Metadata : Lehrpläne und Lehraufgaben für die höheren Schulen in Preußen von 1901.

24  Lateinisch.

Gelegentlich  werden  aus  dem  Lesestoffe  abgeleitet  und  mündlich
wie  schriftlich  geübt:  einige  elementare  syntaktische  Regeln  (z.  B.  über
Orts=  und  Zeitbestimmungen,  den  ablativus  instrumenti,  einzelne
Präpositionen  und  die  gebräuchlichsten  Konjunktionen  wie  postquam,
oum,  ut,  ne)  und  einige  Vorschriften  über  die  lateinische  Wortstellung.

Wöchentlich  zur  Korrektur  durch  den  Lehrer  eine  halbstündige
schriftliche  Klassenarbeit  im  Anschluß  an  den  Lesestoff  und,  soweit  erforderlich,
  Reinschrift  derselben;  im  zweiten  Halbjahre  statt  der  Klassenarbeiten
  auch  besondere,  in  der  Klasse  vorbereitete  Übersetzungen  in
das  Lateinische  als  Hausarbeiten.

V.  8  Stunden  wöchentlich.

Wiederholung  der  regelmäßigen  Formenlehre,  die  Deponentia,
die  unregelmäßige  Formenlehre  mit  Beschränkung  auf  das  Notwendige.
Aneignung  eines  angemessenen  Wortschatzes  wie  in  VI.

Gebrauch  des  Lese=  und  Übungsbuches  wie  in  VI.  Es  bietet
auf  dieser  Stufe  reichlichen  zusammenhängenden  Inhalt.  Stete  Übungen
im  Konstruieren.

Einübung  des  accusativus  cum  infinitivo,  des  participium  conjunctum
  und  des  ablativus  absolutus.  Gelegentlich  werden  aus  dem
Lesestoffe  weitere  syntaktische  Regeln  abgeleitet  (z.  B.  über  Städtenamen,
den  doppelten  Akkusativ,  das  perfectum  bistoricum).

Wöchentlich  eine  halbstündige  schriftliche  Klassenarbeit  oder  statt
dieser  eine  schriftliche  Hausarbeit,  beide  wie  in  VI.

IV.  8  Stunden  wöchentlich.

Lektüre  und  Grammatik  je  4  Stunden.  .

Die  Lektüre  umfaßt  Lebensbeschreibungen  hervorragender  griechischer
  und  römischer  Helden  nach  Cornelius  Nepos  oder  einem  geeigneten
  Lesebuche.  Die  Vorbereitung  findet,  solange  notwendig,  in
der  Klasse  statt;  die  Selbsttätigkeit  der  Schüler  wird  mehr  und
mehr  in  Anspruch  genommen;  gelegentliche  Übungen  im  unvorbereiteten
Übersetzen.

Stete  Übungen  im  Konstruieren  (besonders  in  der  Behandlung
des  accusativus  cum  infinitivo  und  der  Partizipialkonstruktionen)  sowie
im  richtigen  Auffassen  des  Abhängigkeitsverhältnisses  der  Nebensätze.

Gelegentlich  werden  bei  der  Lektüre  wichtigere  Phrasen  und
häufiger  vorkommende  synonymische  Unterscheidungen  gelernt.

Wiederholung  der  Formenlehre,  namentlich  der  sogenannten  unregelmäßigen
  Verba.  Das  Wesentliche,  zum  Übersetzen  des  lateinischen
Textes  Notwendige,  aus  der  Kasuslehre  sowie  besonders  Wichtiges
aus  der  Tempus=  und  Moduslehre  im  Anschluß  an  Musterbeispiele
der  Grammatik  oder  des  Übungsbuches.