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im Interesse des Erbfeindes der deutschen Nation die Waffen gegen ihre
deutschen Brüder zu führen und gegen das Interesse der eigenen Nation zu
kämpfen.
Auch bei den auswärtigen Mächten fehlte das richtige Verständnis für
die von den verbündeten Monarchen aufgestellten großen Gesichtspunkte. England,
auf dessen Hilfsgelder Preußen bei seinen außerordentlichen Rüstungen
rechnete, knüpfte die Gewährung derselben an die Bedingung einer „völligen
Schadloshaltung Hannovers für den erlittenen Verlust und einer zweckmäßigen
Vergrößerung“ und wurde dabei von dem Wunsche geleitet, daß „Preußen
auch künftig durch die Elbe begrenzt bleiben möge.“ Das Wichtigste, worauf
es zur Zeit ankam, einc sofortige Landung an den norddeutschen Küsten, überließ
England dem Kronprinzen von Schweden, welcher zwar mit Rußland und
Preußen in ein Bündnis trat, sich aber bald als ein sehr übler und zweidentiger
Bundesgenosse erwies, der in dem großen Kriege nur seine eigennützigen
Interessen, insbesondere die Erwerbung Norwegens für Schweden,"“ verfolgte.
So sah sich Preußen bei dem Ausbruche des Krieges, in dem es für Deutschlands
Ehre und Freiheit seine ganze Existenz einsetzte, auf seine eigene Volkskraft
und auf die Hilfe Rußlands beschränkt; es sah seine hochherzigen Pläne
für den Wiederaufbau eines einigen, freien Reiches „aus dem ureigenen Geiste
des deutschen Volkes“ durch die kleinliche Kabinettspolitik Osterreichs und durch
den Abfall der Rheinbundstaaten von der deutschen Sache gekreuzt und war
kaum in der Lage, die glänzenden Verheißungen der Proklamation von Kalisch
erfüllen zu können.
Auch die Erwartung, daß die deutsche Sache durch die materielle Hilfe
Rußlands eine wesentliche Förderung erhalten würde, ging nicht in Erfüllung.
Zwar Kaiser Alexander hatte die edelsten Absichten; die Rolle eines Wiederherstellers
der Freiheit und Unabhängigkeit der enropäischen Staaten schmeichelte
seinem Ehrgeiz; aber es gab eine starke Partei in Rußland, welche meinte,
daß mit der Vertreibung der französischen Heere von russischem Boden genug
gethan sei, und welche nur mit Unwillen die Fortsetzung des Krieges jenseit
der Grenzen des russischen Reiches sah. An ihrer Spitze stand der Oberbefehlshaber
der verbündeten Armeen, Fürst Kutusow. Nach seiner Ansicht hätte Rußland
Polen und Preußen bis an die Weichsel nebst Danzig und Thorn in
Besitz nehmen und behaupten und die anderen machen lassen sollen, was sie
wollten. Es kam dazu — ein Moment, das vielfach übersehen worden ist —,
daß auch die russische Armee durch den Feldzug von 1812 vollständig erschöpft
war und längerer Zeit der Ruhe und Sammlung bedurfte, ehe sie zur Wiederaufnahme
der Kriegsoperationen fähig war, und daß die Heeresmacht, über
* Siehe S. 336 oben.