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Südlich von der Scarpe, wo der Angriff wieder durch
Tanks verstärkt worden war, vermochten die Eng-
länder zunächst in den Ort Chérisy sowie an einzel-
nen Stellen bei Riencourt, Bullecourt, südlich von
der Straße Arras-Cambrai und dicht südlich von der
Scarpe in unsere Gräben einzudringen. Nördlich von
der Scarpe gingen Roeux und Fresnoy verloren.
Aus Cherisy und Roeux wurde der Gegner im Laufe
des Tages wieder geworfen und dicht südlich von der
Scarpe zurückgedrückt. Was ihm am Abend von sei-
nem Anfangserfolge verblieb, war ein etwa 500 m
breites Nest innerhalb unserer Linie zwischen Rien-
court und Bullecourt sowie der Ort Fresnoy, der im
Gegenangriff bis auf den Teil um die Kirche zurück-
erobert, dann aber erneut an die Eugländer verloren-
gegangen war. Dagegen wurden die feindlichen Mas-
sen bei Gavrelle und Oppy, wo sie mit ganz be-
sonderer Hartnäckigkeit in fünf Stürmen anliefen,
durch preußische Gardereserve und bayrische Truppen
immer wieder in stets erneuten Kleinkämpfen von
Trichter zu Trichter zurlickgewiesen. Was der Gegner
hier an Toten und Verwundeten verlor, war selbst
im Rahmen der Arrasschlacht ganz außerordentlich.
In der Nacht zum 4. Mai dauerten die erbitterten
Kämpfe fort. Chérisy ging nochmals verloren, wurde
aber wiederum gesäubert. Bullecourt wurde drei-
mal, am Morgen des 4. Mai zum vierten Male von
dichten Infanteriemassen angegriffen. Bergeblich.
Die Angriffe scheiterten auch hier unter den schwersten
Einbußen für den Gegner.
Der Ansturm vom 3. Mai war der letzte in ganz
großem Stil angelegte Durchbruchsversuch der Früh-
jahrsschlacht von Arras. Er kann nach der Wucht
seiner Massenstöße, nach der Erbitterung der Kämpfe
und nach den außergewöhnlich schweren Verlusten
des Gegners als Höhepunkt des ganzen An-
griffsunternehmens gelten.
In der Folgezeit versuchte der Feind zwar noch
wiederholt, hauptsächlich unter Ausnützung seiner
frischer gebliebenen Artillerie, den Anschein der im
größten Stil einheitlich auf der ganzen Front durch-
geführten Offensive zu wahren. Tatsächlich war je-
doch der Augenblick erreicht, wo er zu den Einzel-
unternehmungen übergehen mußte, die noch bei jeder
ge. nerischen Offensive den Verzicht auf die Verwirk-
ng der großen Absichten zu verschleiern hatte.
Was noch folgte, war das Übergangsstadium bis zu
dem Zeitpunkte, wo die oberste englische Führung die
Aussichtslosigkeit der Offensive an dieser Front er-
kannte und zu einem neuen Entschlusse durchdrang.
Am 4. Mai setzten die wechselvollen und überaus
zähen Trichterkämpfe um das Engländernest füdwest-
lich von Riencourt ein, die bis zum 8. Mai zu keinem
endgültigen Resultate führten.
it der Besetzung des hochliegenden Dorfes
Fresnoy (3. Mai) hatte der Gegner weitreichenden
Einblick in unsere Stellungen gewonnen. Es galt
daher, ihm zuvorzukommen, bevor er von dem ihm
zugesallenen Vorteile Gebrauch machen konnte. Der
Sturm auf den Ort wurde in der Hauptsache bayr.=
fränk. Regimentern übertragen, der Zeitpunkt auf
den 8. Mai festgesetzt. Gleich am 4. Mai wurde mit
den allgemeinen, am 5. mit den artilleristischen vor-
bereitenden Maßnahmen begonnen. Nachdem unsere
Geschütze den zu nehmenden Naum zwei Tage aufs
kräftigste bearbeitet hatten, erfolgte das Vorbrechen
der Infanterie frontal gleichzeitig gegen die Ortschaft
und die anschließenden Linien. Der Sturm führte zu
I. Kriegsgeschichte
erbitterten Nahkümpfen in Ort und Umgebung, bei
denen sich die überlegenheit unserer Infanterie über
die Engländer bes. im selbständigen Handeln kleiner
Gruppen in hellstem Lichte zeigte. Das Angriffsziel.
Dorf und Anschlußlinien, wurde in vollem Umfange
von 2 km Breite erreicht und gegen alle Wieder-
eroberungsversuche, die auch am 9. Mai noch an-
dauerten, gehalten. Neun Offiziere, 400 Mann Ge-
fangene und viele Maschinengewehre waren neben
dem taktisch wertvollen Geländegewinn das Ergebnis.
2.
Abgesehen von einem lleinen mißlungenen Teil-
angriffsversuche der Engländer bei Roeux am 9. Mai,
spielte sich vom 8. bis 11. die Hauptkampftätigkeit im
Raume Bullecourt - Riencoupxt ab. Sie äußerte sich
in stets wiederholten Angriffen, hin und her wogen-
den Handgranatenkämpfen und zähen Aufrollungs-
versuchen an der Einbruchsstelle.
Am 11. Mai abends 9,30 Uhr setzten nach plan-
mäßigem Einschießen und Trommelfeuer starke feind-
liche Angriffe in dichten Massen gegen die Räume
Gavrelles-Roeux und Monchy-Chérisy ein.
Sie brachen im Raume Monchy- Cbreih meist schon
in unserem Sperrfeuer zusammen. Dagegen gelang
es dem Gegner, in Roeux Dorf und Bahnhof ein-
zudringen. Das Dorf wurde im Gegenstoß wieder
genommen, der Bahnhof verblieb den Engländern.
In den Morgenstunden des 12. Mai erneuerte der
Feind sein Trommelfeuer auf der ganzen Front von
AUcheville bis Quéant. Infanlerieangriffe folgten je-
doch nur zwischen Gavrelle und Roeux. Sie wurden
nördlich von Roeux abgewiesen, dagegen führten sie
von dem höher gelegenen Bahnhof Noeux aus zur
erneuten Wegnahme des Dorfes. Am Abend des
12. Mai griffen die Engländer nach stärkster Feuer-
vorbereitung zwischen Scarpe und Straße Arras-
Cambrai zweimal an, wurden aber teils im Nah-
kampf, teils in unserem Feuer blutig abgeschlagen.
Ein weilerer Nachstoß südlich von der Scarpe bis
Monchy scheiterte abermals. Unsere Stellungen blie-
ben unverändert, das Nachlassen der seindlichen Stoß-
kraft war hier nicht zu verkennen.
Dagegen war inzwischen die Erbitterung der
Kämpfe bei Bullecourt aufs höchste gestiegen. Der
Gegner trug sich offenbar mit der Absicht, von diesem
Orte aus den Knick unserer Stellung südwestlich von
Fontaine abzudrücken und so unsere Stellung von
Süden her zu zerschlagen. Nicht weniger als 12 An-
geäffe führte er am 11. und 12. Mai gegen das Dorf
urch. Von Osten, Westen und Süden gleichzeitig
bedrängt, vermochte die an Kräften weit unterlegene
Besatzung, die mit bewundernswerter Ausdauer
focht, gegen Abend des 12. Mai nur noch den Nord-
ostteil des Dorfes zu halten. Gleichwohl gelang es
am späten Abend einem preußischen Gardefüsilier-
bataillon in einem mit größter Bravour durchgeführ-
ten Gegenstoße, dem Feinde alle erreichten Vorteile
im Nahkampf wieder abzutrotzen.
Was der Gegner somit in seinen Angrifsen vom
11. und 12. Mai erreicht hatte, war lediglich der Be-
sitz von Dorf und Bahnhof Roeux.
Die Woche vom 13. bis 20. Mai brachte bei all-
emein lebhafter Artillerietäligkeit keine größeren
fanterieangriffe über die Breite der ganzen Front.
Am 15. Mai eroberten Thüringer Regimenter in
schneidigem Anlaufe von Norden, Osten und Süden