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9. Die Schweiz oder Selvetien.
Auf, Taffet und heute im Geifte einmal in die jhöne, romantifche
Schweiz wandern! — — Mir ift, als erbliete ich wirklich chen in
ber Ferne die Hohen Alpengebirge mit ihrem ewigen Schnee und
ihren Eißfeldern, die nie an den warmen Strahlen ber Sonne ganz
zerrinnen. Auf dem Abhange diejer Gebirge aber und auf taujend
grünen, niedrigen Bergen jehe ich zahllofe Heerden Kühe und Ziegen;
und mitten unter ihnen fien auf dem meichen Grafe oder auf jehroffen
Selen muntere Hirten (Senner), die fröhlih den Kuhreigen blajen,
der bie Herzen aller Schweizer mit Freude und Vaterlanböliche
und in der Fremde mit tiefem Heimmeh erfüllt. Auf den Bergen
zerftreut Tiegen eine Menge Heiner Hütten, Sennhütten genannt, wo
die Kühe und Piegen gemolfen werben, und wo man aus ihrer fetten
Milh — vermifcht mit gepulvertem Steinklee, Köftliche grüne Käfe
bereitet, bie al8 Handeldartifel dur die halbe Welt verjendet und
überad gern gefauft und gegefjen werben.
Sa, Kinder, ein majeftätifch-fchönes, herzerhebended Land ift bie
Schweiz. Sn feinem andern findet man mehr Veranlaffıng, die
Größe und Allmadht Gottes zu bewundern, dejfen Hand dieje unge:
heuren Bergmaffen aufgethürmt hat, non denen manche Spike nod)
nie von eines Menjchen Yuß betreten worden ijt.
Die Schweiz ift im Ganzen ein rauhes Gebirgslandz; und ob
e8 gleih fünliher Tiegt, al3 Deutfhhland, fo it Doch die Luft,
des vielen Schneed und Eije8 wegen viel fälter, al3 bei und. Sieboch
ift ‚der nördliche Theil, der unferm Deutjchland zugefehrt ift, milder,
und hat nur wenige Gebirge. Von Frankreich aus wird Die Schweiz Durch
den Sura getrennt, der nicht fo Hoch tft, wie die Alpen, die fi
vom mittelländifchen Meere an durch Piemont, Savoyent, bie
Schweiz und Tyrol bi8 gegen die Türfet Hinziehen. Beiteigt
man bieje ©ebirge, jo findet fi, Daß in einer Höhe von 7800 Fuß
der Schnee anhebt, weriteht fich, mitten tm Sommer, denn im Winter
it ja Das ganze Land damit bebedt. Durch diefen Gebirgsfchnee
entfteht im Srühjahre, wenn er anfängt weich zu werben und zu jchmelzen,
oft jchredliches Unglück; denn wenn fi) von den fteifen Telfen auch
mır ganz Kleine Schneeflumpen ablöfen und von dem hohen Gebirge herabrollen,
fo werden fie, ehe fie In das Thal fommen, zu jo ungeheuren
Mafien, daß dfterd ganze Dörfer mit allen Einwohnern und allem
Vieh darunter begraben werden. Man nennt fie Schneelawinen.
Der feit Sahren in den Hochgebirgen angehäuft Tiegende Schnee
aber wird nach und nach grobförniger und verwandelt fich Durd)
Bufammenjegen allmählich in Ei8, welches man Firm nennt. Sin manhen
Alpengegendben werben die mit Schnee und Ei8 heberften Berggipfel
deshalb auch Firner genannt. Durch das Herabjenfen der Hochfchneeoder
Firnmafjen in Schluchten und Thäler drüden fi die einzelnen
Eistheilhen immer fefter an einander, und da fie zugleich yon
Ihaumwaffer aus dem im Sommer von den Bergen abjeärmelgenben Schnee
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