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weder Bruder noch Schwester, keinen, der ihm nahesteht und ihn
erwartet.“
Und ohne ein Wörtchen zu sagen, schauten sich die Kinder an,
gingen hin zu dem Einsamen und legten den roten Apfel in seine
Hände. — Der „Allerärmste“ war gefunden.
128. Luisens Ausgang. Von Christian Löhr.
Wier Wochen hatte die arme Luise krank gelegen, und erst
seit zwei Tagen durfte sie außer dem Bette sein.
Heute sollte das Kind nach den langen vier Wochen zum
erstenmal wieder in den Garten; der Tag war heiter und die
Luft warm und mild.
Von ihren Eltern geführt, ging sie matt und langsam
dem Garten zu; aber sie war auch traurig und still.
„Warum so still, Kind?"“ fragte die Mutter. „Du hast
dich ja lange nach dem Garten gesehnt und freust dich doch
jetzt nicht?“
„Mutter, ich kann nicht!“ antwortete Luise. „Ach, meine
schönen Levkoien und Nelken werden wohl alle verdorrt sein!
Es hat sie ja niemand gepflegt!“
Das Kind kommt in den Garten, kommt an sein Beet,
erstaunt und freut sich. Das Beet war rein von allem Unkraut;
die Nelken und Levkoien standen in voller Blüte, und
die Nelken waren an kleinen Stäben sorgfältig aufgebunden;
kein Pflänzchen war vertrocknet, keins war eingegangen; man
sah es noch, daß sie frisch behackt und begossen waren.
„O ihr schönen Blumen!“ rief Luise; „wer hat euch gepflegt?“
— Sie sieht den Vater an und die Mutter. — Vater
und Mutter lächeln.
„Vater, dur" fragt das Kind. Der Vater sagt: „Nein.“"
„Aber du, Mutter?"“ — „Auch nicht.“
Aber nicht weit von ihr steht Wilhelm, ihr Bruder; seine
Augen glänzen vor Freude, und sein Entzücken kann er nicht
verbergen. Luise sah ihn an. „Oh, nun weiß ich's!“ sagte sie
und umarmte den Bruder.
129. Beinahe ertrunken. Von Anton Dietrich.
Nicht weit von Elberfeld fließt ein tiefer Bach in die Wupper. An
diesem Bache wohnte einst ein Arbeiter. Nahe bei seinem
Häuschen führte ein Steg über den Bach. Der Arbeiter hatte drei