Full text: Deutsches Kolonialblatt. XIII. Jahrgang, 1902. (13)

ville verlängert werden soll, sind so weit vorge- 
schritten, daß demnächst die Eröffnung der Strecke 
erwartet werden kann. 
(Rerue Générale Coloniale.) 
Baumwollanbau im britischen Westafrika. 
Welche Wichtigkeit man in Manchester der Frage 
des Baumwollanbaus in Westafrika beimißt, beweist 
die Thatsache, daß zu Anfang des Monats November 
die Gouverneure von der Goldküste und von Sierra 
Leone auf Einladung der Handelskammer in Man- 
chester mit den Interessenten über die Frage des 
Baumwollanbaus in Westafrika verhandelt haben. 
Beide Gouverneure wollen den Baumwollanbau 
in ihren Verwaltungsbezirken nach Kräften fördern. 
Allerdings steht der Gouverneur der Goldküste dem 
Erfolge etwas skeptisch gegenüber, weil die Baum- 
wolle in ihrem Anbau eine große Pflege erfordert 
und die Eingeborenen der intensiven Arbeit im All- 
gemeinen abhold sind. Er will deshalb größere 
Summen dafür nicht opfern. Viel mehr verspricht 
er sich von dem Anbau von Kakao, dessen Ausfuhr 
im laufenden Jahre einen Werth von 80 000 K er- 
reicht, und von dem Betriebe der Goldgruben im 
westlichen Theil der Kolonie, die nach seinen Erwar- 
tungen im künftigen Jahre produktiv werden dürften. 
Günstigere Aussichten für die Einführung des 
Baumwollanbaus lassen die Ausführungen des Gou- 
verneurs von Sierra Leone erkennen. Er zweifelt 
nicht an dem Erfolg, wenn die vier Bedingungen 
für den Anbau, nämlich passender Same, Kapital, 
Beschaffung von Land und von Arbeitskräften, erfüllt 
werden. Für die Erfüllung der ersten beiden Be- 
dingungen, für die Beschaffung von Samen und 
Kapital, leistet ihm die Bereitwilligkeit der British 
Cotton-Growing Association Gewähr, und für die 
Regelung des Landerwerbs und der Arbeiterbeschaffung 
verspricht er die thätige Beihülfe der Regierung, 
welche durch Vermittelung der Häuptlinge den Wünschen 
von Interessenten soweit als möglich gerecht zu werden 
sich bemühen wird. Als weitere Erleichterungen stellt 
er noch für die erste Zeit den freien Transport von 
Baumwolle auf den Kolonialbahnen in Aussicht, die 
finanzielle Beihülse für die Heranziehung eines Sach- 
verständigen und die zeitweilige Zollfreiheit für Baum- 
wollreinigungsmaschinen und Oelpressen. 
Die British Cotton-Growing Association hat be- 
reits die Absicht erkennen lassen, weiße Sachverständige 
aus Amerika behufs Prüfung der Anbauverhältnisse 
für Baumwolle nach verschiedenen englischen Kolonial- 
gebieten zu entsenden. 
(Nach einem Bericht des kolonialen Beiraths bei der 
Kais. Botschaft in London.) 
Baumwollanbau in Mesopotamien. 
Die Baumwollstaude wird in Mesopotamien 
ausschließlich in den Ebenen angebaut, auch in dem 
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theilweise gebirgigen Nordmesopotamien. Die Be- 
wässerung erfolgt im Norden des Landes in manchen 
Gegenden zwar in genügendem Umfange durch den 
Regenfall, sie ist in Südmesopotamien aber aus- 
schließlich eine künstliche und wird durch „Kerd“ (von 
Ochsen getriebenes Hebewerk mit Ledersäcken), „Naür- 
(das ägyptische Schöpfrad) oder durch die von den 
großen Flüssen Mesopotamiens, dem Euphrat und 
Tigris und deren bedeutenderen Nebenflüssen zu 
Agrikulturzwecken abgeleiteten Kandle bewirkt. Im 
Falle der künstlichen Bewässerung kommen die Baum- 
wollpflanzungen daher fast immer unmittelbar am 
Ufer der Flüsse oder Kanäle vor. Den Feldern wird 
in der Regel von der Saatzeit (Ende April, Anfang 
Mai) an bis zur Erntezeit (Mitte August bis Ende 
September) dreimal Wasser gegeben, jedesmal einen 
ganzen Tag lang, das erste Mal sofort nach dem 
Emporsprießen der ersten Schößlinge, das zweite 
Mal, wenn die Pflanze ungefähr ½ m hoch ge- 
worden ist, und das dritte Mal kurz vor der Ernte. 
Bei ungünstigen Bodenverhälinissen wird anstatt 
dreimal auch bis zu fünfmal zwischen Saat und 
Ernte Wasser gegeben. Es werden gegenwärtig drei 
Hauptsorten der Baumwolle in Mesopotamien an- 
gebaut. Eine derselben, „Iraki“ („Mesopotamische“) 
genannt, ist, soweit sich beurtheilen und zurück- 
verfolgen läßt, einheimischen Ursprungs, während die 
beiden anderen, wie auch ihre Namen „Hindi“ und 
„Buchärl“ andeuten, von Britisch-Indien und 
Zentralasien, und zwar erst in verhältnißmäßig kurz 
zurückliegender Zeit, eingeführt wurden und sich vor- 
trefflich akklimattsirt haben. Bei allen drei Sorten 
kommen ungefähr 100 Kapseln durchschntttlich auf 
eine Pflanze. Die Saatzeit ist Ende April und An- 
fang Mai, die Erntezeit ist Mitte August bis Ende 
September. In der letzten Zeit sind auch mit dem 
Anbau von Baumwolle, die aus Samen feinerer 
ägyptischer Sorten gezogen wurde, auf mesopota- 
mischem Boden Versuche gemacht worden. Die Resultate 
dieser Versuche liegen noch nicht vollständig vor, doch 
läßt sich schon jetzt erkennen, daß außer den obigen 
drei gegenwärtig zur Anpflanzung kommenden Baum- 
wollsorten auch die ägyptischen Arten sich unschwer 
einbürgern lassen werden. 
(Nach einem Bericht des Kaiserl. Konsulats in Bagdad.) 
Perschiedene Mittheilungen. 
Unterstützung eines deutschen Fahrzeuges in Seegefahr 
durch ein französisches Rriegeschif. 
Zu der im amtlichen Theil gemeldeten Verlelhung 
des Kronen-Ordens 3. Klasse an den Kommandanten 
des französischen Avisos „Alcyon“, Lieutenant de 
vaisseau Mortenol, bemerken wir, daß der that- 
kräftigen Unterstützung des genannten französischen 
Seeoffiziers die Rettung des deutschen Motorfahr- 
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zeuges „Ogowe“ der Firma Woermann wesentlich 
zu verdanken ist. Das genannte Fahrzeug wurde
	        
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