Abstammung. 5
aus der schwäbische Name, sofern er als ein Synonymum des alemannischen
zu betrachten ist, noch über seine jetzigen deutschen Grenzen hinaus auf die
Elsäßer und Nordschweizer auszudehnen, so daß im ganzen gegen 6 ¼ Mil-
lionen Schwaben oder Nachkommen der alten Alemannen anzunehmen sind.
Schon aus den obigen Ziffern geht hervor, daß Württemberg als
das schwäbische Haupt= und Kernland anzusehen ist, nicht nur weil sein
Antheil am schwäbischen Land und Volk numerisch der größte ist, sondern
auch, weil das schwäbische Element hier innerhalb des Staatsgebiets das
durchaus dominirende und zur selbständigen Entwicklung gekommene ist.
Der württembergische Sprachgebrauch gibt auch dem Begriff Schwaben
keine so weite Ausdehnung als die nach dem Obigen geschichtlich begründete.
Der Württemberger nennt seine Nachbarn jenseits des Schwarzwalds nicht
mehr Schwaben, sondern Rheinländer oder Badenser. Eher ist er geneigt,
dem Bewohner der bayerischen Provinz Schwaben den Stammnamen noch
beizulegen, wiewohl auch hier in nicht ferner Zeit der politische Name des
Bayern das Stammesbewußtsein in den Hintergrund drängen mag.
Innerhalb des württembergischen Schwabens ist es ein althergebrachter
Sprachgebrauch, den Oberländer und Unterländer zu unterscheiden. Da
der steile Nordabhang der Alb das Land wie eine Mauer von Westen
nach Osten durchschneidet, so hat diese Unterscheidung ihre natürliche Be-
rechtigung. Das Oberland wird dann ebenso natürlich durch die Donau
in die Alb und Oberschwaben getheilt. Die Schwarzwälder, die Bewohner
des oberen Neckarthals, sowie auch des oberen Kocher= und Jagstthales
bleiben außerhalb jener Eintheilung, sofern sie weder Oberländer noch
Unterländer genannt werden. Doch beruhen diese Unterscheidungen nicht
auf ethnographischen, sondern nur auf geographischen Momenten. Der
Ausdruck Niederschwaben, welcher durch den für das Land südlich von der
Donau feststehenden Namen Oberschwaben nahe gelegt wird, ist in dem
populären Sprachgebrauch nicht begründet, sondern mehr als ein hie und
da angewendeter Schulterminus anzusehen. Er hat zwar einen geschicht-
lichen Anhaltspunkt in der alten niederschwäbischen Landvogtei, deren oberer
Theil Eßlingen, der untere Heilbronn zum Hauptort hatte. Er eignet
sich aber darum nicht wohl als Gegensatz gegen Oberschwaben, weil er
auf Alb und Schwarzwald, die noch höher als Oberschwaben gelegen sind,
nicht füglich anzuwenden ist, und kann daher nur im Sinne von Unter-
land gebraucht werden. Wie sich die schwäbische Bevölkerung auf die
natürlichen Gruppen der Unterländer, Schwarzwälder, Albbewohner und
Oberschwaben vertheilt, ist aus früheren Abschnitten zu ersehen.
Die vereinzelten Ansiedlungen fremder Stämme sind sämmtlich
durch die Religionskriege und Glaubensverfolgungen veranlaßt. Der Zeit
der Niederlassung nach sind zuerst zu erwähnen die von Erzherzog Ferdinand