Full text: Handbuch des Staats- und Verwaltungs-Rechts für das Königreich Bayern. Band II. Das rechtsrheinischen Gemeinden und die Gemeindeverbände (Gemeindeordnung, Distrikts- und Landratsgesetz). (2)

134 Zweiter Zeitraum. 
Dem Feinde stand der Weg nach Berlin offen; aber so schlimm, wie 
Friedrich gefürchtet hatte, waren die Folgen der Schlacht nicht. Schnell 
sammelte er die Trümmer seines Heeres. „Ich will mich töten lassen," 
schrieb er, „um meine Hauptstadt zu retten. Wenn ich mehr als ein Leben 
hätte, ich würde es für mein Vaterland opfern.“ Doch die Feinde rückten 
nicht vor. Soltikow schrieb an seine Kaiserin: „Noch ein solcher Sieg, und 
ich werde allein mit dem Stabe in der Hand die Botschaft nach Petersburg 
bringen müssen.“ Deshalb lehnte er auch den Angriff auf Berlin, den Daun 
und London wünschten, ab und zog nach Niederschlesien; die Osterreicher 
folgten. Friedrich hatte Zeit gewonnen, sein Heer wieder zu sammeln und 
zu verstärken. Obwohl an der Gicht leidend, so daß er sich in einer Sänfte 
tragen lassen mußte, folgte er dem Feinde, hielt ihn durch meisterhafte Züge 
in Schach, bis Soltikow nach Polen, Loudon nach Mähren zog. So war 
die drohende Gefahr beschworen, und Friedrich konnte nun nach Sachsen eilen, 
wo seine Sache ebenfalls schlecht stand. 
Unter dem Eindruck der Niederlage bei Kunersdorf hatte Friedrich dem 
Befehlshaber von Dresden, Grafen Schmettau, gestattet, die von Osterreichern 
und Reichstruppen hart bedrängte Stadt nach Wegführung der Vorräte und 
der Kriegskasse gegen ehrenvollen Abzug der Besatzung zu räumen. Graf 
Schmettau hatte dies gethan; aber der König, dessen Lage sich inzwischen 
günstiger gestaltet hatte, war darüber sehr ungehalten und beschloß, diese 
wichtige Stadt zurückzuerobern. Daun zog zur Deckung derselben herbei. Um 
ihn zum Rückzuge aus Sachsen zu zwingen, schickte Friedrich ihm General 
Fink mit 13.500 Mann in den Rücken. Vergebens machte Fink Vorstellungen 
gegen ein so gefährliches Unternehmen: er wurde bei Maxen umzingelt und 
mußte die Waffen strecken. Friedrich war von diesem unerwarteten und in 
der preußischen Armee bis dahin unerhörten Vorfall aufs heftigste erschüttert; 
die Feinde jubelten über den „Finkenfang". Dresden mit seiner Umgebung 
konnte der König jetzt nicht wieder erobern; vergebens bezog er Dauns Heere 
gegenüber bei strenger Winterkälte ein Lager: er hat Dresden nie wieder 
zurückgewonnen. So endete das Jahr 1759, für Friedrich das an Miß- 
erfolgen reichste des ganzen Krieges; dennoch hatte er noch Schlesien und die 
größere Hälfte Sachsens in Händen. 
Das Kriegsjahr 1760. 
Voll Besorgnis sah Friedrich dem neuen Feldzuge entgegen. Seine 
Feinde stellten gegen 300000 Mann auf; er konnte mit äußerster Kraft— 
anstrengung nur 90000 zusammenbringen, und diese waren zum größten 
Teil aus aller Herren Ländern durch List oder Gewalt zum Soldaten gepreßt 
worden, blutjunge Kadetten mußten zu Offizieren ernannt werden. Der König 
mußte sich daher auf die Verteidigung beschränken. Er selber wollte Sachsen 
gegen Daun decken; Fouquc sollte Schlesien schützen, und Prinz Heinrich in 
der Lausitz sich bereit halten, gegen die Russen zu marschieren oder Sachsen 
Hilfe zu bringen. Loudon eröffnete den Feldzug durch einen Einfall in 
Schlesien. Auf Friedrichs Befehl rückte Fonqué dem dreifach überlegenen 
Feinde entgegen, wurde aber bei Landshut nach sechsstündigem, ver-