
9 erbrach mir noch den Kopf, wie ich
meinen Pan am besten zur Ausführung bringen
lonnte, als das Geräusch ceines Zwiegesprächs,
an der meiner Kabine benachbarten Apothekentür
stallsand meine Ausfmerlsamleit erregle.
Zunächst sagte eine Stimmc, in der ich die
der aten Stewardeß erkannte:
t der Tolior da?
#es gibl'?? ragte Zav
SIch wollte Ihnen nur wertal daß einc der
Damen krank geworden ist, Sir,“ sagte die
Stewardeß. „Es ist Miß Challenor, die die
Kabine No. 17 bewohnt. Sie ist ohnmächtig und
liegt vollstandig bewußtlos.“
.So“ lautele die diensteifrige Antwort, bei
der mir das Herz in der Brust erstarrte, sagen
Eie Mrs. Vemirkonuth, die doch wabrichcinisy bei
menden Interessenten, daß es nahezu ganz unmöglich
für den Abgeordneten ist. sich ein Bild
von den wirklichen Verhältnissen zu machen.
Das Interesse der Stadt Traunstein, wie auch
das allgemeine Interesse lassen die Rückrerlegung
als geboten erscheinen. Ich erkläre für meine
Person, daß ich für die Petition der Stadt
Traunstein und für den Antrag Eisenberger eintreten
werde. In Nosenheim und in der ganzen
Umgebung herrscht eine große Mthstimmung
darüber, daß man das Raublinger Moor verpachtet
hat. Dort gibt es den besten Specktorf
in Lanz Oberbayern. Auch die Lage für
die urnrochung der Filze ist sehr qünstig.
Der Finanzminister wandte sich scharf gegen
die liberale Kritik. Der Anregung, Beamte auf
Diensivertrag bei den Werken anzuslellen, werde
er nachlommen, odwohl es ihm noch sraglich
erscheine, ob der Staat davon einen Nutzen habe.
Der Anttag der Liberalen betreffend Einsetzung
einer Kommission ist geiehwidrig und es besteht
zu derselben auch kein Anlaß.
Der Minister wendet sich dann den Verhältnissen
bei den Sakinen Traunstein und Reichenhall
zu und konstatiert, daß der Beschluß, den
Salinenbetrieb von Traunstein nach Reichenhall
zu rerlegen, seinerzeit nach Ueberwinoung
grob er Schwi rigkeiten in beiden Kammern zustande
g.kommen sei. Man hat sich von der
damaligen Ausführungen der Staatsregierung
überzeugt erklärt, daß dasb Ziel die Neuorganifalion,
Zentralisation und Modemisierung der
Einrichtungen sein solle. Das Ziel der Zentra.
lisation ist völlig durchgeführt worden. Dabei
ist es auch gelungen, nach langjährigen Verhandlungen
das Zwerggebilde der selbständigen
Gemeinde Au aufugeben und sie mit Trannstein
zu vereinigen. Bald nach der Verlegung
der Saline nach Reichenhall erhielt ich eine
Petition von Bürgern, die die Wiedereröffnung
der Saline Traunstein wünschte und auch
die Stadtverwaltung schloß sich dieser Erkläkung
an, nachdem man wenige Tage vorber
mit mir den Akt der Auflassung abgeschlossen
hatte. Bald darauf erschien auch eine Deputation
bei mir in der gleichen Angelegenheit.
Ich leate dieser dar, daß trotz der Aufhebung
der Saline Traunsiein nicht aufhöre, ein besuchter
Ort u sein. Ich habe der Deputation
auch gleich erklärt. daß sie einen Schildbũrgersrreich
gemacht hätte und ich muß die Sache
ge herunterlommen und ihr etwas verschreiben.
20. Kapitel.
Die Erzählung der Mrs. Brinkworth.
„Auf Ersuchen meines Freundes, Kapitän
Cyrill Forrester, der bis vor kurzem in der
Handelsmarine diente, ergreise ich die Feder, um
eine Läcke in dem Bericht auszufüllen, den er
von den schreckichen Ereignissen auf der „Königin
tNacht- für Kresse vorbereitet. Emzelne
or Laach die ne der Lösung der Angelegendeit
eng zusammenhingen, ereigneten während
seiner Abwesenheit vom Schiff und auch, während
er nach seiner Rettung von dem Wrack eingesperrt
war, und gerade von diesen Tatsachen,
die er notgedrungen nicht als Au gaangune
mugemacht, hat er mich gebeten, zu spre
Als das Schiff Genna verließ, wußte keirer
der Passagiere, E Kapitän Forrester zurück.
geblieben war, und Mr. Mc Juntyre aul (ele.
hraphische Anweisung von Seiten der Londoner
Reeder das Kommando für ihn übernommen
hatte. Noch weniger wußten sic, warum da
eigentlich geschehen war. Erst, als wir wieder :
See stachen, und nicht mehr zu befürchten -.
es könne jemand an Land dem Kapitän zu Oilfe
eilen, gab Dr. * die Tatsachen bekannt;
dabei hatte er so große Eilc, sortzukommen, daß
Mr. Mec Intore auf sein Ersuchen nicht einmal
eine VMiertelstunde auf den Passagier warten
wollte, der damals unter dem Namen des Genera#
Waldo bekannt war. Derselbe war am vorigen
Tage an aud gegangen und nicht wieder
zurückgekehrt.
Zavertal ftellte die Sache so geschickt dar, daß
die Geschichte, die er erläblte, als plaulibel oe-Erunkfurt
a.
—7“———m——-'““"“"“"
gpb#u###, Dannoe, Irrsbruck, Karluriche, Abla it.
——
auch hier als einen Schnobbrcrrstreic, bereichnen.
konn mich nicht bereit erklären, im
dieser Hinsicht ein Entge mmen in Aussich
stellen zu können. wünsche Thhunktein
das Allerbeste, aber zu einem derartigen Streich
dürfen wir die Hand nicht bieten. Die 5f
wegung für die Sache scheint mir kunstlich ge
macht. Wenn wir den Bahnanlchluß nicht erreichen
in Reichenhall, dann werden wir ##
der Aufstellung einer zweiten Pfanne in Relchenhall
Abstand nehmen müssen. Jazwischen
haben sich auch Verhältnisse ergeben, die e3
mwünschenswert erscheinen lassen, eime weitere
Saline in Unterfranlen, bei Kitzingen zu
ertichten.
Der weitere Verkauf der Scsmeitgsihung ist
aus unserem Bericht schon
Follilche Mundschan.
akern #
Geschäftsvereinfachung bei der Jutig
Eine Bekanntmachung des K. Staateministeriums
der Jusriz d die
fachung besagt: Wenn die Justlbeh##e#en die
gesteigerten Aufgaben ohne eie wesentliche
Vermehrung des Personalstande- bewältigensollen,
ist es erforderlich, daß alles geschieht, was
zur Vereinfachung des Geschäftsganges, elin
derung des Schreibwerks und zur Entlastun ad
Richter von untergeordneter Tätigkeit ges
kann. Die Justizwerwaltung hat in den fetten
Jahren zahlreiche Anordnungen getroffen, die
esse hinwirken sollen. Allein noch nicht überll
hat sich die Ueberzeugung durchgerungen,
dat jede unnötige Arbcit eine Vergeudung von
Zeit und Kraft ist. Die Amtsvorstände und
Aussichtebehörden müssen es deshalb als eine
ihrer vornehmsien Aufgaben betrachten, die ißnen
unterstellten Beamten, soweit nötia. hierüber
aufzutlären, feder nutzlosen Vielschreiber#ei
entgegenzuwirken und dafür zu sorgen, daß alle
bleper zur Vereinfachung der Geschäfte erlassenen
Vorschriften beobachtet werden und daß don
allen damit emgeführten Erleichterungen ein
Möglichst eitgehsnder Gebrauch gemacht wird
München und das Arbeitersänger.
fest.
Die Vertretungskörper der Stadt München
haben unlängst für das in Auaesicht stehende
— und teilte einer Gruppe von
die er sich zu dicsem Zwecke ausgesucht,
mit, er härte schon Ju Beginn der Reise
entdeckt, daß der „ame Forrester- an Sinnentänschungen
litt, voch häute er gehoffl, sie würden
sich nich: so stark bemerkbar machen, daß man ihm
die Leitung des Schiffes nicht länger anvertrauen
könnte. Die Krankheit hätte sich indessen so
ichnell entwickelt, daß nur noch ein Ausweg ubrig
blieb, als der Kapitän einen Gentleman unter
dem törichten Vorwande, er wärc mu einem
blinden Passagier, den er in Barcclona gelandet.
— ebenfalls insolge ciner selisamen und plöônlichen
Laune — itdentisch, vom Schiffe gewiesen
hatte. Als Arzt des Schuses sah Zavertal es
als eine grbetrunsche Notwendigkeit an, den Fall
dem brinschen Konsul vorzutragen, und das
Resultat dreser Beralung war, daß der Kapitän
in sichere Obbut genommen wurde, bis man ihn
nach Enslan zurückbesördern konnte.
Di richt von Kapitän Forresters Absetzung
verbreilet sich bald auf dem Schiff, doch
glücklicher Weise war ich in der Lage, allen Gerüchten
zuvorzukommen und die Sache meiner
lichen, jungen Schutzbesohlenen, Miß Challenor,
selbst mitzutcilen. Alinc, wie ich sie schon lange
nenncu durste, hatte mir von ihrer Verlobung
erzählt, und beide, Aline und der Kapitän.
verdienten, wenn nicht aus anderem Grunde, so
schon durch ihre unausbeglsan Freundlichkeit
während der schrecklichen Szene in Hibralter
meine Sympathie und meine Dankba#
lien lounteé,
Passagieren,
(Wellchm #chen)