Full text : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

440  Die  volkswirthschaftlichen  Zustände  des  Königreichs  Hannover

und  der  Bezugsplätze)  zuweilen  als  vortheilhafier  erwiesen,
von  zollvereinsländischen  Fabriken  statt  von  inländischen  oder
hanseatischen  zu  beziehen;  die  ersteren  sind  also  concurrenzfähig
nicht  blos  mit  den  hanseatischen,  bei  gleichem  diesseitigen  Eingangszolle,
  sondern  auch  mil  den  inländischen,  welche  nur  den
Materialzoll  erlegen  und  damit  factisch  (circa  1'/3  Centner  Rohzucker
  gleich  1  Centner  Raffinade  gerechnet)  einen  Vorsprung
von  etwa  1  Rithir.  haben.  Wo  soll  nun  die  neue  Schutzzollvertheuerung
  des  Zuckers  durch  den  Anschluss  herkommen?  Der
Zuckerconsum  wird  nachher  theurer,  weil  der  Zoll  auf  Rohzucker
5  RthIr.  statt  2  Rihir.  beträgt;  der  Satz  von  10  Rthlr.  für  Raffinade
  hat  jedenfalls  keinen.  erheblichen  Einfluss  mehr  auf  die  inländischen
  Preise  des  Fabrikats.  Wie  kann  man  hiernach  die  Rohzuckersteuer
  von  5  Rihlr.  (die  nur  die  Rübenzuckerindustrie  bei
der  jetzigen  zu  niedrigen  Besteuerung  derselben  gegen  die  Zuckerraffinerie
  indirect  begünstigt),  welche  der  Raffinadeur  für  das
Publikum  auslegt  und  im  Preise  des  Fabrikats  mit  6'/,  Rthir.  per
Centner  Raffinade  —  nach  anderen,  auch  der  Ausfuhrbonifikation
zum  Grunde  gelegten  Annahmen  mit  6%,  RihlIr.  —  vergütet  erhalten
  muss,  als  ein  Opfer  ansehen,  welches  die  Consumenten
zu  seinem  Vortheile  durch  den  Zollsatz  von  10  Rthir.  auf  Raffinade
  zu  bringen  gezwungen  sind’?

2)  Künftige  Einfuhr  aus  dem  Zollvereine.

Die  künftige  Einfuhr  Hannovers  aus  dem  jetzigen  Zollvereine
zerfällt  in  diejenige,  welche  schon  jetzt  von  dortiher  Statt  findet
und  in  diejenige,  welche  entsprechend  der  Verminderung  der
Einfuhr  fremder  Fabrikate  u.  s.  f.  zu  der  bisherigen  Einfuhr  hinzutreten
  wird  ').

 

 

1)  Sofern  hannoversche  Fabrikanten  und  Handwerker  später  die  Concurrenz
  mit  den  zollvereinsländischen  nicht  sollten  bestehen  können,  würde
als  dritte  Abtheilung  der  künftigen  Einfuhr  aus  dem  Zollvereine  noch  ein
Theil  der  bisher  in  Hannover  selber  für  den  inneren  Consum  verfertigten
Waaren  hinzukommen,  und  zwar  mit  einer  Preiserniedrigung,  die  bis  zur
jetzigen  Höhe  der  steuervereinsländischen  Tarifsätze  gehen  kann,  wenn  bis
zum  vollen  Betrage  derselben  die  Hannoveraner  seither  theurer  producirt
und  verkauft  haben.  Wir  theilen  nun  jene  Besorgniss  nicht,  die  allermeisten
Fabrikanten  und  Handwerker  werden  durch  technische  Verbesserungen  und