Full text: Das Königreich Württemberg. Zweiter Band_1. (2)

16 Das Volk. 
thümlich finsteren Ausdruck, die Stirn ist nieder und breit, seitlich hinter 
ihr wölbt sich der Schädel stark hervor, so daß die Grenzen des Schläfen- 
lappens des Gehirns ziemlich leicht auf dem Schädel zu verfolgen sind. 
Die Augenhöhlen sind nieder und breit, ihr oberer Rand verläuft nicht 
so schräg nach außen und abwärts wie bei den Nätosarmaten. Die Nase 
ist klein, schmal, nieder, hat einen sehr kurzen oft einwärts gebogenen 
Rücken. Der Alveolarand ist niederer als bei den beiden anderen Typen. 
Der Jochbogen ist stark gewölbt. Die Wangenplatte verläuft schräg nach 
unten und abwärts, so daß die Backenknochen bei Lebenden sehr stark 
hervorstehen. Die Ohren liegen meist am Kopfe an, sind schmal und 
lang, besonders die Läppchen schmäler als bei jenen beiden. Die Windungen 
des Gehirns sind, mit Ausnahme des Stirnlappens, im allgemeinen breiter 
und daher weniger reich entwickelt, der Schläfelappen ist breit, dick und 
mit seinem vorderen Ende stark nach einwärts gekrümmt; der Scheitel- 
lappen flach, der Hinterhauptlappen klein und wenig entwickelt. Die 
fissura occ.- parietalis und der sulcus centralis verhalten sich ähnlich 
wie bei den Rätosarmaten. Die Haare sind schon im Kindesalter schwarz 
oder tief dunkelbraun, rothe Haare sind sehr selten und haben eine dunkle 
braunrothe Färbung. Die Haut ist brünetter als bei den Sarmaten 
und hat schon bei den Kindern einen Stich ins Gelbliche. Die Iris ist 
braun und hat an der Grenze der inneren und äußeren Zone einen sehr 
schmalen dunkelgrau grünen, die beiden Zonen scharf scheidenden Ning. 
Die Hände sind breit, kurz, knochig, die Finger spitzen sich am Nagelgliede 
nicht zu, der Ringfinger ist länger als der Zeigfinger, die Füße verhalten 
sich ähnlich wie die der Sarmaten. Die Beine haben eine mittlere Länge, 
daher die Körpergröße zwischen der der beiden anderen Typen die Mitte 
hält. Seine typischen Formen sind bei uns selten und auch die Zahl der 
Individuen, welche zu den ihm nahe stehenden Mischformenstufen gehören, 
ist eine beschränktere als die der Sarmaten, mit Ausnahme einzelner 
Stellen, wie in einem Theil des Donauthales. Die einzelnen Mischformen- 
stufen selbst sind zahlreicher. Es ist also sehr unwahrscheinlich, daß sich je- 
mals eine größere Menge ihm angehörigen Volks auf einmal bei uns nieder- 
gelassen habe. Seine Mischformen finden sich, den sarmatischen beigemengt, 
von der Auvergne an bis nach Asien, wo seine meisten Repräsentanten 
wohnen. Er wird um so häufiger, je mehr man nach Osten geht; so 
z. B. habe ich in der St. Michaelskapelle in Regensburg eine viel größere 
Zahl beisammen gefunden als irgend wo in unserem Lande. Während 
der römischen Periode kam er und die ihm nahestehende Mischform bis 
jetzt nicht vor. Freilich ist das zu Gebot stehende in unserem Lande ge- 
fundene Material ein sehr geringes. Da er aber unter der großen Zahl 
der in Regensburg erhaltenen römischen Schädel gleichfalls fehlte, so ist es