Inhaltsverzeichnis : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

108  Buch  II.  Kap.  1.

wahr,  daß  der  Vorschritt  der  Menschheit  stets  durch
Ströme  von  Blut  und  Thränen  gegangen  ist.  Mirabeau's
  bekanntes  Wort,  Revolutionen  würden  nicht  mit
Lavendelwasser  gemacht,  findet  auch  auf  die  karlingische
seine  Anwendung,  welche  übrigens  weit  mehr  eine  aufbauende
  als  eine  zerstörende  gewesen  ist.  Karl  war  der
Vollender  der  allerdings  schon  durch  die  Alarich,  Theodorich,
  Albuin  und  Chlodwig  begonnenen  Umbildung  der
altgermanischen  Adelsrepubliken  zum  christlich-germanischen
  Königthum,  zur  Erbmonarchie.  Schon  hiezu  war
die  Durchsetzung  des  neuen  Glaubens  in  germanischen
Landen  unumgänglich  nothwendig,  weil  nur  Christen  die
jüdisch  -christliche  Königsidee  begreifen  und  respektiren
konnten.  Karls  Streben  ging  aber  weiter.  Er  wollte
nicht  nur  ein  germanischer  König,  er  wollte  ein  Weltmonarch
  sein.  Die  im  Papste  verkörperte  Einheit  der
abendländischen  Christenheit  sollte  auch  staatlich  verwirklicht
  werden.  Dies  ist  der  Sinn  jener  Szene,  als  Karl
zur  Weihnacht  des  Jahres  800  in  Rom  von  dem  ihm  zu
Danke  verpflichteten.  Papste  die  römische  Kaiserkrone  sich
reichen  ließ.  Was  auch  immer  für  Unheil  dieses  Wiederaufleben
  des  römischen  Kaiserthums  und  dessen  Uebertragung
  an  die  Deutschen  über  unser  Vaterland  gebracht
hat,  es  war  für  einen  Monarchen,  welcher  Europa  beherrschte
  und  dessen  Namen  Asien  mit  Ehrfurcht  nannte,
gewiß  ein  naheliegender,  persönlich  lockender  und  politisch
fruchtbarer  Gedanke,  in  den  Purpur  römischer  Cäsarenmajestät
  sich  zu  hüllen.

Das  mit  dem  Geiste  des  neuen  Glaubens  getränkte,