Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXVI. Jahrgang, 1915. (26)

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Verluste  der  Verbündeten  hingegen  seien  unbedeutend
  gewesen.  Vermutlich  ist  das  Verlustverhältnis
  jedoch  umgekehrt  gewesen.  Denn  Oberstleumant
  Brisset  sah  von  weiteren  Angriffen  ab
und  beschränkte  sich  auf  Einschließung  der  Stellung.
Als  darauf  der  Anmarsch  deutscher  Truppen  auf
Marua  gemeldet  wurde,  wandte  er  sich  nach
Zurücklassung  einer  Einschließungstruppe  vor  Mora
südwärts.

Auf  die  Nachricht  von  der  Zusammenziehung
starker  feindlicher  Kräfte  vor  Mora  war  Hauptmann
  Dühring,  der  am  21.  August  die  französische
  Station  Behagle  (Lai)  am  oberen  Logone
erfolgreich  angegriffen,  ihre  Besatzung  verjagt  und
sodann  seine  Kompagnie  unbelästigt  vom  Gegner
dem  Hauptmann  Frhrn.  von  Crailsheim  nach
Garua  zugeführt  hatte,  in  Eilmärschen  nach  Mora
entsandt.  Hier  warf  sich  ihm  der  Feind  unter
Oberstleutnant  Brisset  entgegen.  Heftige  Kämpfe
entbrannten.  Sie  fanden  ihr  Ende,  als  Hauptmann
  Dühring  die  Meldung  erhielt,  englische
Truppen  seien  auf  der  Mubi-Straße  im  Anmarsch
auf  Garua.  Am  12.  Dezember  räumte  er  Maruaz;
nach  seinem  Abzuge  wurde  die  Stadt  von  den
Franzosen  besetzt.  Französische  Berichte  führen
aus,  daß  die  etwa  20  000  Köpfe  zählende  Bevölkerung
  von  Marua  sich  den  Franzosen  feindlich
erwiesen  hatte.  Um  so  bemerkenswerter  ist  diese,
von  unseren  Gegnern  anscheinend  nicht  erwartete
Haltung  der  Eingeborenen,  als  der  Fanatismus
der  Leute  von  Marua  im  vergangenen  Jahrzehnt
mehrfach  der  Residentur  Adamaua  Anlaß  zum
Einschreiten  geboten  hatte.  Der  Umschwung
in  der  Gesinnung  innerhalb  kurzer  Zeit  beweist
die  Richtigkeit  der  Eingeborenen-Politik  des
Gouvernements.

Ein  weiterer  Versuch,  von  Garua  her  den  bei
Mora  eingeschlossenen  Hauptmann  von  Raben
zu  entsetzen,  konnte  nicht  mehr  gemacht  werden,
da  sich  nunmehr  auch  Garua  die  Ubermacht  unserer
  Gegner  nahte.  Die  Mora-Stellung  wird
seit  dieser  Zeit  von  zwei  Kompagnien  eingeschlossen;
  nur  bitterste  Not  wird  zu  ihrem  Fall
führen.

Durch  das  Gebirge  über  Gutschumi  war
Hauptmann  Dühring  von  Marua  nach  Garua
geeilt.  Auf  die  Kunde  von  seiner  Annäherung
wichen  die  Engländer  nach  Ssorau  zurück.  Ihr
Rückzug  gab  dem  deutschen  Führer  Gelegenheit,
durch  einen  kühnen  Handstreich  sich  am  19.  Dezember
  des  auf  englischem  Gebiet  bei  Bila
Malabu  beßfindlichen  englischen  Lagers  zu  bemächtigen
  und  die  dortigen  reichen  Vorräte  zu
vernichten.  Am  26.  Dezember  traf  in  Garua
die  Nachricht  vom  Anmarsch  von  vier  französischen
Kompagnien  ein.  Es  war  die  Abteilung  des
Oberstleutnants  Brisset,  der  von  Marua  über

 

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Mao  Lue—Golombe  auf  Garua  marschierte.  Am
29.  Dezember  geriet  seine  Vorhut  in  einen  vom
Hauptmann  Dühring  bei  Bardu  am  Moao  Kabi,
etwa  55  km  östlich  Garua,  gelegten  Hinterhalt.

Am  14.  Januar  d.  Is.  vereinigten  sich  die
Franzosen  unter  Oberstleutnant  Brisset  bei  dem
7  km  östlich  von  Garua  an  der  Marua-Straße
gelegenen  Dörfchen  Tongo  mit  der  von  Major
Webb  Bowen  geführten  englischen  Abteilung.  Die
Franzosen  bezogen  bei  Tongo  ein  befestigtes  Lager;
ihr  Versuch,  sich  auch  der  etwa  5  km  nordwestlich
von  Garua  an  der  Demssa-Straße  gelegenen
Jambuttu-Dörfer  zu  bemächtigen,  wurde  durch
einen  Ausfall  aus  Garua  vereitelt.  Das  englische
Lager  befand  sich  bei  dem  am  Südufer  des  Benue
gelegenen  Dorfe  Bogole;  aufragende  Sandsteinkuppen
  boten  hier  vorzügliche  Stellungen.  Die
von  hier  auf  Kontscha,  Ngaundere  und  Rei  führenden
  Straßen  wurden  gesichert.  —

Kürzlich  hat  der  Draht  die  Meldung  des
Generalgonverneurs  von  Nigerien  übermitteelt,
daß  Garua  sich  am  11.  Juni  bedingungslos
ergeben  habe,  und  daß  auch  Ngaundere  von
den  feindlichen  Truppen,  die  Garuas  Ergebung
zuvor  erzwungen  hätten,  erobert  worden  sei.
Ob  und  welchen  Einfluß  die  Besetzung  von
Garua  und  vor  allem  von  Ngaundere  auf  die
Stellung  unserer  Truppen  im  Bezirk  Banjo
ausgeübt  hat,  läßt  sich  noch  nicht  übersehen.

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Ein  Jahr  ist  verflossen,  seitdem  am  6.  August
1914  plötzlich  französische  Granaten  in  den  Zollposten
  Bonga  am  Ssanga  einschlugen,  dessen
kleine  Besatzung  noch  keine  Ahnung  von  dem  Ausbruch
  des  Weltkrieges  hatte.  Der  Kampf  um
Kamerun  hatte  begonnen.  Aus  Nigerien  und
Aquatorial-Afrika  drangen  Truppen  in  das  Schutzgebiet
  ein.  Vor  seiner  Küste  erschienen  feindliche
Kriegsschiffe;  ihre  Granaten  zerstörten  Küstenorte,
verwüsteten  Pflanzungen  und  Handelsniederlassungen
  ohne  den  geringsten  Zwang  militärischer  Notwendigkeit.
  Vorbereiteter  Verrat  der  Dualaöffnete
  dem  Gegner  den  Weg  in  den  Kamerun-Fluß.
  Leichtes  Spiel  glaubten  nun  die  Engländer
  und  Franzosen,  denen  sich  im  Süden  und
Osten  Belgier  zugesellten,  zu  haben.  Sie  haben
sich  gründlich  getäuscht.  Trotz  großer  Übermacht,
deren  ziffernmäßiger  Nachweis  einer  späteren  Zeit
vorbehalten  bleiben  mag,  ist  es  ihnen  im  Küstengebiet
  noch  nicht  gelungen,  die  Urwaldgrenze  auf
Jaunde  zu  überschreiten.  Zwar  haben  die  Franzosen
  im  Süden  und  Osten  Neukamerun  erobert,
teilweise  mit  Unterstützung  der  Eingeborenen,  mit
denen  sie  noch  ältere  Bande  verknüpften.  Doch
langsam  nur  hat  sich  der  Fortschritt  ihrer  Unternehmungen
  vollzogen,  seitdem  sie  die  Grenzen