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war und keine Waffen hatte. Botha hette — er,
der Bur — nach englischen Grundsätzen, aber nicht
nur direkt bei den Bastards, den Hottentotten und
Herero gegen uns, sondern instruierte seine Unterführer,
wie erwiesen, immer wieder dahin, nur ja
keine Zusammenstöße mit den Eingeborenen herbeizuführen.
Eingeborenen das requirierte Vieh sosfort
bar zu bezahlen (der Deutsche bekam nichts oder
höchstens Papiere, die nicht in bar eingelöst wurden),
alle Eingeborenen gut zu behandeln, ihnen Prarcnt
zu schenken. Es war trin Wunder, daß er viele Eingeborene
(nicht alle) so für sich gewann, daß sie
Spionagedienste für ihn leisteten, was GAmit Geld bezahlt
wurde.
An unserer Küste gab es keine Befestigung, nicht
einmal eine Batterie, ja nicht einmal schweres Geschügg
war vorhanden. Auf die Heranziehung der
Landespolizei war die Truppe des Mangels an
waffenfähigen Männern wegen natürlich auch angewiesen,
und hier zeigte sich, daß dieses Nebeneinander
in unserem Neuland kein Vorzug war.
Der Truppe war die Polizei nicht unterstellt, und sie
konnte infolgedessen nicht frei über deren Beamte
versügen. Kein Mißverständnis! Die Polizeibeamten
haben sich, wo sie zur Truppe traten, fast durchweg
vorzüglich benommen. Der Widerstand des Landesrats
aber gegen eine Verminderung der Schutztruppe
ugunsten einer stärkeren Landespolizei erwies sich
jetzt als gerechtfertigt. — Endlich waren auch politisch
k. inerlei Vorbereitungen für einen solchen Krieg
getroffen.
Wie stark waren wir nun eigentlich? Die aktive
Truppe hatte, nach Abzug der Beurlaubten, vielleicht
1800 Köpfe. Dazu rechneten aber alle Kommandostäbe,
alle kleinen Stationsbesatzungen, die Verkehrsgüge,
die Funkenstationen, die Meldeämter und das
Bezirkskommando, die Kranken, das Lazarettpersonal,
das Personal der Magazine, der Depots, die Verwaltungsbeamten,
kurz, es kamen für die Front
höchstens 1200 Mann in Frage. Nack dem nun alle
nur irgendwie und für irgendeinen Zweck brauchbaren
Leute, darunter viele ausgesprochene Krüppel,
schwer Herzkranke, die dauernd Ganzinvaliden usw.
ringezogen worden waren hatte die mobile Truppe
in ihrer besten Zeit vielleicht 5500 Köpfe. Damit
aber waren in einem Lande, 1½ mal so groß wie
Deutschland, die ganzen Eisenbahnen und Etappenstraßen,
die kleinen Ortschaften und Stationen, die
Farmen zur Aufrechterhaltung des Betriebes und
zur Sicherung gegen feindliche Anschläge und Eingeborenenunruhen
zu besetzen, zu versehen und Zu
beschützen. Es waren die Grenzen und Küsten zu
beseges und zu beobachten, wenn auch an einzelnen
Punkten nurmitganz schwachen Kräften. Kein Wunder,
daß für die eigentliche. Front nur etwa 3000 Mann
übrig blieben. Und diese mußten für einen Angriff
von vier Seiten bereitstehen. Sie hatten den Oranje
zu halten, einen Einbruch von Lüderitzbucht und Swakopmund
bis zur Walfischbai aus zu verhindern und
im Südosten die Grenze zu schützen. Kleinere Ableilungen
aber mußten in Gobabis und Grootfontein
gegen Überraschungen vom Caprivizipfel und vom
Rgami-See her sichern, von dort drohte die Möglichkeit
des Einfalls feindlicher Eingeborener besonders.
Endlich war man auch nicht sicher, was Portugal
tun werde, und der seige Mord in Naulila hat ja
bewiesen, wie berechtigt das Mißtrauen gegen Portugal
gewesen ist, wenn auch die innerpolitischen
Wirren, dieses Staates ihm ein unverhülltes Eintreten
für England damals noch nicht gestatteten.
An Artillerie hatten wir drei moderne Gebirgs-
batterien. Die zwei anderen vorhandenen Balterien.
die noch aus der Aufstandszeit stammen, wiesen ebenso
wie die vier 10 cm-Haubitzen erhebliche Mängel an
Ausrüstung und Munition auf. Auch war für sie
Bedienung zunächst nicht vorhanden. Der Rest des
vorhandenen Artilleriematerials war ein Sammelsurium
von Geschützen. See sind auch größtenteils
gar nicht zur Verwendung gekommen. Die Bespannung
war gut, solange man genng Hafer hatte,
was aber schon nach fünf Monaten nicht mehr der
Fall war. Unser Stolz war die Batterie von vier
10 cm-Haubitzen, wie sie die Feldartillerie daheim
früher hatte. Die Batterie konnte nur mit Ochsen
bespannt werden; mehr braucht man wohl darüber
nicht zu sagen. Zu den drei brauchbaren Autos der
Kommandos fehlte so gut wie jeder Ersatz an Reifen
usw. Sie mußten daher aufs äußherste geschont werden.
Die beiden einzigen Flugmaschinen waren schon bei
Beginn des Krieges eigentlich Wracks und nur der
roßen Geschicklichkeit und der unermüdlichen erfinderischen
Arbeit, vor allem des österreichischen Ingenieurs
und Fliegeroffigiers Leutnant d. R. Fiedler,
der den einen Apparat flog, ist es zu danken, daß
die Flugzeuge uns überhaupt noch etwas nützten.
Was war mit so geringen Mitteln, d. h. geringen
gegenüber den merschöpftichen Hilfskräften der Union.
anzufangen? Eine rasche Offensive der Schutztruppe
war unmöglich. Sie hätte zwar den Krieg zunächst
in Feindesland getragen. Da jedoch lange Strecken
ohne Eisenbahnen zu überbrücken waren, hätte die
Sicherung der Etappenstraßen die an sich nur sehr
schwache Stoßkraft der Truppe bei jeder Meile vorwärts
ganz unverhältnismäßig geschwächt. Auseinandergeflossen
wie Wasser wäre die Truppe bei
dem Versuch, ernsthaft in die Union einzudringen.
Zwei andere Umstände aber machten einen solchen
Vorstoß ganz unmöglich: Einmal die Gefahr, daß
im Schutzgebiet selbst Eingeborenenmuruhen ausbrechen
würden, sobald die Truppe sich so weit entfernte,
dann die Tatsache, daß aus dem Burenaufstand
überhaupt nichts geworden wäre, wären wir angriffsweise
gegen die Union vorgegan Dann hätte
Botha mit Fug und Recht die Wochene forcc der gesamten
Union gegen uns zu den Waffen gerufen.
hätte jeden Aufstandsgedanken mit dem Hinweis,
die Deutschen wollen die Union erobern, sofort im
Keime erstickt. Mit diesem Hinweis operierte er ja
überhaupt, und die Furcht der Buren vor deutscher
Eroberungssucht, ihnen künstlich von Botha und Genossen
eingeredet, war es ja in erster Linie, die ihm
half. Wie die Dinge lagen, waren sich daher unfser
Gouverneur und Kommandeur darüber einig. daß
man sich grundsätzlich defensiv verhalten müsse Man
war sich auch einig, daß die Schutztruppc nicht in
raschen Schlägen gegen den Feind geopfert werden
durfte, da dies bei der oft zwanzigfachen Übermacht
des Gegners vergeblich sein müßte, sondern daß sie
dem Vaterland nur nützen könne, wenn sie möglichst
starke feindliche Kräfte auf sich ziehe und fessele, damit
der Gegner keine Truppen für den zinlchen
Kriegsschauplatz freimachen könne. Je län
diese Politik verfolgen ließe, desto zunreice miste
lie sein und desto mehr finanzielle Opker lege sie
dem Gegner auch auf, wodurch die Lust zu überseeischen
Abenteuern ebenfalls gehörig gedämpft
werden müßte. Wie richtig dieser Plan war, beweist
die Tatsache, daß die kritichndafrikre Wochenschest
„Vne# am 17. Septemb er die Versuche, Freiwillige
für Europa zu gewinnen, in einem Artikel
„The recruiting scandal“ beleuchtend, schrieb: „Der
Leiter der Rekrutierung, Major Ansten, hat geäußert.