Full text : Realienbuch Nr. 3 (3)

68  Ceschichte.  1

hatte,  nannte  ihn  das  Volk  zum  Spotte  den
„Winterkönig“.  Die  Union  löste  sich  auf.
Uber  das  unglückliche  Böhmen  ließ  Kaiser
Ferdinand  ein  furchtbares  Strafgericht  abhalten;
  den  Majestätsbrief  vernichtete  er.  Die
PDrotestanten,  die  sich  weigerten,  zur  katholischen
  Kirche  zurückzukehren,  verwies  er  des
Landes.  Infolgedessen  wanderten  über  50  000
Familien  aus  ihrer  heimat  aus.  Die  Führer
der  Böhmen,  27  evangelische  Edelleute,  wurden
in  Drag  hingerichtet;  ihre  Landgüter  gab  der
Kaiser  seinen  Anhängern.  Der  herzog  Maximilian
  von  Bayern  erhielt  als  Belohnung  für
seine  hilfe  einen  Teil  der  Länder  Griedrichs
und  die  Kurwürde.

---s  --  5.  Ernst  von  Mansfeld  und  Christian
Guftav  Zdolf.  von  Braunschweig.  Für  den  vertriebenen
Kurfürsten  kämpften  am  Rhein  und  in  Norddeutschland
  der  Graf  Ernst  von  Mansfeld  und  der  herzog  Chriftian  von
Braunschweig.  Beide  waren  rauhe  und  wilde  Kriegsmänner,  die  mit  ihren
Söldnerscharen  Deutschland  verheerten,  ohne  zwischen  Katholiken  und  Hrotestanten
einen  Unterschied  zu  machen.

4.  Tilly.  Lgeldherr  der  Liga  war  der  bayerische  General  Graf  Tilly.  Er  stand
damals  schon  in  vorgerücktem  Lebensalter,  war  klein  von  Gestalt  und  trug  einen  spitzen
Kinnbart.  Tilly  war  ein  hervorragender  HLeldherr  und  wie  sein  herr,  der  herzog
Maximilian,  streng  katholisch  gesinnt.  Er  schlug  Ernst  von  Mansfeld  und  Christian
von  Braunschweig  in  mehreren  Schlachten,  ohne  jedoch  ihre  heere  völlig  vernichten
zu  können.

5.  Der  dänenkönig  Christian  IV.  Als  Naiser  Ferdinand  mit  hilfe  der  Liga
seine  Feinde  besiegt  hatte,  riefen  einige  norddeutsche  Stände  aus  Furcht  für  ihren  Glauben
den  Dänenkönig  Christian  IV.  zu  hilfe.  Er  war  zugleich  Derzog  von  holstein,  also
auch  deutscher  Reichsfürst.  Mit  einem  stattlichen  heere  trat  er  den  Truppen  der  Liga
gegenüber.  Auch  Ernst  von  Mansfeld  hatte  die  Trümmer  seines  heeres  gesammelt  und
durch  ZAuwerbungen  ergänzt.  Um  diesen  Feinden  begegnen  zu  können,  war  der  Kaiser
vollständig  auf  die  hilfe  der  Liga  angewiesen.  Er  selbst  besaß  keinen  geeigneten
Heldherrn  und  auch  nicht  Geld  genug,  um  ein  heer  anwerben  zu  können;  denn  in  den
habsburgischen  Stammlanden  herrschte  wegen  der  Glaubensstreitigkeiten  Kufruhr.
Da  erbot  sich  Wallenstein,  ein  böhmischer  Edelmann,  auf  eigne  Kosten  ein
Heer  zu  schaffen,  wenn  ihm  der  Cberbefehl  und  die  Anstellung  der  Offiziere  überlassen
  würde.

6.  Wallenstein  war  das  Nind  lutherischer  Eltern.  In  früher  Jugend  verwaist,
  wurde  er  jedoch  katholisch  erzogen.  Er  nahm  später  Kriegsdienste  und
wurde  wegen  seiner  Tapferkeit  Oberst.  Durch  seine  Derheiratung  gelangte  er
zu  sehr  großem  Reichtume  und  lieh  dem  Naiser  für  den  Krieg  bedeutende  Geldsummen.
  Als  ECntschädigung  dafür  erhielt  er  das  herzogtum  Sriedland  in
Böhmen,  so  daß  er  herzog  und  deutscher  Reichsfürst  wurde.  Wallenstein  war  von