Full text: Geschichte des Königreichs Sachsen mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten culturgeschichtlichen Erscheinungen.

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73. Von Tzschirnhausen. — Johann Friedrich Böttger und die Exfindung 
des Porzelluns. Meißner Porzellunfabrik. — Baxon von Klettenberg. 
Vor 400 Jahren erhielten die Europäer die ersten ausführlichen 
Nachrichten über das Porzellan, welches die Chinesen und Japanesen 
schon seit langer, langer Zeit zu brennen verstanden hatten. Das 
erste Porzellan führten die Portugiesen aus Asien nach Europa ein 
und später bemächtigten sich besonders die Holländer dieses Handels. 
Der Werth der Porzellangeschirre, die früher nur die Tafeln der 
Fürsten schmückten, stand dem Gold und Silber gleich, weshalb für 
dieselben ungeheure Summen Geldes aus Europa nach China und Japan 
wanderten. Da die Holländer von diesem Handel einen glänzenden 
Gewinn zogen, so lag ihnen außerordentlich viel daran, daß das Ge- 
heimniß der Porzellanbereitung den Europäern nicht verrathen würde. 
Bis vor 180 Jahren gebührt den Chinesen und Japanesen die 
Ehre der alleinigen Verfertigung des Porzellans. Nach dieser Zeit 
mußten sie auf dieselbe verzichten. Sachsen war das erste Land, 
welches jenen Völkern diesen Ruhm streitig machte. Dies ging so zu. 
An den kurfürstlichen Hof in Dresden wandte sich ein sehr gelehrter 
und geschickter Mann, Namens von Tzschirnhausen, welcher, von 
dem Kurfürsten unterstützt, in unserm Vaterlande drei Glashütten — 
es waren die ersten in Sachsen — anlegte. Dieser verdienstvolle Mann 
machte es sich zur Lebensaufgabe, das chinesische Porzellan nach- 
zuahmen. Nach mühevollen Versuchen gelang es ihm endlich, eine 
Art Porzellan zu erfinden, das aber zu glasartig war und dem 
weißen Milchglase zu sehr glich. Ganz unerwartet gesellte sich 1701 
ein junger Mensch zu ihm, dem nach verschiedenen Versuchen die Be- 
reitung des wirklichen Porzellans gelingen sollte. Dieser junge Mann 
hieß Johann Friedrich Böttger. Derselbe stammte aus Schleiz“) 
und kam als Apotheker nach Berlin in die Lehre. Hier verfiel er, 
wie viele Andere seiner Zeit, auf den Gedanken, seine freien Stunden 
zum Goldmachen zu verwenden. · 
Mit der sogenannten Goldmacherkunst hatte es folgende Be— 
wandtniß. Schon in den ältesten Zeiten, und zwar lange vor Christi 
Geburt, gab man sich der Hoffnung hin, unedle Metalle, z. B. Kupfer 
mit Zink, in edle verwandeln zu können. Dies würde, dies müsse 
gelingen, so meinte man wenigstens, sobald man ein Mittel erfunden 
habe, das alles in seine Urstoffe auflösen könne, welches Mittel man 
*) Seine Geburtszeit wird verschieden angegeben. Man findet den 
4. Februar 1682, den 5. Februar 1685 und auch das Jahr 1686. Ist Böttger 
in dem letzten Jahre geboren, dann war er eigentlich noch ein Knabe, als 
er 1701 nach Dresden kam.
	        
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